Verstehen





















     


Das Verstehen, die Meinung,
fällt aus unsrer Betrachtung heraus.

























     

            Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an. [& darum interessiert es uns nicht].


     


242
            Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das
Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht me-
talogisch.

243
talogisch, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.





     


61
            Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen: p;
und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.




     


74
            Die Sprache // Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache er-
klären, darum kann man    die Sprache   ˇin diesem Sinne nicht erklären.



     


            Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen:
das    eine   sagen. (Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen
können.)






     


520
                        “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sag-
te!” Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur
dadurch, dass er es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.

                  Du meinst, was Du sagst.



     

“Verstehen” amorph gebraucht.
            “Verstehen” mehrdeutig























     


            Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung
gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?



     


182
            Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. — Ist
die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? — Ich sage, ich habe
[c|C]hinesisch nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt als [gr|bl]osse Ur-
sache, Gesicht Geschichte, hera aus der Gegenwart heraus. Nur auf seine
Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten,
wenn ich das Chinesische sehe. // anschaue. // (Warum sie nicht eintreten, ist
ganz gleichgültig.)


     


184
        Ist es denn willkürlich, welche Interpretation wir Geben wir denn den Worten
geben, die uns gesagt werdenˇ willkürliche Interpretationen? Kommt nicht das Erlebnis ders Interpretation Verstehens

185
mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern
verstehen’?


     


187
            Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir
dies ebenso, wie, dass ich höre, was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt,
höre.// Und hier ist Verstehen das Phänomen welches sich einstellt wenn ich einen deutschen
Satz höre & welches dieses Hören vom Hören eines Satzes einer mir nicht geläufigen Sprache
unterscheidet.







     


            Ich verstehe doch einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm
nicht nur ein Gebilde, nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern es sie hat — sozusagen — einen Einfluss auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa
auf eine Mitteilung oder Frage.









     


207
            (Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was
es heisst, etwas in das gegebene Bild // Gebilde // hineinsehen. // … er-
kennen, wie man etwas in das gegebene … //






     

Das Verstehen als Korrelat
einer Erklärung.

































     


487

                        ((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf
die Frage “welches ist das Kriterium dafür, dass wir etwas    so   meinen”
und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “   so  ” vertritt. Die Ant-
wort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen
zwei sprachlichen Ausdrücken // zwischen zwei Sprachen // her. Also fragt
auch die Frage nach dieser Verbindung. Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns, zu glauben,
dass dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Na-
me, dem Ding, das sein Träger ist. So dass man sagen könnte: “der Pfeil
hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise ge-
meint, die ich nur [v|f]aute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muss”. Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-


     


303
                        Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es
klar, dass man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet // sagt // nicht, dass Du
dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” — Und ich würde
diese Erklärung natürlich verstehen. —
            “Das müsste man (aber) dazuschreiben”.


     

Das Verstehen des Befehls, die
Bedingung dafür, daß wir ihn
befolgen. Das Verstehen des Satzes
die Bedingung dafür, daß wir
uns nach ihm richten.



















     


128

            Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür
sein, dass wir ihn anwenden können. D.h., es kann nichts sein, als diese die
Bedingung und es muss die Bedingung der Anwendung sein.




     

            Das Verstehen einer Beschreibung kann man, glaube ich, mit dem
Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen. (Und hier ist
wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis
ist.) Und es würde wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses
aufgefasst.



     


164
            Man könnte es? aber in gewissen Fällen geradezu als Bedingung Kriterium des
Verstehens setzen, dass man den Sinn des Satzes muss zeichnen können. zeichnerisch darstellen können.Wenn




     


304
            Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir
vor, wie ich eine gelbe Blume hole, so habe ich bewiesen so kann das ein Zeichen dafür sein, dass ich den Be-
fehl verstanden habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. —
Warum? Wohl, weil ich das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben wer-
den muss. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver-
wandten Befehl ausgeführt.










     


138
gen kann.






     


244
            “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe,
was Du meinst. — Ja, jetzt verstehe ich Dich”.
            Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand? Ich
konnte mich natürlich irren, und dass ich den Andern verstand, war eine
Hypothese. Aber es fiel mir ˇetwa plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuch-
tete. Aber war diese Deutung etwas anderes, als ein Satz einer Sprache?


  (   

            Es konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutungen vor-
schweben, für deren eine ich mich endlich entscheide. Aber das Vorschweben
der Deutungen war das Vorschweben von Ausdrücken einer Sprache. (?)


     

Deuten.
Deuten wir jedes Zeichen?
























     


227
            Denken wir uns einen Zerstreuten, der auf den Befehl “rechtsum”
sich nach links gedreht hätte und nun, an die Stirne greifend, sagte “ach
so — ‘rechtsum’!” und rechtsum machte.





     



   Man sagt: ein Wort verstehn heisst,
wissen wie es gebraucht wird.
     Was heisst es, das zu wissen? Dieses
Wissen haben wir sozusagen im
Vorrat.




















     


69
        Es ist so, wie wenn ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werk-
zeuge zum künftigen Gebrauc[g|h] herrichtete,. Ein Werkzeug ist ja auch das
Abbild seines Zwecks.


  (   


        (Es ist hier ein Schritt nötig, der dem der Relativitätstheorie
ähnlich ist.)



     


176
            Ich sage: Hier ist zwar nichts [r|R]otes um mich, aber wenn hier
etwas wäre, so    könnte   ich es erkennen. — Hier sage ich offenbar et-








     

Bedeutung
























     

Der Begriff der Bedeutung
stammt aus einer primitiven
Auffassung der Sprache her.























     


            Ich will damit sagen: Augustinus beschreibt wirklich einen
Kalkül; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen, dieser Kalkül.







     


96
            “Bedeutung” kommt von “[D|d]deuten”. [gemeint ist „hindeuten”]


     


96
            Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven Gebärden-
(Zeige-) Sprache zusammenhängen.





     


            Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz.
Und diese Funktionen scheinen uns ausgedrückt in den Regeln, die von den
Wörtern gelten.






     

Bedeutung der Ort des Wortes
im grammatischen Raum.

























     


227

können das Wort durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat.
Damit ist gleichsam ein Platz für das Wort fixiert und mann kann ein Wort
für das andere setzen, wenn man es an den gleichen Platz setzt.



     


344
den Platz des Wortes halten? So dass an einer Vorstellung quasi ein
Haken ist, — und hänge ich an    den   ein Wort, so ist ihm damit dadurch der
Platz angewiesen?

            Oder: Wenn ich mir den Platz merke, was merke ich mir da?




     


178
                        Der Ort des eines Wortes in der Sprache Grammatik ist seine Bedeutung.


     


   Wäre es nicht ähnlich wenn ich mich
entschlösse die Formen der Schach-
figuren zu ändern oder etwa eine Figur die wir jetzt „Rössel” nennen würden
als Königsfigur zu nehmen? die Figur eines Pferdchens als König zu nehmen? Wie
würde es sich nun zeigen dass ˇ<…> das
hölzerne Pferdchen Schachkönig ist?
Kann ich hier nicht sehr gut von
einem Wechsel der Bedeutung reden?












     


70

            Wir verstehen unter “Bedeutung des Namens” nicht den
Träger des Namens.







     


497

                    “Wenn ich wir nun auch sage sagen, der Träger des Namens ist
nicht seine Bedeutung, so bestimmt doch der Träger die Bedeutung; und wenn
ich, auf ihn zeigend, sage [|]das ist N’, so ist die Bedeutung von ‘N’ be-
stimmt.”

            Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes
‘Träger’ in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton, etc.) die Bedeutung
bis auf eine letzte Bestimmung.


     


497
                      Wenn ich sage “die Farbe    dieses   [nicht sperren] Gegenstands
heisst ‘violett’”, so muss ich die Farbe mit den ersten Worten “die Farbe
dieses Gegenstands” schon benannt haben, sie schon zur Taufe gehalten haben,
damit der Akt der Namengebung ?—das sein kann, was er ist—?. Denn ich könnte
auch sagen “der Namen dieser Farbe (der Farbe dieses Dings) ist von Dir zu
bestimmen”, und der den Namen gibt, müsste nun schon wissen, wem er ihn gibt
(an welchen Platz der Sprache er ihn stellt).


     


465
satz zu etwas Anderm stünde, also etwa zu Form. Ich könnte also so erklären:
die Farbe dieses Flecks heisst “rot”, die Form “Kreis”.
            Und hier stehen die Wörter “Farbe” und “Form” für Anwendungsar-
ten (grammatische Regeln) und sind // bezeichnen // in Wirklichkeit Wort-
arten, wie “Eigenschaftswort”, “Hauptwort”. Man könnte sehr wohl in der
(gewöhnlichen?) Grammatik neben diesen Wörtern die Wörter “Farbwort”, “Form-
wort”, “Klangwort”, einführen. (Dass aber nicht jemand einwendet: “warum
dann nicht auch ‘Baumwort’, ‘Buchwort’ und”!)


     


754
                        Der Name, den ich einem Körper gebe, einer Fläche,
einem Ort, einer Farbe, hat jedes Mal andere Grammatik. Der Name “a” in
“a ist gelb” hat eine andere Grammatik, wenn a der Name eines Körpers und
wenn es der Name einer Fläche eines Körpers ist; ob nun ein Satz “dieser
Körper ist gelb” sagt, dass die Oberfläche des Körpers gelb ist, oder dass
er durch und durch gelb ist. “Ich zeige auf a” hat verschiedene Grammatik,
je nachdem a ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc.. Und so hat auch
das hinweisende Fürwort “dieser” andere Bedeutung (d.h. Grammatik), wenn
es sich auf Hauptwörter verschiedener Grammatik bezieht. // Hauptwörter
mit verschiedener Grammatik bezieht.//


     



   Die Bedeutung eines Wortes ist
das, was die (grammatische) Er-
klärung der Bedeutung erklärt.






















     


227

            Veranlassen wir es dadurch nicht, Worten einen Sinn beizule-
gen, ohne dass wir sie durch ein anderes Zeichen ersetzen, also ohne die-
sen Sinn auf andere Weise auszudrücken? Veranlassen wir es nicht gleichsam,
für sich etwas zu tun, dem kein äusserer Ausdruck gegeben wird, oder wozu
der äussere Ausdruck nur im Verhältnis einer Hindeutung, eines Signals,
steht. Die Bedeutung liesse sich nicht aussprechen, sondern nur auf sie von
ferne
hinweisen. ˇSie ließe sich gleichsam nur verursachen. Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, wenn wir von die-
ser Bedeutung reden? Denken wir (Schlag und Schmerz)










     

145 70

            Mißverständnis nenne ich das was durch eine Erklä-
rung zu beseitigen ist. Die Erklärung der Bedeutung eines Wortes
schließt Mißverständnisse aus.













     


“Die Bedeutung eines Zeichens ist
durch seine Wirkung (die Assoziationen,
die es auslöst etc.) gegeben.”




























     

225
            In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes A
noch ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat? Und in wiefern
kann man sagen, man hat die Bedeutung durch die Befolgung des Befehls ken-
nen gelernt? Können die beiden Bedeutungen mit einander in Widerspruch ste-
hen?






     

9
            Unsere Weise von den Wörtern zu reden, können wir durch das
beleuchten, was Sokrates im “Kratylos” sagt. Kratylos: “Bei weitem und
ohne [|]rage ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein Ähnliches darzu-
stellen, was jemand darstellen will, als durch das erste beste.” — Sokra-
tes: “Wohlgesprochen, …”.






     

226
            Es ist wirklich “the meaning of meaning” was wir untersuchen:
Nämlich Oder die Grammatik des Wortes “Bedeutung”.


     

Bedeutung als Gefühl, hinter
dem Wort stehend; durch eine
Geste ausgedrückt.

























     

Man tritt mit der ˇhinweisenden Erklärung
der Zeichen nicht aus der Sprachlehre
heraus.
























     

260
            Soweit die Bedeutung der Wörter in der Tatsache (Handlung) zum Vor-
schein
kommt, kommt sie (schon) in der Beschreibung der Tatsache zum Vorschein.
(Sie wird also ganz in der Sprache Sprachlehre bestimmt.)
            (In</>dem, was sich hat voraussehen lassen; worüber man schon vor dem
Eintreffen der Tatsache reden konnte.)






     


            “Primäre & secundäre” Zeichen



     

            Wort & Muster.
            Hinweisende Definition






















     

466
                      Nicht die Farbe Rot tritt Bedeutung dieses Wortes tritt an Stelle des Wortes “rot”,
sondern die Gebärde, die auf einen roten Gegenstand hinweist, oder das rote
Täfelchen.


     

                      Nun sage ich aber: “Es gilt mit Recht als ein Krite-
rium des Verstehens // Verständnisses // des Wortes “rot”, dass Einer einen
roten Gegenstand auf Befehl aus anders anderen gefärbten herausgreifen kann; dagegen
ist das richtige Uebersetzen des Wortes “rot” ins Englische oder Französische

467
kein Beweis des Verstehens. A[,|l]so Darum ist das rote Täfelchen ein primäres Zei-
chen für “rot”, dagegen jedes Wort als ein sekundäres // abgeleitetetes // Zei-
chen.” ((Aber das zeigt nur, was ich unter mit dem “Verstehen des Wortes ‘rot’”
verstehe // meine//. Und was heisst “es gilt    mit Recht   …”?
Heisst es: Wenn ein Mensch einen roten Gegenstand auf Befehl etc. etc., dann
hat er erfahrungsgemäss auch das Wort ‘rot’ verstanden. Wie man sagen kann,
gewisse Schmerzen gelten mit Recht als Symptom dieser und dieser Krankheit?
So ist es natürlich nicht gemeint. Also soll es wohl heissen, dass die Fä-
higkeit rote Gegenstände herauszugreifen der spezifische Test dessen ist,
was wir Verständnis des Wortes ‘rot’ nennen. Dann bestimmt diese Angabe, al-
so, was wir unter diesem Verständnis meinen. Aber dann fragt es sich noch:
wenn wir das Uebersetzen ins Englische etc. als Kriterium ansähen, wäre es
nicht auch das Kriterium von dem, was wir ein Verständnis des Wortes nen-
nen? Es gibt nun den Fall, in welchem wir sagen: ich weiss nicht, was das
Wort rot’ //‘rouge’// bedeutet, ich weiss nur, dass es das Gleiche bedeu-
tet, wie das englische ‘reld’. So ist es, wenn ich die beiden Wörter in ei-
nem Wörterbuch auf der gleichen Zeile gesehen habe, und dies ist die Veri-
fikation des Satzes und sein Sinn. Wenn ich dann sage “ich weiss nicht, was
das Wort ‘rot’ //‘rouge’// bedeutet”, so bezieht sich dieser Satz auf eine
Möglichkeit der Erklärung dieser Bedeutung und ich könnte, wenn gefragt
“wie stellst Du Dir denn vor, dass Du erfahren könntest, was das Wort be-
deutet”, Beispiele solcher Erklärungen geben (die die Bedeutung des Wortes
“Bedeutung” beleuchten würden). Diese Beispiele wären dann entweder der Art,
dass statt des unverstandenen Wortes ein verstandenes — etwa das deutsche —
gesetzt würde, oder dass die Erklärung von der Art wäre “   diese   (Pfeil)
Farbe heiss ‘violett’”. Im ersten Falle wäre es für mich ein Kriterium da-
für, dass er das Wort ‘rouge’ versteht, dass er sagt, es entspreche dem
deutschen ‘rot’. “Ja”, wird man sagen, “aber nur, weil Du schon weisst, was
das deutsche ‘rot’ bedeutet”. — Aber das bezieht sich ja ebenso auf die hin-

468
weisende Definition. Das Hinweisen auf das rote Täfelchen ist auch nur da-
rum // dann // ein Zeichen des Verständnisses, weil // wenn // vorausge-
setzt wird, dass er die Bedeutung    dieses   Zeichens versteht // kennt//,
was ˇetwa so viel heisst, als dass er das Zeichen auf bestimmte Weise verwendet. —
Es gibt also wohl // allerdings // den Fall wo Einer sagt “ich weiss, dass
dieses Wort dasselbe bedeutet wie jenes, weiss aber nicht, was es bedeutet
(sie bedeuten)”. Willst Du den ersten Teil dieses Satzes verstehen, so fra-
ge Dich: “wie konnte er es wissen?”, — willst Du den zweiten Teil verstehen,
so frage: “wie kann er erfahren, was das Wort bedeutet?” — Ferner aber ist


     

468
                      Welches ist denn das Kriterium unseres Verständnisses:
das Aufzeigen des roten Täfelchens, wenn gefragt wurde “welches von diesen
Täfelchen ist rot”, — oder, das Wiederholen der hinweisenden Definition?
“das (Pfeil) ist ‘rot’”?
Zeile



     

469

            Die Lösung beider ˇAufgaben betrachten wir als
Zeichen des Verständnisses. Hören wir jemand das Wort ‘rot’ gebrauchen und
zweifeln daran, dass er es versteht, so können wir ihn zur Prüfung fragen

470
“welche Farbe nennen wir ‘rot’”. Anderseits: wenn wir jemandem die hin-
weisende Erklärung gegeben hätten “diese (Pfeil) Farbe heisst ‘rot’” und
nun sehen wollten, ob er diese Erklärung richtig verstanden hat, so wür-
den wir nicht von ihm</>verlangen, dass er sie wiederholt, sondern wir gäben
ihm etwa die Aufgabe, aus einer Anzahl von Dingen die roten herauszusuchen.
In jedem Fall ist das, was wir ‘Verständnis’ nennen, eben dadurch // durch
das // bestimmt, was wir als Probe des Verständnisses ansehen (durch die
Aufgaben bestimmt, die wir zur Prüfung des Verständnisses stellen). ))



     

473
((Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene Fälle: Es kann die Tabelle mit
grün gegenüber ‘rot’ etc. so gebraucht werden, wie wir die Tabelle in der
gewöhnlichen Anordnung gewöhnlich gebrauchen. Wir würden also etwa demn,
der sie gebraucht, von dem Wort ‘rot’ nicht auf das gegenüberliegende Tä-
felchen blicken sehen, sondern auf das rote, das schräg darunter steht.
(aber wir müssten auch diesen Blick nicht sehen) und finden, dass er dann
statt des Wortes ‘rot’ in einem Ausdruck das rote Täfelchen einsetzt. Wir
würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders angeordnet (nach einem an-
dern räumlichen Schema), aber sie verbinde die Zeichen, wie die gewohnte. —
Es könnte aber auch sein, dass der, welcher die Tabelle benützt, von der
einen Seite horizontal zur andern blickt und nun in irgend welchen Sätzen
das Wort ‘rot’ durch ein grünes Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den
Befehl “gib mir das rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtig das
rote (d.h. das, welches auch wir ‘rot’ nennen). Dieser hat nun die Tabelle
anders benützt, als der Erste, aber doch so, dass ‘rot’ die gleiche Bedeu-
tung für ihn hatte, wie für uns. (Zu einer Tabelle gehört übrigens wesent-
lich die Tätigkeit des Nachschauens Aufsuchens in der Tabelle.) Es ist nun offenbar
der zweite Fall, welcher uns interessiert und die Frage ist: kann ein grü-
nes Täfelchen als    Muster   der roten Farbe dienen? Und da ist es klar,
dass dies (in    einem   Sinn) nicht möglich ist. Ich kann mir eine Ab-
machung denken, wonach Einer, dem ich eine grüne Tafel zeige und sage, male
mir diese Farbe, mir ein Rot malt; wenn ich dasselbe sage und zeige ihm
blau, so hat er gelb zu malen u.s.w. ˇ immer die kompl[i|e]mentäre Farbe; und daher kann ich mir auch denken,
dass Einer meinen Befehl auch ohne eine vorhergehende Abmachung so deutet.
Ich kann mir ferner denken, dass die Abmachung gelautet hätte “auf den Be-
fehl ‘male mir diese Farbe’, male immer eine gelblichere, als ich Dir zei-
ge”; und wieder kann ich mir die Deutung auch ohne Verabredung denken.
Aber kann man sagen, dass einer ein rotes Täfelchen genau kopiert, indem
er einen bestimmten Ton von grün (oder ein anders Rot als das des Täfel-

474
chens) malt und zwar so, wie er eine gezeichnete Figur, nach verschiedenen
Projektionsmethoden, verschieden und genau kopieren kann? — Ist also hier
der Vergleich zwischen Farben und Gestalten richtig, und kann ein grünes
Täfelchen einerseits als der Name einer bestimmten Schattierung von rot ste-
hen und anderseits als ein Muster dieses Tones? wie ein Kreis als der Name
einer bestimmten Elipse verwendet werden kann, aber auch als ihr Muster. —
Kann man also dort wie hier von verschiedenen Projektionsmethoden sprechen,
oder gibt es für das Kopieren einer Farbe nur    eine   solche: das Malen
der gleichen Farbe? Wir meinen diese Frage so, dass sie nicht dadurch ver-
neint wird, dass uns die Möglichkeit gezeigt wird, mittels eines bestimmten
Farbenkreises und der Festsetzung eines Winkels von einem Farbton auf ir-
gend einen andern überzugehn. Das, glaube ich, zeigt nun, in wiefern das
rote Täfelchen gegenüber dem Wort ‘rot’ in einem andern Fall ist, als das
grüne. Uebrigens bezieht sich, was wir hier für die Farben gesagt haben,
auch auf die Formen von Figuren, wenn das Kopieren ein Kopieren nach dem
Augenmass und nicht ˇeines mittels Messinstrumenten ist. — Denken wir uns nun aber
doch einen Menschen, der vorgäbe “er könne die Schattierungen von Rot in
Grün kopieren” und auch wirklich beim Anblick des roten Täfelchens mit allen
(äusseren) Zeichen des genauen Kopierens einen grünen Ton mischte und so
fort bei allen ihm gezeigten roten Tönen. Der wäre für uns auf derselben
Stufe, wie Einer, der der auf die gleiche Weise (durch genaues Hinhorchen) Far-
ben nach Violintönen mischte. Wir würden in in dem    dem   Fall sagen: “Ich
weiss nicht,    wie   er es macht”; aber nicht in dem Sinne, als verstünden
wir nicht die verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder seinen Muskeln, son-
dern, wir verstehen nicht, was es heisst “dieser Farbton, sei ist eine Kopie die-
ses Violintones”. Es sei denn, dass damit nur gemeint ist, dass ein bestimm-
ter Mensch erfahrungsgemäss einen bestimmten Farbton mit einem bestimmten
Klang assoziiert (ihn zu sehen behauptet, malt, etc.). Der Unterschied zwi-
schen dieser Assoziation und dem Kopieren, auch wenn ich selbst beide Ver-
fahren kenne, besteht darin // zeigt sich darin//, dass es für die assoziier-

475
te Gestalt keinen Sinn hat, von Projektionsmethoden zu reden, und dass ich
von dem assoziierten Farbton sagen kann “jetzt fällt mir bei dieser Farbe
(oder diesem Klang) diese Farbe ein, vor 5 Minuten war es eine andere”,
etc.. Wir könnten auch niemandem sagen “Du hast nicht richtig assoziiert”,
wohl aber “Du hast nicht richtig kopiert”. Und die Kopie einer Farbe — wie
ich das Wort gebrauche — ist nur eine; und es hat keinen Sinn, (hier?) von
verschiedenen Projektionsmethoden zu reden.))


     

477

            Es ist die Frage: Wenn sich diese Regel, ˇdas Muster stehe für die Komplementärfarbe, ihrem Wesen nach nur auf
die Farben (oder Wörter) blau, rot, grün, gelb bezieht, ist sie dann nicht
identisch mit der, welche das grüne Zeichen als Wort für “rot” und umgekehrt
etc. festsetzt? Denn eine Regel // Allgemeinheit //, die ihrem logischen We-
sen nach einem logischen Produkt äquivalent ist, ist nichts andres, als dieses
logische Produkt. (Denn man kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen;
nun hole mir ein Ding von der komplementären Farbe,    welche immer
das sein mag
  . D.h., “die komplimentäre Farbe von rot” ist keine Be-
schreibung von grün.ˇ wie „das Produkt von 2 ×2” keine Beschreibung von 4) Die Bestimmung, die Komplementärfarbe als Bedeutung
des Täfelchens zu nehmen, ist dann, wie ein Querstrich in einer Tabelle;
ein Querstrich in der Grammatik der Farben gezogen. ⋎ Es ist klar daß ich mit Hilfe einer solchen Regel
eine Tabelle herstellen konstruieren kann, ohne noch aus der Gram-
matik herauszutreten, also vor jeder Anwendg. d. Sprache.
Anders wäre
es, wenn die Regel (R) hiesse: das Täfelchen bedeutet immer ei-
nen etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der seine //
ist. Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der Farb- und der Ge-
staltprojektion achten (und bei der letzteren wieder auf den Unterschied der
Abbildung nach visuellen Kriterien und von der Uebertragung mit Messinstrumenten).
Das Kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in einem andern Sinne als dem,
in welchem das Hervorbringen des gleichen Farbtons so genannt wird. Es han-
delt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden vergleichbar, etwa, der

478
Parallel- und der Zentralprojektion, durch die ich eine geometrische Figur
mit Zirkel und Lineal in eine andere projizieren kann. (Die Metrik der Farb-
töne.)
            Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten
Sinn des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des Wortes “kopieren”
entspricht) das hellere Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes neh-
men.


     

478

        Die ursprüngliche Frage war: Könnten wir nicht zur hinweisenden Er-
klärung von ‘rot’ ebensowohl ˇauf ein grünes, wie auf ein rotes Täfelchen zeigen?
denn, wenn diese Definition nur ein Zeichen statt des andern setzt, so soll-
te dies doch aufs gleiche hinauslaufen // keinen Unterschied machen//. —
Wenn die Erklärung nur ein Wort für ein andres setzt, ist es auch gleichgül-
tig // so macht es auch keinen//. Bringt aber die Erklärung das Wort mit
einem Muster in Zusammenhang, so ist es nun nicht unwesentlich, mit welchem
Täfelchen das Zeichen verbunden wird (denke auch wieder daran, dass eine
Farbe der andern nicht im gleichen Sinn zum Muster dienen kann, wie ihr
selbst). “Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen und solche, die nicht
willkürlich sind!” — Aber denken wir nur an die Verständigung durch Landkar-
ten, Zeichnungen, und Sätze anderseits: die Sätze sind so wenig willkürlich,
wie die Zeichnungen. Aber die Worte sind willkürlich. (Vergleiche die Abbil-
dung /= / = o , — = x.) Wird denn aber ein Wort eigentlich als Wort ge-
braucht, wenn ich es nur in Verbindung mit einer Tabelle gebrauche, die
den Uebergang zu Mustern macht? Ist es also nicht falsch, zu sagen, ein Satz
sei ein Bild, wenn ich doch nur ein Bild nach ihm und der Tabelle zusammen-
stelle? Aber so ist also doch der Satz und die Tabelle zusammen ein Bild.
Also zwar nicht adbcb allein, aber dieses Zeichen zusammen mit
            Aber es ist offenbar, dass auch adbcb ein Bild von
genannt werden kann. Ja aber, ist nicht doch das Zeichen
adbcb ein willkürlicheseres Bild von als dieses Zeichen von der
Ausführung der Bewegung? Etwas ist auch an dieser Uebertragung willkürlich

479
(die Projektionsmethode) und wie sollte ich bestimmen, was willkürlicher
ist.
            Ich vergleiche also die Festsetzung der Wortbedeutung durch die hin-
weisende Definition, der Festsetzung einer Projektionsmethode zur Abbildung
räumlicher Gebilde. Dies ist freilich nicht mehr als wie ein Vergleich. Ein ganz
guter Vergleich, aber er enthebt uns nicht der Untersuchung des Funktionie-
rens der Worte, ?—getrennt von dem Fall der räumlichen Projektion—?. Wir können
allerdings sagen — d.h. es entspricht ganz dem Sprachgebrauch — , dass wir
uns durch Zeichen verständigen, ob wir Wörter oder Muster gebrauchen; aber
das Muster ist kein Wort, und das Spiel, sich nach Worten zu richten, ein
anderes als das, sich nach Mustern (zu?) richten. (Wörter sind der Sprache
nicht wesentlich.) Kann man aber vielleicht sagen, dass Muster ihr wesentlich
wären? (Muster sind der Benützung // dem Gebrauch // von Mustern wesentlich,
Worte, der Benützung // dem Gebrauch // von Worten.)


     

489
                      ?—Vergiss hier auch nicht, dass die Wortsprache nur
   eine   unter vielen möglichen Sprachen ist—? und es Uebergänge von ihr in
die andern gibt. Untersuche die Landkarte darauf auf das hin, was in ihr dem Aus-
druck
der Wortsprache entspricht.


     

512
                    ‘Primär’ müsste eigentlich heissen: unmissverständlich.


     

510
                        Es klingt wie eine lächerliche Selbstverständlich-
keit, wenn ich sage, dass der, welcher glaubt die Gebärden // Gesten //
seien die primären Zeichen, die allen andern zu Grunde liegen, ausser Stan-
de wäre, den gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.


     

588
                          Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen
Sprache und Wirklichkeit” herstellen, und solche, die es nicht tun. Von der
ersten Art etwa: “diese Farbe nenne ich ‘rot’”, — von der zweiten: “
“non-non-p = p”. Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der Unter-
schied scheint prinzipieller Art zu sein; und die Sprache wesentlich etwas,
dem eine Struktur gegeben, und was dann der Wirklichkeit aufgepasst wird.


     

497
                      “Ich will nicht verlangen, dass in der erklärenden

498
Tabelle das rote Täfelchen, horizontal gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen soll,
aber irgend ein Gesetz des Lesens der Tabelle muss es doch geben. Denn sonst
verliert ja die Tabelle ihren Sinn”. Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabel-
le so aufgefasst wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das Schema
vorher gegeben werden?” Nur, sofern auch das
Schema früher gegeben wird.

     

                    ““Wird aber dann nicht wenigstens eine gewisse Regelmäs-
sigkeit im Gebrauch gefordert?! Würde es angehen, wenn wir einmal eine Ta-
belle nach diesem, einmal nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?    Wie
soll man denn wissen
  , wie man diese Tabelle zu gebrauchen
hat?”” — Ja, wie weiss man es denn    heute  ? Die Zeichenerklärungen ha-
ben doch irgend einmal // irgendwo // ein Ende.



     

499
                     Ist das Zeigen mit dem Finger unserer Sprache wesent-
lich? Es ist gewiss ein merkwürdiger Zug unserer Sprache, dass wir Wörter
hinweisend erklären: das ist ein Baum, das ist ein Pferd, das ist grün, etc..

500
((Ueberall auf der Erde // bei den Menschen // finden sich Brettspiele, die
mit kleinen Klötzchen auf Feldern gespielt werden. Ueberall auf der Erde
findet sich eine Schrift // eine Zeichensprache//, die aus geschriebenen
Zeichen auf einer Fläche besteht.))


     

507

            Ich bestimme allerdings die Be-
deutung eines Worts, indem ich es als Name eines Gegenstandes erkläre, und
auch, indem ich es als gleichbedeutend mit einem andern Wort erkläre,. Aber
habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen nur durch ein anderes
Zeichen erklären? Und das ist gewiss so, sofern ja die hinweisende Erklä-
rung “das (Pfeil) ist N” ein Zeichen ist. Aber ferner bildet hier auch der
Träger von “N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des Zeichens. Denn:
/dieser (Pfeil) hat es getan/ = /N hat es getan/.
Dann heisst aber ‘N’ der Name von diesem Menschen, nicht vom Zeichen
“dieser (Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist. Und zwar spielt
der Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle, verschieden von der
eines andern Teiles eines Zeichens. (Eine Rolle, nicht ganz ungleich der
des Musters.)


     

508

            Ich will sagen: Die hinweisende Erklärung eines Na-
mens ist nicht nur äusserlich verschieden von einer Definition wie “1+1 = 2”,
indem etwa das eine Zeichen aus in einer Geste meiner Hand, statt in einem Laut-
oder Schriftzeichen besteht, sondern sie unterscheidet sich von dieser lo-
gisch
; wie die Definition, die das Wort dem Muster beigesellt, von der, ei-
nes Wortes durch ein Wort. Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch ge[|]


     

508

        Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten
durch ihn // den ersten//, so steht dieser zu jenem in anderem Verhältnis
// ist dieser zu jenem in anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in
der hinweisenden Definition gegeben wurde.// d.h., dieses letztere ist sei-
nem Gebrauch nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die Ver-

509
baldefinition und die hinweisende Definition, ‘Definitionen’ in verschiede-
nem Sinne des Worts.



     

515

            Und [i|I]ch kann von primären und sekundären Zeichen sprechen — in
   einem   bestimmten Spiel, einer bestimmten Sprache. — Im Musterkatalog
   kann   ich die Muster die primären Zeichen und die Nummern die sekundä-
ren nennen. Was soll man aber in einem Fall, wie dem, der gesprochenen und
geschriebenen Buchstaben sagen? Welches sind hier die primären, welches die
sekundären Zeichen?
            Die Idee ist doch die: [s|S]ekundär ist ein Zeichen dann, wenn, um
mich danach zu richten, ich eine Tabelle brauche, die es mit einem andern
(primären) Zeichen verbindet, über welches ich mich erst nach dem sekundä-
ren richten kann.
            Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller Uebergänge nicht,
denn sie zwingt mich ja nicht, sie immer gleich zu gebrauchen. Sie ist da
wie ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch querfeldein ge-
hen.
            Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder Anwendung von
Neuem. Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht. (Die
Tabelle    verleitet   mich höchstens, ihn so zu machen.)

            Und also richte ich mich doch unmittelbar? nach dem sekundären
Zeichen, wenn ich in der Tabelle von diesem sekundären Zeichen gerade
   dorthin   gehe.



     


Das was uns am Zeichen interes-
siert; die Bedeutung, die für uns
maßgebend ist, ist das, was in der
Grammatik des Zeichens niederge-
legt ist.





















     


     Satz

     Sinn d. Satzes






















     

‘Satz’ & ‘Sprache’ verschwimmende
Begriffe.
























     

            Oder wir müssen sagen: Vom Satzbegriff // Satz // kann nur in
einem // innerhalb eines // grammatischen Systems gesprochen werden.
//… kann [/|n]ur in der Erklärung eines grammatischen Systems die Rede sein.//















     

            Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der
Bedeutung” ausgesprochen. Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festge-
legt.

     

            Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur Grammatik
der Sätze?

     

            “Satz” ist offenbar die Ueberschrift der Grammatik der Sätze.
In einem Sinne aber auch die Ueberschrift der Grammatik überhaupt, also
äquivalent den Worten “Grammatik” und “Sprache”.


     

108
            Es scheint unsere Frage noch zu erschweren, dass auch
die Worte “Welt” und “Wirklichkeit” Aequivalente des Wortes “Satz” sind.

  (   

            Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder die Wirklichkeit,
abgrenzen zu wollen. Wem soll man sie denn entgegenstellen. Und so ist es
mit der Bedeutung des Wortes “Tatsache”.
            Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als Begriffswör-
ter
.










     

171
            Könnten wir etwas ‘Sprache’ nennen, was nicht wirklich angewandt
würde? Könnte man von Sprache reden, wenn nie eine gesprochen worden wäre?
(Ist denn Sprache ein Begriff, wie ‘Centauer’, , vergleichbar mit dem Begriff ‘Centaur’, der besteht, auch wenn es nie
ein solches Wesen gegeben hat?) (Vergleiche damit ein Spiel, das nie gespielt wurde, eine Regel, nach der nie gehandelt wurde.)


     

246
            Was tut der, der eine neue Sprache konstruiert (erfindet)? nach
welchem Prinzip geht er vor? Denn dieses Prinzip ist der Begriff ‘Sprache’.


     

247
            Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache konstruieren. Ihre
Regeln aufstellen. Ihre Grammatik verfassen.

     

            Erweitert jede erfundene Sprache den Begriff der Sprache?

     

            Was für das Wort “Sprache” gilt, muss auch für den Ausdruck “Sy-
stem von Regeln” gelten. Also auch für das Wort “Kalkül”.




     

            Immer wieder hat mein u.s.w. eine Grenze.

     

248
                  Was nenne ich “Handlung”, was “Sinneswahrnehmung”?




     

115
         Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff ‘[s|S]prache’ den
Kopf, statt Sprache zu gebrache zu gebrauchen?!


     

126
            Dieses K[p|o]pfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir einen
al<l>gemeinen Begriff    haben  .













     


      Die Logik redet von Sätzen & Wörtern
im gewöhnlichen Sinn, nicht von
Sätzen & Wörtern in ˇirgend einem abstrak-
teren abstrakten Sinn.































     

            Und Deine Skrupel sind Missverständnisse.

     

            Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss ich von Wörtern
reden.

     

             Man sagt: Es kommt doch nicht auf das // auf's // Wort an, son-
dern auf seine Bedeutung, und denkt dabei immer and die Bedeutung, als ob sie
nun eine Sache von der Art des Worts wäre, allerdings vom Wort verschieden.
Hier ist das Wort, hier die Bedeutung. (Das Geld, und die Kuh die man dafür
kaufen kann. Anderseits aber: [D|d]das Geld, und sein Nutzen.)


     


      Satz & Satzklang


























     

            Es fragt sich also, ob wir ausser diesem irreführenden Satzklang
noch einen allgemeinen Begriff vom Satz haben. (Ich rede jetzt von dem, was
durch ‘&’, ‘⌵’, ‘C’, zusammen_gehalten wird.)


     


645
                      Hat es einen Sinn, zu sagen: “Ich habe so viele Schu-
he, als eine Wurzel der Gleichung x³+2x-3 = 0 Einheiten hat”? Hier
könnte es scheinen, als hätten wir eine Notation, der wir es eventuell nicht
ansehen können, ob sie Sinn hat oder nicht.
            Wenn der Ausdruck “die Wurzel der Gleichung F(x) = 0” eine Be-
schreibung im Russell'schen Sinne wäre, so hätte der Satz “ich habe n Aep-
fel und n+2 = 6” einen andern Sinn, als der: “ich habe 4 Aepfel”.
            Wir haben in dem ersten Satz ein ausserordentlich lehrreiches Bei-
spiel dafür, wie eine Notation auf den ersten Blick einwandfrei erscheinen
kann, nämlich so, als verstünden wir sie; und dass wir in Wirklichkeit ei-
nen unsinnigen Satz nach Analogie eines sinnvollen gebildet haben und nur
   glauben  , die Regeln des ersteren zu übersehen. So ist “ich habe n
Schuhe und n²=4” ein sinnvoller Satz; aber nicht “ich habe n Schuhe und
n²=2”.

     


        Was als Satz gelten soll, ˇist in
der Grammatik bestimmt.




























     


31
                  Man kann natürlich auch nicht sagen, ‘Satz’ sei dasjenige,
wovon man ‘wahr’ und ‘falsch’ aussagen könneˇ, in dem Sinn, als könnte man versuchen, zu welchen Symbolen die Wörter ‘wahr’ und ‘falsch’ paßten & danach entscheiden, ob etwas ein Satz ist. D d das würde nur dann etwas
bestimmen, wenn diese Worte in einer bestimmten Weise gemeint sindˇ d.h. bereits eine bestimmte Grammatik haben, das
aber können sie nur im Zusammenhang sein
ˇ//…wenn diese Worte … d.h. …. Und eben im Zusammenhang mit
einem Satz. Alles, was man machen kann, ist, hier, wie in allen diesen
Fällen, das grammatische Spiel bestimmen., seine Regeln angeben und es
dabei bewenden lassen.
            Hier handelt es sich um die Regeln für “⌵”, “non”, etc.


     


261
            Was ein Satz ist, wird durch die Grammatik bestimmt. D.h., inner-
halb der Grammatik.
            (Dahin zielte auch meine “allgemeine Satzform”.)




     


643
            Kann man den Begriff des “Satzes” festlegen? oder die
allgemeine Form des Gesetzes? — Warum nicht! Wie man ja auch den Begriff
‘Zahl’ festlegen könnte, etwa durch das Zeichen “/0,x,x+1/”. Es steht mir ja
frei, nur das Zahl zu nennen; und so steht es mir auch frei, eine analoge
Vorschrift zur Bildung von Sätzen oder Gesetzen zu geben und das Wort “Satz”
oder “Gesetz” als ein Aequivalent dieser Vorschrift zu gebrauchen. Wehrt man
sich dagegen und sagt, es sei doch klar, dass damit nur gewisse Gesetze von
andern abgegrenzt worden seien, so antworte ich: Ja, Du kannst freilich nicht
eine Grenze ziehen, wenn Du von vornherein entschlossen bist, keine anzuer-

644
kennen! — Sollen die “Sätze” den unendlichen logischen Raum erfüllen, so kann
von keiner allgemeinen Satzform die Rede sein. Es fragt sich dann natürlich:
Wie gebrauchst Du nun das Wort “Satz”? im Gegensatz wozu? — Etwa im Gegensatz
zu “Wort”, “Satzteil”, “Buchtitel”, Erzählung”, etc..

     


760
                        (Ein Satz der von allen Sätzen oder allen Funktionen
handelt. Was stellt man sich darunter vor? // Was meint man damit? // Es
wäre wohl ein Satz der Logik. Denken wir nun daran, wie der Satz
non2np = p bewiesen wird.)



     


        Die grammatischen Regeln
bestimmen den Sinn des Satzes, &
ob eine Wortzusammenstellung
Sinn hat oder nicht























     


577
                      Welcher Art nun sind die Regeln, welche sagen, dass
die und die Zusammenstellungen von Wörtern keinen Sinn haben? Sind sie von
der Art derjenigen Vorschriften, welche etwa sagen, dass es keine Spielstel-
lung im Schach ist, wenn zwei Figuren auf dem gleichen Feld stehen, oder
wenn eine Figur auf der Grenze zwischen zwei Feldern steht, etc.? Diese Sät-
ze sind wieder wie gewisse Handlungen, ?—wie wenn man etwa ein Schachbrett—? aus
einem grösseren Stück karierten Papiers herausschneidet. Sie ziehen eine
Grenze. — Was heisst es denn, zu sagen: “diese Wortzusammenstellung heisst
nichts”. Von einem Namen kann man sagen “diesen Namen habe ich niemandem
gegeben” und das Namengeben ist eine bestimmte Handlung (Uumhängen eines
Täfelchens).
            Denken wir an die Darstellung einer Reise auf der Erde durch eine
Linie in der Projektion der zwei Halbkugeln und dass wir sagen: ein Linien-

578
stück, das auf der Zeichenebene die Grenzkreise der Projektionen verlässt,
ist in dieser Darstellung sinnlos. Man könnte auch sagen: nichts ist darüber
ausgemacht worden.


     



        Der Sinn des Satzes keine Seele
























     


589
                      Der Sinn eines des Satzes ist nicht pneumatisch, sondern
ist das, was auf die Frage nach der Erklärung des Sinnes zur Antwort kommt.
Und — oder — der eine Sinn unterscheidet sich vom andern, wie die Erklärung
des einen von der Erklärung des andern.

     

                      Welche Rolle der Satz im Kalkül spielt, das ist sein
Sinn.

     


590
                      Der Sinn steht (also) nicht    hinter   ihm (wie der
psychische Vorgang der Vorstellungen etc.).





     


    Ähnlichkeit von Satz & Bild

























     

            Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das
Bild in eine Beschreibung übersetzen.




     


127
            Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um Modelle zu bilden, wird ihre

128
Bildhaftigkeit noch deutlicher.






     



    Sätze mit Genrebildern
verglichen.



     

    (Verwandt damit: Verstehen eines Bildes)





















     


401
allgemeinen zu einem Portrait. Wenn ich nun etwa ein holländisches Genre-
bild ansehe, so halte ich die gemalten Menschen darin nicht für wirkliche
Menschen, andererseits ist ihre Aehnlichkeit mit Menschen für das Ver-
ständnis des Bildes wesentlich.


     


337

             Die Illustration in einem Buch ist dem Buch nichts fremdes,
sondern gesellt sich hinzu wie ein verwandter Behelf einem andern, —
wie etwa ein Reibahle dem Bohrer.
             (Wenn einen die Hässlichkeit eines Menschen abstösst, so kann
sie im Bild, im gemalten, gleichfalls abstossen, aber auch in der Be-
schreibung, in den Worten.)

     



    Mit dem Satz scheint eine die Realität
wesentlich übereinstimmen oder nicht
übereinstimmen zu können. Er scheint
sich sie zu fordern sich mit
ihm zu vergleichen.























     


136
             Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die Wirklichkeit an-
gelegt: Aber das der Masstab ist, wie alle richtigen Gleichnisse des Sat-
zes, ein besonderer Fall eines Satzes. Und auch er bestimmt nichts, solange
man nicht mit ihm misst. Aber Messen ist Vergleichen (und muss heissen,
Uebersetzen).




     


68
         Gut, ich sage: wenn ich meine Uhr herausziehe, wird sie mir
jetzt entweder    dieses   Bild der Zeigerstellung bieten, oder nicht. Aber
wie kann ich es ausdrücken, dass ich mich für eine dieser Annahmen ent-
scheide?

         Jeder Gedanke ist der Ausdruck eines Gedankens.










     


    Das Symbol (der Gedanke),
scheint als solches unbefrie-
digt zu sein.






















     


353
           Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes. (Wie der Wunsch,
die Erwartung, die Vermutung u.s.f..)
           Ich möchte manchmal mein Gefühl dem Plan gegenüber als eine
Innervation bezeichnen. Aber auch die Innervation an sich ist nicht un-
befriedigt, ergänzungsbedürftig.

     


(96)
             In wiefern kann man den Wunsch ˇals solchen, die Erwartung ‘unbefriedigt’ nennen? Was ist das
Urbild // Vorbild // der Unbefriedigung? Ist es der leere Hohlraum (in den
etwas hineinpasst
)? Und würde man von einem leeren Raum sagen, er sei unbe-
friedigt? Wäre    das   nicht auch eine Metapher? Ist es nicht ein gewisses
Gefühl, das wir Unbefriedigung nennen? Etwa der Hunger. Aber der Hunger ent-
hält nicht das Bild seiner Befriedigung. Ist also unser Urbild der Unbefrie-


     


173
             Die Hohlform ist nur unbefriedigt in dem System, in dem auch die
entsprechende Vollform vorkommt. // … in dem auch die Vollform vorkommt.//

     


173
           Das heisst Ich meine, man kann das Wort “unbefriedigt” nicht schlechtweg von
einer Tatsache gebrauchen. Es kann aber in einem System eine Tatsache be-
schreiben helfen. Ich könnte z.B. ausmachen // festsetzen//, dass ich den
Hohlzylinder ‘den unbefriedigten Zylinder’ nennen werde, den entsprechenden
Vollzylinder,    seine   Befriedigung; und dass so eine Notation    mög-
lich
   ist, ist natürlich für das System charakteristisch. Dass man also
sagen kann: “Er sagte ‘p ist der Fall’ und    so   war es”
.

     

           Aber man kann nicht sagen, dass der Wunsch ‘p möge der Fall sein’
durch die Tatsache p befriedigt wirdˇ es sei denn als Zeichenregel: /der Wunsch p möge der Fall sein/ = /der W. der durch die Tats. p befriedigt wird/. Denn, hat das erste p schon einen

     



    Ein Satz ist ein Zeichen in einem
System von Zeichen. Er ist eine Zeichen-
verbindung von mehreren möglichen
& im Gegensatz zu den andern
möglichen. Gleichsam eine Zeigerstel-
lung im Gegensatz zu andern mög-
lichen.
















     


128
                  Einen Satz verstehen, heisst, eine Sprache verstehen.












     


    Sich vorstellen können, wie es
wäre als Kriterium dafür, daß
ein Satz Sinn hat.





















  (   


150
            Was heisst es, wenn man sagt: “ich kann mir das Gegenteil da-
von nicht vorstellen”, oder “wie wäre es denn, wenn's anders wäre”; z.B.
wenn jemand gesagt hat, dass meine Vorstellungen privat seien, oder dass
nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerz empfinde, und dergleichen.

     

            Wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders wäre, so kann
ich mir auch nicht vorstellen, wie es    so   sein kann.
            “Ich kann mir nicht vorstellen,” heisst nämlich hier nicht, was
es im Satz “ich kann mir keinen Totenkopf vorstellen” heisst. Ich will
damit nicht auf eine mangelnde Vorstellungskraft deuten.



     


305

            Ueber das Vorstellen als Beweis des Sinnes: Wenn es Sinn hat, zu
sagen “ich kann mir vorstellen, dass p der Fall ist”, so hat es (auch) Sinn zu
sagen “p ist der Fall”.





     


    „Ich weiß, daß es möglich ist, weil …”
diese Ausdrucksform ist von Fällen
hergenommen wie: „Ich weiß, daß es
möglich ist, die Tür mit diesem Schlüs-
sel aufzusperren, weil ich es schon
einmal getan habe”. Vermute ich
also in dem Sinn daß dieser Farbenüber-
gang möglich sein wird, weil ich mir
ihn vorstellen kann?! Muß es
nicht vielmehr heißen: der Satz „der
Farbenübergang ist möglich” heißt
dasselbe wie ˇder: „ich kann ihn mir vorstellen” oder: der erste Satz folgt aus dem zweiten? — Wie ist es
damit: „Das A-B-C läßt sich ˇlaut hersagen, weil ich es mir im Geiste vorsagen kann”?
   „Ich kann mir
vorstellen wie es wäre”, oder „ich was wieder eben-
so gut ist —: „ich kann es aufzeich-
nen, wie es
wäre, wenn … ˇp der Fall ist” gibt eine Anwendung des Satzes (p). Es sagt
etwas über den Kalkül, in <…>

welchem wir p verwenden.






















     


    „Logische Möglichkeit & Unmöglich-
keit”. Das Bild des ‘Könnens’ ultraphy-
sisch angewandt.
    Ähnlich: „Das ausgeschlossene Dritte”.





















     


10
      Ich versuche etwas, kann es aber nicht. — Was heisst es aber:
“etwas nicht versuchen können”?


     


    Logische Möglichkeit & Sinn.
Kann man fragen: „wie müssen
die grammatischen Regeln für die Wörter be-
schaffen sein damit sie einem
Satz Sinn geben?”?



     

    Der Gebrauch des Satzes, das ist
sein Sinn.



     

    Ich sage z.B. „auf diesem Tisch
steht jetzt keine Vase, aber es
könnte eine das stehn; dagegen
ist es sinnlos unsinnig zu sagen der Raum
könnte vier Dimensionen haben.” Aber
wenn dieser der Satz dadurch
sinnvoll wird, daß er mit
den grammatischen Regeln im
Einklang ist, nun so machen
wir eben die Regel, die den Satz,
unser Raum habe vier Dimensionen,
erlaubt. Wohl, aber damit ist nun
die Grammatik dieses Ausdrucks

noch nicht festgelegt. Nun müssen
erst noch weitere [|]estimmungen
darüber gemacht werden wie
ein solcher Satz zu gebrauchen
ist, wie er etwa verifiziert
wird.



     

    Wenn man auch den Satz als
Bild des beschriebenen Sachver-
halts auffaßt so & sagt der
Satz zeige eben wie es ist, wenn
er wahr wäre, er zeige also
die Möglichkeit des behaupteten
Sachverhalts, so kann der Satz
doch bestenfalls tun was ein
gemaltes oder modelliertes Bild
tun kann tut, & er kann also
jedenfalls nicht das hinstellen
[erzeugen] was nun eben nicht
der Fall ist. [a|A]lso hängt es ganz
von der unserer Grammatik ab was
möglich genannt wird & was
nicht, nämlich eben, was sie

zuläßt. Aber das ist doch
willkürlich! — Gewiß, aber nicht
mit jedem Gebilde kann ich
etwas anfangen; d.h.: nicht
jedes Spiel ist nützlich & wenn
ich verleitetsucht bin ein etwas ganz
Nutzloses zu als Satz zuzulas-
sen so geschieht es weil
ich glaube ich mich durch eine
Analogie dazu verleiten lasse
& nicht sehe daß mir für meinen
Satz noch die wesentlichen Re-
geln der Anwendung fehlen.
So ist es ˇz.B. wenn man von einer
unendlichen Baumreihe re-
det & sich fragt, wie es denn zu verifizieren sei, daß eine Baumreihe unend-
lich ist & was etwa die Bezie-
hung dieser Verification zu der des Satzes „die Baumreihe hat
100 Bäume” ist.


     


    Elementarsatz.


























     


539
                            Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie
dies z.B. Carnap versucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der
logischen Analyse. Sie betrachtet das Problem dieser Analyse als das,

540
eine    Theorie   der Elementarsätze zu finden. Sie lehnt sich an das
an, was, in der Mechanik z.B., geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgeset-
zen gefunden wird, aus denen das ganze System von Sätzen hervorgeht.

     

                        Meine eigene Auffassung war falsch: Tteils, weil
ich mir über den Sinn der Worte “in einem Satz ist ein logisches Produkt
   versteckt  “ (und ähnlicher) nicht klar war, zweitens, weil auch ich
dachte, die logische Analyse müsse verborgene Dinge an den Tag bringen
(wie es die chemische und physikalische tut).

     


540
                        Man kann den Satz “dieser Ort ist jetzt rot” (oder
“dieser Kreis ist jetzt rot”, etc.) einen Elementarsatz nennen, wenn man
damit sagen will, dass er weder eine Wahrheitsfunktion anderer Sätze ist,
noch als solche definiert (ist?[.|)]. (Ich sehe hier von Verbindungen der Art
p & (q·⌵·non-q) und analogen ab.)
         Aus “a ist jetzt rot” folgt aber “a ist jetzt nicht grün” und die
Elementarsätze in diesem Sinn sind also nicht von einander unabhängig, wie

541
die Elementarsätze in meinem seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich
annahm, der ganze Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn zurückführen las-
sen; — verleitet durch einen falschen Begriff von diesem “zurückführen”
// von dieser Zurückführung//.

     


    “Wie ist die Möglichkeit von p
in der Tatsache, dass ~p der Fall
ist, enthalten?”
        “Wie enthält z.B. der schmerzlose
Zustand die Möglichkeit der
Schmerzen?”



















     

122

Fähigkeit voraus Schmerzen zu fühlen und das kann keine “physiologische Fähigkeit” sein —
denn wie wüsste man sonst, wozu es die Fähigkeit ist — sondern eine logische Möglichkeit. —
Ich beschreibe meinen gegenwärtigen Zustand durch die Anspielung auf Etwas, was nicht
der Fall ist. Wenn diese Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht bloss eine
Verzierung), so muss in meinem gegenwärtigen Zustand etwas liegen, was diese Erwähnung
(Hinweisung) nötig <…> macht. Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen, also muss
er mit ihm vergleichbar sein. Er muss auch im Schmerzraum liegen, wenn auch an einer
andern Stelle. — Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein gegenwärtiger Zustand hat
mit einem schmerzhaften    nichts zu tun  ; etwa, wie ich sagen würde, die Farbe
dieser Rose hat mit der Eroberung Galliens durch Cäsar nichts zu tun. D.h. es ist kein
Zusammenhang vorhanden. Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen Zustand
und einem schmerzhaften ein Zusammenhang besteht.
Ich meine nur was ich sage.
        In wiefern ist aber Schmerzlosigkeit ein Zustand. Was nenne ich einen “Zustand”?





     


139
      Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie weiss ich, dass
ich nicht Unsinn rede, d.h. dass es rot sein kann, dass es [|]ot gibt? Wenn nicht rot eben
ein anderer Teilstrich auf dem Maßstab ist, auf dem auch schwarz einer ist. Was ist der
Unterschied zwischen “das ist nicht rot” und “das ist nicht abrakadabra”? Ich muss offen-
bar wissen, dass “schwarz”, welches den tatsächlichen Zustand beschreibt (oder beschrei-
ben hilft) das ist, an dessen Stelle in der Beschreibung “rot” steht.

     


140
      Das Gefühlˇ ist, als müsste non-p, um p zu verneinen es erst in gewissem Sinne wahr ma-
chen. Man fragt “   was   ist nicht der Fall”. Dieses muss dargestellt werden, kann
aber doch nicht so dargestellt werden, dass p wirklich wahr gemacht wird.



     


    Sehen wir die Sache vom Standpunkt des
gesunden Menschenverstandes an. Wir sind ver-
sucht zu sagen; “ich habe jetzt in der Hand keine Schmerzen” heiß nur etwas, wenn ich weiß, wie es ist, wenn man Schmerzen in der Hand
hat. Was heißt es, das zu wissen? Was
ist unser Kriterium dafür, daß man es weiß? Nun, ich würde sagen: “ich habe schon
öfters Schmerzen gehabt”, “ich habe öfters Schmerzen an dieser Stelle gehabt” oder
“ich habe zwar nicht an dieser Stelle Schmer-
zen gehabt, aber an andern Stellen meines
Körpers”. Es könnte gefragt werden: Worin besteht
die Erinnerung an Deine vergangenen Schmerzen?
fühlst Du sie in einer Art schattenhafter Weise
wieder? Aber sei diese Erfahrung (des sich-Erinnerns)
wie immer, sie ist eine bestimmte Erfahrung
& ich nenne sie die Erinnerung “an Schmerzen
die ich gehabt habe” & dies zeigt eben, wie ich
das Wort “Schmerzen” & den Ausdruck der
Vergangenheit gebrauche.




     


40
        Auch [|]ie Verneinung enthält eine Art Allgemeinheitˇ durch das Gebiet von Möglichkeiten die sie offen läßt.
        Aber freilich muss auch die Bejahung sie enthalten und nur einen
andern Gebrauch von ihr machen.


     


41
      Non-p schliesst p aus; [W|w]as es dann    [g|z]ulässt  , hängt von der Na-
tur ˇd.h. der Grammatik des p ab.

     


39
         “non-p” schliesst einfach p aus. Was dann    statt   p der Fall
ist sein kann, folgt aus dem Wesen des Ausgeschlossenen.

     


    “Wie kann das Wort ‘nicht’ verneinen?”
     Das Wort “nicht” erscheint uns wie
ein Anstoß zu einer komplizier-
ten Tätigkeit des Verneinens.

































     


360

          Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des positiven
Satzes.


     


      Die Idee der Negation ist nur ein einer
Zeichenerklärung verkörpert &
soweit wir eine solche Idee besitzen,
besitzen wir sie nur in der Form so
einer Erklärung. Denn wenn
man fragen kann „was meinst
Du damit [ mit diesem Zeichen], so
ist die Antwort nur eine Zeichen-
erklärung (irgendeiner Art).
     Den Begriff der Negation Verneinung besitzen
wir nur in einem Symbolismus. Und
darum kann man nicht sagen:
„auf die & die Art kann man die
Negation nicht darstellen, weil diese
Art nicht eindeutig wäre” — als
handelte es sich um eine die Beschreibung
eines Gegenstandes, die nicht eindeutig
gegeben worden wäre. Wenn der [|]ym-
bolismus nicht erkennen läßt, was
verneint wurde, so verneint er
nicht; wie ein Schacbrett ohne
Felder kein schlechtes S d.h.
unpraktisches Schachbrett ist, son-

dern keins. Und wenn ich glaubte, auf mit einem Brett ohne Felder
Schach spielen zu können, so habe
ich das Spiel einfach mißverstan-
den & werde etwa jetzt darauf auf das Mißverständnis
aufmerksam gemacht.
     Ein Symbolismus, der die
Negation “nicht darstellen kann”, ist
kein Symbolismus der Negation.















     


    Ich glaube, ein Teil der Schwierig-
keit kommt rührt vom Gebrauch
der Wörter „ja” & „nein” herˇ (auch „wahr” & „falsch”). Diese
beiden lassen es so erscheinen,
als wäre ein Satz & sein Gegenteil
im Verhältnis zweier Pole zu
einander oder zweier entgegenge-
setzter Richtungen. Während schon,
daß ~~p = p ist, eine doppelte Beja-
hung aber keine Verneinung ist, zeigen
kann, daß dieses Bild falsch ist.













     


739
                        Wenn gefragt würde: ist die Negation // Verneinung //
in der Mathematik, etwa in non(2+2 = 5), die gleiche, wie die nicht-mathe-
matischer Sätze? so müsste erst bestimmt werden, was als Charakteristikum
der // dieser // Verneinung als solcher aufzufassen ist. Die Bedeutung ei-
nes Zeichens liegt ja in den Regeln, nach denen es verwendet wird // in den
Regeln, die seinen Gebrauch vorschreiben //. Welche dieser Regeln machen das
Zeichen “non” zur Verneinung? Denn es ist klar, dass gewisse Regeln, die
sich auf “non” beziehen, für beide Fälle die gleichen sind; z.B. non-non-p =
p. Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes “ich sehe
einen roten Fleck” die gleiche, wie die von “die Erde bewegt sich in einer
Elipse um die Sonne”; und die Antwort müsste auch sein: Wie hast Du “Ver-
neinung” definiert, durch welche Klasse von Regeln? — daraus wird sich er-
geben, ob wir in beiden Fällen “die gleiche Verneinung” haben. Wenn die Lo-
gik allgemein von der Verneinung redet, oder einen Kalkül mit ihr treibt,
so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht weiter festgelegt, als
die Regeln seines Kalküls. Wir dürfen hier nicht vergessen, dass ein Wort
seine Bedeutung nicht als etwas, ihm ein für allemal verliehenes, mit sich
herumträgt, sodass wir sicher sind, wenn wir nach dieser Flasche greifen,
auch die bestimmte Flüssigkeit, etwa Spiritus, zu erwischen. //… auch die
bestimmte Flüssigkeit, z.B. Spiritus, in der Hand zu halten.//


     


     Ist die Zeit den Sätzen wesent-
lich?
     Vergleich von: Zeit & Wahrheitsfunktionen.






























     


        Diskutiere : das

368
Der Unterschied zwischen der Logik des Inhalts und der Logik der Satzform
überhaupt. Das eine erscheint gleichsam bunt, das andere matt. Das eineˇ scheint von dem zu handeln
handelt von dem, was das Bild darstellt, das andere ist, wie der Rahmen
des Bildes ein Charakteristikum der Bildform ˇ zu sein.












     


127'

      Zeile Dass alle Sätze die Zeit in irgend einer Weise enthalten, scheint uns zufällig,
im Vergleich dazumit, dass auf alle Sätze die Wahrheitsfunktionen anwendbar sind.
     Das scheint mit ihrem Wesen als Sätzen zusammenzuhängen, das andere mit dem Wesen
der vorgefundenen Realität.


     

empty
Wesen der Hypothese

     























133'
       Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären. Ich meine, man könnte
z.B. die Hypothese “hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären, die das Buch im Grund-
riss, Aufriss und verschiedenen Schnitten zeigen.



     

139'
   Drücken wir z.B. den Satz, dass eine Kugel sich in einer bestimmten Entfernung von
unseren Augen befindet mit Hilfe eines Koordinatensystems und er Kugelgleichung aus,
so hat diese Beschreibung eine grössere Manni[f|g]faltigkeit, als die einer Verifikation
durch das Auge. Jene Mannigfaltigkeit entspricht nicht    einer   Verifikation, son-
dern einem    Gesetz  , welchem Verifikationen gehorchen.




     

757
                         Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichun-
gen. Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen Verlauf die
Abweichungen von der Geraden ausdrückt. Es ist nicht wesentlich, dass die-

758
se Abweichungen “gering” seien. Sie können so gross sein, dass die Linie
einer Geraden nicht ähnlich sieht. Die “Gerade mit Abweichungen” ist nur
eine Form der Beschreibung. Sie erleichtert es mir, einen bestimmten Teil
der Beschreibung auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will. (Die
Form “Regel mit Ausnahmen”.)





     
            Ist es nicht klar, dass es nur am Mangel von entsprechenden
Uebereinkommen liegt, wenn ich das, was ich — z.B. — zeichnerisch darstel-
len, durch Worte // mit Worten // wiedergeben kann?



     

611
                      [Zu „Hypothese”] Der Vorgang einer Erkenntnis in einer wissenschaftli-
chen Untersuchung (in der Experimentalphysik etwa) ist freilich nicht der
einer Erkenntnis im Leben ausserhalb dem des Laboratoriums; aber er ist ein
   ähnlicher   und kann, neben den andern gestellt // gehalten//, diesen
beleuchten.









     

336
                  Die Hypothese wird, mit    der   Fassette an die Realität
angelegt, zum Satz.



     

517
                      Wenn ich sagte “ich sah einen Sessel”; so wider-
spricht dem (in    einem   Sinne) nicht der Satz “es war keiner da”. Denn
den ersten Satz würde ich auch in der Beschreibung eines Traums verwenden
und niemand würde mir dann mit den Worten des zweiten widerssprechen. Aber
die Beschreibung des Traums mit jenen Worten wirft ein Licht auf den Sinn der Worte “   ich sah  ”.
          In dem Satz “es war ja keiner da” kann das “da” übrigens ver-
schiedene Bedeutung haben.




     

757
                         Ich stimme mit den Anschauungen neuerer Physiker
überein, wenn sie sagen, dass die Zeichen in ihren Gleichungen keine “Be-
deutungen” mehr haben, und dass die Physik zu keinen solchen Bedeutungen
gelangen können, sondern bei den Zeichen stehen bleiben müsse: sie sehen
nämlich nicht, dass diese Zeichen insofern Bedeutung haben — und nur inso-
fern — als ihnen, auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen ent-
spricht, oder nicht entspricht.



     

empty
Wahrscheinlichkeit


     

133'
       Man gibt die Hypothese nur um einen immer höheren Preis auf.


     
       Die Induktion ist ein Vorgang nach einem ökonomischen Prinzip.


     
       Die Hypothese steht mit der Realität gleichsam in einem loseren Zusammenhang, als
dem der Verifikation.


     

       Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte angenommene Hypo-
these hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage der Wahrscheinlichkeit zusammen.





     

125'
     Wir können unser altes Prinzip auf die Sätze, die eine Wahrscheinlichkeit aus-
drücken, anwenden und sagen, dass wir ihren Sinn erkennen werden, wenn wir bedenken,
was sie verifiziert.
      Wenn ich sage “das wird wahrscheinlich eintreffen”, wird dieser Satz durch das
Eintreffen verifizie[t|r]t, oder durch das Nichteintreffen falsifiziert? Ich glaube, of-
fenbar nein. Dann sagt er auch nichts darüber aus. Denn, wenn ein Streit darüber ent-
stünde, ob es wahrscheinlich ist oder nicht, so würden immer nur Argumente aus der Ver-
gangenheit herangezogen werden. Und auch dann nur, wenn es bereits bekannt wäre, was ein-
getroffen ist.



     

544
                        Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich,
dass p eintreffen wird” sage etwas über das Ereignis p, so vergessen sie,
dass es auch wahrscheinlich bleibt, wenn das Ereignis p    nicht   ein-
trifft.


     
                        Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich ein-
treffen” zwar etwas über die Zukunft, aber nicht etwas “   über   das Er-
eignis p”, wie die grammatische Form der Aussage uns glauben macht.


     
                        Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so
ist die Antwort auf diese Frage nicht für den Gefragten und eben    diese  
Handlung (die Behauptung), sondern allgemein gültig.


     
                        Wenn ich sage: “das Wetter deutet auf Regen”, sage
ich etwas über das zukünftige Wetter? Nein, sondern über das gegenwärtige,

545
mit Hilfe eines Gesetzes, welches das Wetter zu einer Zeit mit dem Wetter
zu einer späteren // in einer früheren // Zeit in Verbindung bringt. Die-
ses Gesetz muss bereits vorhanden sein, und mit seiner Hilfe fassen wir
gewisse Aussagen über unsere Erfahrung zusammen. —
         Aber dasselbe könnte man dann auch für historische Aussagen be-
haupten. Aber es war ˇja auch vorschnell, zu sagen, der Satz “das Wetter deu-
tet auf Regen” sage nichts über das zukünftige Wetter. Das kommt darauf
an, was man darunter versteht “etwas über etwas ˇauszusagen”. Der Satz sagt eben
seinen Wortlaut!
         Der Satz “p wird wahrscheinlich eintreten” sagt // Er sagt // nur
etwas über die Zukunft in einem Sinn, in welchen seine Wahr- und Falschheit
gänzlich unabhängig ist von dem, was in der Zukunft geschehen wird.


     
                      Wenn wir sagen, “das Gewehr zielt jetzt auf den Punkt P”,
so sagen wir nichts darüber, wohin der Schuss treffen
wird. Der Punkt auf den es zeigt zielt, ist ein
   geometrisches   Hilfsmittel zur Angabe seiner Richtung. Dass wir
gerade dieses Mittel verwenden, hängt allerdings mit gewissen Erfahrungen
// Beobachtungen // zusammen (Wurfparabel, etc.), aber diese treten jetzt
nicht in die Beschreibung der Richtung ein.


     

747
                         Die Gallstone'sche Photographie, das Bild einer
Wahrscheinlichkeit. Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz,
was man sieht, wenn man blinzelt.


     

750
                        Was heisst es: “die Punkte, die das Experiment lie-
fert, liegen durchschnittlich auf einer Geraden”? oder: “wenn ich mit ei-
nem guten Würfel würfle, so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfel eine
1”? Ist dieser Satz mit    jeder   Erfahrung, die ich etwa mache, verein-
bar? Wenn er das ist, so sagt er nichts. Habe ich (vorher) angegeben, mit
welcher Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist, bis
zu der die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel umzustos-
sen? Nein. Hätte ich aber nicht eine solche Grenze aufstellen können? Ge-
wiss. — Denken wir uns, die Grenze wäre so gezogen: wenn unter 6 aufeinander
folgenden Würfen 4 gleiche auftreten, ist der Würfel schlecht. Nun fragt
man aber: “Wenn das aber nur selten genug geschieht, ist er dann nicht doch
gut!?” — Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4 gleichen
Würfen unter 6 aufeinander folgenden für eine bestimmte Zahl von Würfen er-
laube, so ziehe ich damit eine    andere   Grenze, als die erste war.
Wenn ich aber sage “jede Anzahl gleicher aufeinander folgender Würfe ist
erlaubt, wenn sie nur selten genug auftritt, dann habe ich damit die Güte
des Würfels im strengen Sinne als unabhängig von den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn, dass ich unter der Güte des Würfels nicht eine Eigenschaft des
Würfels, sondern eine Eigenschaft einer bestimmten Partie im Würfelspiel
verstehe. Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel in ei-
ner Partie gut, wenn unter den N Würfen der Partie nicht mehr als log N
gleiche aufeinander folgende vorkommen. Hiermit wäre aber eben kein Test zur
Ueberprüfung von Würfeln gegeben, sondern ein Kriterium zur Beurteilung ei-
ner Partie des Spiels.


     
                        Man sagt, wenn der Würfel ganz gleichmässig und

751
sich selbst überlassen ist, dann muss die Verteilung der Ziffern 1, 2, 3,
4, 5, 6, unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil    kein
Grund vorhanden ist
  , weshalb die eine Ziffer öfter vorkom-
men sollte als die andere. Aber wie ist es mit den Werten der Funktion
(x-3)²?

            Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern
1 — bis 6 durch die Worte der Funktion (x-3)² für die Argumente 1 bis 6 dar,
also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9. Ist ein Grund vorhanden, warum eine
   dieser   Ziffern öfter in den neuen Wurfresultaten fungieren soll, als
eine andere? Dies lehrt uns, dass das Gesetz a priori der Wahrscheinlichkeit
eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumgesetze der Mechanik etc..
Hätte man durch Versuche herausgefunden, dass die Verteilung der Würfe
1 bis 6 mit einem regelmässigen Würfel so ausfällt, dass die Verteilung der
Werte (x-3)² eine gleichmässige wird, so hätte man nun    diese   Gleich-
mässigkeit als die Gleichmässigkeit a priori erklärt.
            So machen wir es auch in der kinetischen Gastheorie: wir
stellen die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form irgend einer gleich-
förmigen Verteilung dar;    was   aber gleichförmig verteilt ist — so wie
an andrer Stelle    was   zu einem Minimum wird — wählen wir so, dass unse-
re Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.


     
                        “Die Moleküle bewegen sich bloss nach den Gesetzen
der Wahrscheinlichkeit”, das soll heissen: die Physik tritt ab, und die Mo-
leküle bewegen sich jetzt quasi bloss nach Gesetzen der Logik. Diese Mei-
nung ist verwandt der, dass das Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist; und
auch hier redet man davon, was ein Körper tut, wenn er sich selbst überlas-
sen ist. Was ist das Kriterium dafür, dass er sich selbst überlassen ist?
Ist es am Ende das, dass er sich gleichförmig in einer Geraden bewegt? Oder
ist es ein anderes. Wenn das letztere, dann ist es eine Sache der Erfahrung,

752
ob das Trägheitsgesetz stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Ge-
setz, sondern eine Definition. Und Analoges gilt von einem Satz: “wenn
die Teilchen sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer
Bewegungen die und die”. Welches ist das Kriterium dafür, dass sie sich
selbst überlassen sind? etc..


     
                       /Wenn die Messung ergibt, dass der Würfel genau
und homogen ist, — ich nehme an, dass die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfresultate nicht beeinflussen — und die werfende Hand bewegt sich regel-
los — folgt daraus die durchschnittlich gleichmässige Verteilung der
Würfe 1 bis 6? Woraus sollte man die schliessen? Ueber die Bewegung beim
Werfen hat man keine Annahme gemacht und die Prämisse der // Annahme der //
Genauigkeit des Würfels ist doch von ganz anderer Art // Multiplizität//,
als eine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten. Die
Prämisse ist gleichsam einfärbig, die Konklusion gesprenkelt. Warum hat
man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen Heubündeln verhun-
gern, und nicht, er werde durchschnittlich so oft von dem einen, wie von
dem andern fressen // er werde von beiden durchschnittlich gleich oft fres-
sen//? /


     

755
                        Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment liefert,
liegen durchschnittlich auf dieser Linie, z.B. einer Geraden, sagt etwas
Aehnliches wie: “aus dieser Entfernung gesehen, scheinen sie in einer Gera-
den zu liegen”.
          Ich kann von einer Linie // Strecke // sagen, der allgemeine Ein-
druck ist der einer Geraden; aber nicht: “die Linie Strecke schaut gerade aus, denn
sie kann das Stück einer Linie sein, die mir als Ganzes Ganze den Eindruck der
Geraden macht”. (Berge auf der Erde und auf dem Mond. Erde eine Kugel.)


     

756
                        Das Experiment des Würfelns dauert eine gewisse
Zeit, und unsere Erwartungen über die zukünftigen Ergebnisse des Würfelns
können sich nur auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Ex-
periments wahrnehmen. D.h., das Experiment kann nur die Erwartung begrün-
den, dass es    so   weitergehen wird, wie (es?) das Experiment gezeigt hat.
Aber wir können nicht erwarten, dass das Experiment, wenn fortgesetzt, nun
Ergebnisse liefern wird, die mehr als die des wirklich ausgeführten Expe-
riments mit einer vorgefassten Meinung über seinen Verlauf übereinstimmen.
Wenn ich also z.B. Kopf und Adler werfe und in den Ergebnissen des Experi-
ments keine Tendenz der Kopf- und Adler-Zahlen finde, sich weiter einander
zu nähern, so gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme, dass seine
Fortsetzung eine solche Annäherung zeigen wird. Ja, die Erwartung dieser
Annäherung muss sich selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn
man kann nicht sagen, man erwarte, dass ein Ereignis    einmal   — in der
unendlichen Zukunft — eintreten werde.


     

758
                      Alle “begründete Erwartung” ist Erwartung, dass eine
bis jetzt beobachtete Regel weiterhin // weiter // gelten wird.
            (Die Regel aber muss beobachtet worden sein und kann nicht selbst
wieder bloss erwartet werden.)


     
                      Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zu-
stand der Erwartung nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt, mit dem Den-
ken.


     
Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausge-
sandt, der die Scheibe AB trifft, dort einen Licht-
punkt erzeugt und dann die Scheibe AC trifft. Wir ha-
ben nun keinen Grund zur Annahme, der Lichtpunkt auf
AB werde rechts von der Mitte M liegen, noch zur ent-
gegengesetzten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf    der   und nicht auf jener Seite von der Mitte m
liegen. // Wir haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt auf
AB eher auf der einen Seite der Mitte M, als auf der andern liegen wird; aber
auch keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt auf AC werde auf der einen
und nicht auf der andern Seite der Mitte m liegen. // Das gibt also wider-
sprechende Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich nun eine Annahme über den Grad
der Wahrscheinlichkeiten mache, dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt,

759
Wahrscheinlichkeit
— wie wird diese Annahme verifiziert. Wir denken meinen doch, durch einen Häufig-
keitsversuch. Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass die
Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind (also für Am und
Cm verschieden), so ist sie damit als die richtige erkannt und erweist sich
also als eine physikalische Hypothese. Die geometrische Konstruktion zeigt
nur, dass die Gleichheit der Strecken AM und BM    kein   Grund zur Annahme
gleicher Wahrscheinlichkeit war.


     

760
                        Wenn ich annehme, die Messung ergebe, dass der Wür-
fel genau und homogen ist, und die Ziffern auf seinen Flächen die Wurfre-
sultate nicht beeinflussen, und die Hand, die ihn wirft, bewegt sich ohne
bestimmte Regel; folgt daraus die // eine // durchschnittlich gleichförmi-
ge Verteilung der Würfe 1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? — Woraus sollte
sie hervorgehen? Dass der Würfel genau und homogen ist, kann doch keine
   durchschnittlich gleichförmige   Verteilung von
Resultaten begründen. (Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folge-
rung wäre gesprenkelt.) Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja kei-
ne Annahme gemacht. (Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar
begründet, dass der Esel in ihrer Mitte verhungern (werde); aber nicht, dass
er ungefähr gleich</>oft von jedem fressen werde.) — Mit unseren Annahmen ist
es auch vollkommen vereinbar, dass mit dem Würfel 100 Einser nacheinander
geworfen werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so zusammen-
treffen. Die Erfahrung, dass nie das nie geschieht, ist eine, die diese
Faktoren betrifft // ist eine diese Faktoren betreffende //. Und die Ver-
mutung der gleichmässigen Verteilung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung
über das Arbeiten dieser Faktoren // Einflüsse//.
            Wenn man ein sagt, ein gleicharmiger Hebel, auf den symmetrische
Kräfte wirken, müsse in Ruhe bleiben, weil keine Ursache vorhanden ist,
weshalb er sich eher auf die eine als auf die andre Seite neigen sollte,
so heisst das nur, dass, wenn wir gleiche Hebelarme und symmetrische Kräfte

761
konstatiert haben und nun der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir
dies aus den uns bekannten — oder von uns angenommenen — Voraussetzungen
nicht erklären können. (Die Form, die wir “Erklärung” nennen, muss auch
asymmetrisch sein; wie die Operation, ?—die aus “a+b” “2a+3b” macht—?.) Wohl
aber können wir die andauernde Ruhe des Hebels aus unsern Voraussetzungen
erklären. — Aber auch eine schwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich
oft von der Mitte // Mittellage // nach rechts und nach links gerichtet ist?
Die schwingende Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder Asymmetrie. Nur
die Symmetrie in dieser Asymmetrie. Hätte sich der Hebel gleichförmig nach
rechts gedreht, so könnte man analog sagen: Mit der Symmetrie der Bedingungen
kann ich die Gleichförmigkeit der Bewegung, aber nicht ihre Richtung erklä-
ren.
            Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit
der Symmetrie des Würfels    nicht   zu erklären. Und nur insofern erklärt
diese Symmetrie die Gleichförmigkeit der Verteilung. — Denn man kann natür-
lich sagen: Wenn die Ziffern auf den Würfelflächen keine Wirkung haben, dann
kann ihre Verschiedenheit nicht eine Ungleichförmigkeit der Verteilung er-
klären; und gleiche Umstände können selbstverständlich nicht Verschiedenhei-
ten erklären; soweit also könnte man auf eine Gleichförmigkeit schliessen.
Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate? Gewiss, was diese // Was
diese // erklärt, muss nun auch ihre durchschnittliche Gleichförmigkeit er-
klären. Die Regelmässigkeit des Würfels stört nur eben diese Gleichförmig-
keit nicht.


     
                          Angenommen, Einer der täglich im Spiel würfelt,
würde etwa eine Woche lang nichts als Einser werfen, und zwar mit Würfeln,
die nach allen anderen Arten // Methoden // der Untersuchung // Prüfung //
sich als gut erweisen, und wenn ein Andrer sie wirft, auch die gewöhnlichen
Resultate geben // liefern //. Hat er nun Grund, hier ein Naturgesetz anzu-

762
nehmen, dem gemäss er immer Einser wirft // werfen muss//; hat er Grund:
zu glauben, dass das nun so weiter gehen wird[;|,] — oder (vielmehr) Grund anzun[h|e]h-
men, dass diese Regelmässigkeit nicht lange mehr andauern kann // wird//?
Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat, dass er nur
Einser werfen kann; oder weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrschein-
licher ist, dass er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen wird? — In
Wirklichkeit wird er sich weigern, die Regelmässigkeit als ein Naturgesetz
anzuerkennen; zum mindesten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese Auf-
fassung
in Betracht zieht. Aber warum? — “Ich glaube, weil so viel frühere
Erfahrung seines Lebens gegen ein solches Gesetz spricht, die alle sozusa-
gen — erst überwunden werden muss, ehe wir eine ganz neue Betrachtungsweise
annehmen.


     
                        Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignis-
ses auf seine relative Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, som können
wir das natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten Häufigkeit
tun. Und nicht nach einer, die wir aus der beobachteten durch irgend einen
Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten haben. Denn die berechnete
Wahrscheinlichkeit stimmt    mit jeder beliebigen   tatsächlich
beobachteten Häufigkeit überein, da sie die Zeit offen lässt.


     
                        Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesell-
schaft, nach der Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach
der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich nicht
richten, da,    was immer   geschieht, mit ihr in Uebereinstimmung zu
bringen ist; sondern die Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer
tatsächlich beobachteten Häufigkeit. Und zwar ist ˇdas natürlich eine absolute
Häufigkeit.


     

empty

          Der Begriff “ungefähr”


          Problem des ‘Sandhaufens’
























     
          Träte nun auch bei dem Experiment zur Bestimmung der Grenzen kein
Schwanken ein, so lange wir tatsächlich das Experiment weiterführen, so
müssen wir doch damit einmal aufhören und das Ergebnis wird immer nur sein,
dass eine ge[iw|wi]sse Länge noch erlaubt, eine andere schon unerlaubt ist. Hier
führt uns wieder die eine falsche Vorstellung vom Unendlichen irre, wenn wir den
Prozess // wenn wir die endlose Möglichkeit dieses Prozesses // dieser Un-
tersuchung uns abgeschlossen denken und nun von einem Grenzpunkt reden, als
gäbe es hier ein Gesetz, eine geometrische Konstruktion, der der Grenzpunkt
entspräche.

     



743
     Denken wir uns folgendes psychologisches Experiment:
Wir zeigen dem Subjekt zwei Linien G1, G2, durch welche
quer die Gerade A gezogen ist. Das Stück dieser Gera-
den, welches zwischen G1 und G2 liegt, werde ich die
Strecke a nennen. Wir ziehen nun in beliebiger Entfer
nung von a und parallel dazu b und fragen, ob er die
Strecke b grösser sieht als a, oder die beiden Längen nicht mehr unterschei-
det. Er antwortet, b erscheine grösser als a. Darauf nähern wir uns a, in-
dem wir die Distanz von a zu b mit unsern Messinstrumenten halbieren und
ziehen c. “Siehst Du c grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren die Distanz
c—a und ziehen d. “Siehst Du d grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren a—d.
“Siehst Du e grösser als a?” — “Nein”. Wir halbieren daher e—d. “Siehst Du
f grösser als e?” — “Ja”. Wir halbieren also e—f und ziehen h. Wir könnten
uns so auch von der linken Seite der Strecke a nähern, und dann sagen, dass
einer gesehenen Länge a im euklidischen Raum nicht    eine   Länge, sondern
ein Intervall von Längen entspricht, und in ähnlicher Weise    einer   ge-
sehenen Lage eines Strichs (etwa des Zeigers eines Instruments) ein Inter-
vall von Lagen im euklidischen Raum: aber dieses Intervall hat nicht schar-
fe Grenzen. Das heisst: es ist nicht von Punkten begrenzt, sondern von kon-
vergierenden Intervallen, die nicht gegen einen Punkt konvergieren. (Wie

744
die Reihe der Dualbrüche, die wir durch Werfen von Kopf und Adler erzeugen.)
Das Charakteristische zweier Intervalle, die so nicht durch Punkte sondern
   unscharf   begrenzt sind, ist, dass auf die Frage, ob sie einander
übergreifen oder getrennt voneinander liegen, in gewissen Fällen die Antwort
lautet: “unentschieden”. Und dass die Frage, ob sie einander berühren, ei-
nen Endpunkt miteinander gemein haben, immer sinnlos ist, da sie ja keine
Endpunkte haben. Man könnte aber sagen: sie haben    vorläufige  
Endpunkte. In dem Sinne, in welchem die Entwicklung von II ein vorläufiges
Ende hat. An dieser Eigenschaft des ‘unscharfen’ Intervalls ist natürlich
nichts geheimnisvolles, sondern das etwas Paradoxe klärt sich durch die dop-
pelte Verwendung des Wortes “Intervall” auf.
            Es ist dies der gleiche Fall, wie der der doppelten Verwendung
des Wortes “Schach”, wenn es einmal die Gesamtheit der jetzt geltenden
Schachregeln bedeutet, ein andermal: das Spiel, welches N.N. in Persien er-
funden hat und welches sich so und so entwickelt hat. In einem Fall ist es
unsinnig, von einer Aenderung // Entwicklung // der Schachregeln zu reden,
im andern Fall nicht. Wir können “Länge einer gemessenen Strecke” entweder
das nennen, was bei einer bestimmten Messung, die ich heute um 5 Uhr durch-
führe, herauskommt, — dann gibt es für diese Längenangabe kein “± etc.” —,
oder etwas, dem sich Messungen nähern etc.; in den zwei Fällen wird das
Wort “Länge” mit ganz verschiedener Grammatik gebraucht. Und ebenso das
Wort “Intervall”, wenn ich einmal etwas Fertiges, einmal etwas sich Entwic-
kelndes
ein Intervall nenne.
I) die Intervalle liegen getrennt
II) sie liegen getrennt und berühren
     sich vorläufig
III) unentschieden
IV) unentschieden
V) unentschieden
VI) sie übergreifen
VII) sie übergreifen

745
Wir können uns aber nicht wundern, dass nun ein Intervall so seltsame Ei-
genschaften haben soll: da wir eben das Wort “Intervall” jetzt in einem
nicht gewöhnlichen Sinn gebrauchen. Und wir können nicht sagen, wir haben
neue Eigenschaften gewisser Intervalle entdeckt. Sowenig wie wir neue Eigen-
schaften des Schachkönigs entdecken würden, wenn wir die Regeln des Spiels
änderten, aber die Bezeichnung “Schach” und “König” beibehielten. (Vergl.
dagegen Brouwer, über das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten.)
            Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ei[j|n] “unscharfes”
Intervall genannt haben; dagegen wären natürlich andere Experimente mög-
lich // denkbar//, die statt dessen ein scharfes Intervall ergeben. Denken
wir etwa, wir bewegten ein Lineal von der Anfangsstellung b, und parallel
zu dieser, gegen a hin, bis in unserm Subjekt irgend eine bestimmte Reaktion
einträte: dann könnten wir den Punkt, an dem die Reaktion beginnt, die Gren-
ze unseres Streifens nennen. — So könnten wir natürlich auch ein Wägungs-
resultat “das Gewicht eines Körpers” nennen und es gäbe dann in diesem Sinn
eine absolut genaue Wägung, d.h. d.i. eine, deren Resultat nicht die Form
“G ± g” hat. Wir haben damit unsere Ausdrucksweise geändert, und müssen nun
sagen, dass das Gewicht des Körpers schwankt und zwar nach einem uns unbe-
kannten Gesetz. (Die Unterscheidung Der Unterschied zwischen “absolut genauer” Wägung und
“wesentlich ungenauer” Wägung ist eine grammatische ein grammatischer und bezieht sich auf
zwei verschiedene Bedeutungen des Ausdrucks “Ergebnis der Wägung”.)


     

745
                        Die Unbestimmtheit des Wortes “Haufen”. Ich könnte
definieren: ein Körper von gewisser Form und Konsistenz etc. sei ein Haufe,
wenn sein Volumen K m3 beträgt, oder mehr; was darunter liegt, will ich ein
Häufchen nennen. Dann gibt es kein grösstes Häufchen; das heisst: dann ist
es sinnlos, von dem “grössten Häufchen” zu reden. Umgekehrt könnte ich be-
stimmen: Haufe solle alles das sein, was grösser als K m3 ist, und dann

746
hätte der Ausdruck “der kleinste Haufe” keine Bedeutung. Ist aber diese
Unterscheidung nicht müssig? Gewiss, — wenn wir unter dem Volumen ein Mes-
sungsresultat im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses Resultat hat
die Form “V ± v”. // Gewiss, — wenn wir unter dem Resultat der Messung des
Volumens einen Ausdruck von der Form “V ± v” verstehen.// Sonst aber könn-
te die // wäre diese // [u|U]nterscheidung so unbrauchbar sein, wie // Unter-
scheidung nicht müssiger sein als // die, zwischen einem Schock Aepfel und 61
Aepfeln.




     


     Das augenblickliche
Verstehn & die Anwendung
des Worts in der Zeit





















     

empty
Ein Wort verstehen = es anwenden
können.
Eine Sprache verstehen: Einen Kalkül
beherrschen.








     

341
Zeile Ist nicht das, was mich rechtfertigt, nur, dass ich mich erinnere, früher Schach gespielt zu haben?
Und etwa, dass ich, aufgefordert zur Probe die Regeln im Geiste durch-
fliegen kann?






     

389

         Etwas tun    können   hat ja eben jenen schattenhaften Charak-
ter, das heisst, es erscheint wie als ein Schatten des wirklichen tatsächlichen Tuns, gera-
de wie der Sinn des Satzes als Schatten seiner Verifikation // als Schat-
ten einer Tatsache // erscheint; oder das Verständnis des Befehles als
Schatten seiner Ausführung. Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten
schon voraus”, oder, im Befehl wirft die Tat ihren Schatten voraus. — Die-

390
ser Schatten aber,    was immer   er sein mag, ist, was er ist, und
nicht das Ereignis. Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht
weiter als er selbst reicht.


     

269
            Kannst Du das Alphabet? Bist Du sicher? — Ja! — Ist das damit ver-
einbar, dass Du versuchen wirst es herzusagen und stecken bleiben wirst? —    Ja  ! Was siehst Du als Zeichen dafür, daß Du es kannst? Warum sagst Du, Du kannst es? Weil ich es mir bisher gesagt habe.

     


            Das ist doch der gleiche Fall wie: “Kannst Du Deinen Arm heben?”
In welchem Falle würde ich dies verneinen müssen, oder bezweifeln? Solche
Fälle sind leicht zu denken.
            Als Die Bestätigung dessen, dass wir den Arm heben können, sehen wir
etwa ein in einem Zucken mit den Muskeln an, oder eine kleine einer kleinen Bewegung des Arms. Oder
die geforderte in der gefordeten Bewegung selbst, jetzt ausgeführt, als Kriterium dafür, dass
ich sie gleich darauf ausführen    kann  .


     

empty

    Wie begleitet das Verstehen des
Satzes das Aussprechen oder Hören
des Satzes?

     




















112
            Das schwierigste Problem scheint der Gegensatz, das Verhältnis,
zu sein zwischen dem Operieren mit der Sprache in der Zeit // im Lauf der
Zeit // und dem momentanen Erfassen des Satzes.


     
            Aber    wann   erfassen oder verstehen wir den Satz?!    Nach-
dem
   wir ihn ausgesprochen haben? — Und wenn, während wir ihn aussprechen;
ist das Verstehen ein artikulierter Vorgang, wie das Bilden des Satzes, oder
ein inartikulierter? Und wenn ein artikulierter: muss er nicht projektiv mit
dem andern verbunden sein? Denn sonst wäre seine Artikulation von der ersten
unabhängig.


     

734
            “Er sagt das, und    meint   es”: Vergleiche das
einerseits mit: “er sagt das, und schreibt    es   nieder”; anderseits mit:

735
“er sagt schreibt das und unterschreibt    es  ”.






     

            Man würde etwa (so?) sagen: Ich sage ja nicht nur “zeichne einen
Kreis”, sondern ich wünsche doch, dass der Andre e[f|t]was tut. (Gewiss!) Und die-
ses Tun ist doch etwas anderes als das Sagen, und ist eben das Ausserhalb
worauf ich weise // worauf der Satz weist//.


     

470
                       Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem
Verstehen eines musikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter,
als man glaubt. Und zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen Satzes
näher als man denkt dem Ort liegt, was man gewöhnlich das Verständnis des
musikalischen Ausdrucks nennt. — Warum pfeife ich das gerade    so  ? warum
bringe ich den Rhythmus Wechsel der Stärke und des Zeitmasses gerade auf dieses
ganz bestimmte Ideal? Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was das alles
heisst” — aber was heisst es denn? — Ich wüsste es nicht zu sagen, ausser
durch eine Uebersetzung in einen Vorgang vom gleichen Rhythmus.




     
            Wenn man nun “das Wort ‘gelb’ verstehen” heisst, es anwenden können,
so besteht ist die gleiche Frage: Wann    kannst   Du es anwenden. Redest Du
von einer Disposition? Ist es eine Vermutung?


     

         Augustinus: “   Wann   messe ich ein[n|e]n Zeitraum? Aehnlich
meiner Frage:    Wann kann   ich Schach spielen.


     

empty
Zeigt sich die Bedeutung eines
Wortes in der Zeit? Wie der tatsäch-
liche Freiheitsgrad eines Mechanismus.
   Enthüllt sich die Bedeutung des
Worts erst nach & nach wie seine
Anwendung fortschreitet?







     

empty
Begleitet eine Kenntnis der
grammatischen Regeln den Ausdruck
des Satzes, wenn wir ihn — seine Worte —
verstehn?




     

183
            Was heisst die Frage: Ist das dasselbe ‘non’, für welches die
Regel non—non—non—p = non—p gilt?


     

184
                    “Meinst Du das ‘non’ so, dass ich aus non—p non—non—non—p
schliessen kann?”



     

264

Wenn das Schachspiel durch seine Regeln definiert ist, so gehören diese Regeln zur Grammatik des Wortes „Schach”.
                      Kann man eine Intention ˇ[oder einen Wunsch?] haben, ohne sie auszudrücken?
Kann man die Absicht haben, Schach zu spielen (in dem Sinne, in welchem man
apodiktisch sagt, “ich hatte die Absicht Schach zu spielen; ic    ich muss  
es doch wiss    es doch wissen  ”), ohne einen Ausdruck dieser Ab-
sicht? — Könnte man da nicht fragen: Woher weisst Du, dass das, was Du hat-
test,    diese   Absicht war?
            Ist die Absicht, Schach zu spielen etwa wie die Vorliebe für
das Spiel, oder für eine Person. Wo? man auch fragen könnte: Hast Du diese
Vorliebe die ganze Zeit oder etc., und die Antwortt ist, dass “eine Vorliebe
haben” gewisse Handlungen, Gedanken und Gefühle einschliesst und andere aus-
schliesst.


     
            Muss ich nicht sagen: “Ich weiss, dass ich die Absicht hatte,
   denn   ich habe mir gedacht ‘jetzt komme ich endlich zum Schachspielen’”
oder etc. etc..


     
            Es würde sich mit der Absicht in diesem Sinne auch vollkommen
vertragen, dass // wenn // ich beim ersten Zug darauf käme, dass ich alle
Schachregeln vergessen habe, und zwar so, dass ich nicht etwa sagen könnte
“ja, als ich den Vorsatz hatte // fasste//, da hatte // habe // ich sie
noch gewusst”.


     

264
            Es wäre wichtig, den Fehler allgemein auszudrücken, den ich in
allen diesen Betrachtungen zu machen neige // geneigt bin//. Die falsche
Analogie, aus der er entspringt.


     

265
            Ich glaube, jener Fehler liegt in der Idee, dass die Bedeutung
eines Wortes eine Vorstellung ist, die das Wort begleitet.
            Und diese Conception hat wieder mit der des Bewusst-Seins zu
tun. // [u|U]nd diese Conception steht wieder … in Verbindung.// Dessen,
was ich immer “das Primäre” nannte.














     
            Und so geht es in allen solchen Fällen. Wenn etwa jemand sagt:
“aber ich meine doch wirklich, dass der Andere Zahnschmerzen hat; nicht, dass
er sich bloss so benimmt”. Immer muss man antworten: “Gewiss” und zugeben,
dass auch wir diese Unterscheidung machen müssen. //dass diese Unterscheidung
besteht.//
ch

     



309
            “Jetzt sehe ich's erst, er zeigt immer auf die Leute, die dort
vorübergehen”. Er hat ein System verstanden: wie Einer, dem ich die Ziffern
1, 4, 9, 16 zeige und der sagt “ich versteh' jetzt das System, ich kann jetzt
selbst weiterschreiben”. Aber was ist diesem Menschen geschehen, als er das
System plötzlich verstand?




     

310
            Gewiss, der Vorgang des “jetzt versteh' ich …!” ist ein ganz
spezifischer, aber es    ist   eben auch ein ganz spezifischer Vorgang, wenn
wir auf einen bekannten Kalkül stossen, wenn wir “weiter wissen”.
            Aber dieses Weiter-Wissen ist eben auch    diskursiv   (nicht
intuitiv
).



     



empty

    Die grammatischen Regeln — & die Bedeu-
tung eines Wortes.
    Ist die Bedeutung, wenn wir sie verste-
hen, ‘auf einmal’ erfaßt; & in den
grammatischen Regeln gleichsam
ausgebreitet?

     
















250
                      Und doch ist noch etwas unklar // nicht klar //, was
sich z.B. in der dreifachen Verwendung des Wortes ‘ist’ zeigt. Denn, was
heisst es, wenn ich sage, dass im Satz ‘die Rose ist rot’ das ‘ist’ eine
andere Bedeutung hat, als in ‘zweimal zwei ist vier’? Wenn man sagt, es
heisse, dass verschiedene Regeln von diesen beiden Wörtern [v|g]elten, so muss
man zunächst sagen, dass wir hier nur    ein   Wort haben. Zu sagen aber:
von diesem gelten in einem Fall    die   Regeln im anderen jene, ist Unsinn.
            Und das häng[z|t] wieder mit der Frage zusammen, wie wir uns denn
aller Regeln bewusst sind, wenn wir ein Wort in einer bestimmten Bedeutung
gebrauchen, und doch die Regeln die Bedeutung ausmachen?



































     
Zeile
            Und doch kann man eben nur sagen, der andere Satz ist nicht mit
diesem ausgesprochen, auch nicht schattenhaft. (Und wird vielleicht nie aus-



     

201
            Statt der Betrachtung der Negation, könnte ich auch die eines
Pfeiles setzen und z.B. sagen: wenn ich ihn zweimal um 180o drehe, zeigt er
wieder, wohin er jetzt zeigt: welcher Satz dem non-non-p = p entspricht.
Wie ist es nun hier mit der Darstellung des Wesens dieses Pfeils durch die
Sprache? Jener Satz muss doch unmittelbar von diesem Wesen abgeleitet // ab-
gelesen // sein und es also darstellen.
            Oder nehmen wir den Fall eines Quadrats und eines Rechtecks und
die Sätze, dass das Quadrat durch eine Vierteldrehung mit sich selbst zur
Deckung gebracht werden kann; das Rechteck aber erst durch eine halbe Dre-
hung.


     

203
            Es frägt sich einfach: Was ist das für ein Satz “das Wort ‘ist’
in ‘die Rose ist rot’ ist dasselbe, wie in ‘das Buch ist rot’, aber nicht
dasselbe, wie in ‘zweimal zwei ist vier’”? Man kann nicht antworten, es heis-
se, verschiedene Regeln gelten von den beiden Wörtern, denn damit geht man
im Zirkel. Wohl aber heisst es, das Wort ist in seinen verschiedenen Verbin-
dungen durch zwei Zeichen ersetzbar, die nicht für einander einzusetzen sind.
Ersetze ich dagegen das Wort in den beiden ersten Sätzen durch zwei ver-
schiedene Wörter, so kann darf ich sie für einander einsetzen.









     

206
Schreiben
            Jedes Zeichen der Negation ist gleichwertig jedem andern, denn
p!
W!
F!

F
W
ist ebenso ein Komplex von Strichen, wie das Wort “nicht”, und zur
Negation wird es nur durch die Art, wie es ‘   wirkt  ’. Hier aber
ist nicht die Wirkung im Sinne der Psychologie (das Wort ‘Wirkung’ also
nicht kausal) gemeint, sondern die Form seiner Wirkung.



     

510
                      Du sagst, das Hinweisen auf einen roten Gegenstand
ist das primäre Zeichen für ‘rot’. Aber das Hinweisen auf einen roten Ge-
genstand ist nicht mehr, als die bestimmte Handbewegung gegen einen roten
Gegenstand, und ist vorläufig gar kein Zeichen. Wenn Du sagst, Du meinst:
das Hinweisen auf den roten Gegenstand    als Zeichen verstan-
den
   — so sage ich: das Verständnis, auf das es uns ankommt, ist kein
Vorgang, der das Hindeuten begleitet (etwa ein Vorgang im Gehirn) und wenn
Du doch so einen Vorgang meinst, so ist dieser an sich wieder kein Zeichen.
((Die Idee ist hier immer wieder, dass die Meinung, die Interpretation, ein
Vorgang sei, der das Hinweisen begleitet und ihm sozusagen die Seele gibt
(ohne welche es tot wäre). |Das scheint besonders dort so, wo ein Zeichen
die ganze Grammatik zusammenzufassen scheint, dass wir sie aus ihm ablei-
ten können, und es scheint, dass sie in ihm enthalten wäre, wie eine die Per-
lenschnur in einer Schachtel und wir sie nur herausziehen müssten. (Aber

511
dieses Bild ist es eben, was welches uns irreführt.) Als wäre also das Verständnis
ein momentanes Erfassen von etwas, wovon später nur die Konsequenzen gezo-
gen werden; und zwar so, dass diese Konsequenzen bereits in einem ideellen
Sinn existieren, ehe sie gezogen wurden. Als ob also der Würfel — z.B. —
schon die ganze Geometrie des Würfels enthielte und ich sie nun nur noch
auszubreiten habe hätte. Aber welcher Würfel? Der Gesichtswürfel, oder ein Eisen-
würfel? Oder gibt es einen ideellen Würfel? — Offenbar schwebt uns der Vor-
gang vor, ˇwenn wir aus einer Zeichnung, Vorstellung (oder einem Modell) Sätze der
Geometrie abzuleiten. Aber welche Rolle spielt dabei hier das Modell? Doch wohl
die des Zeichens[!|.] Des Zeichen[,|s], welches eine bestimmte Verwendungsart hat
und nur durch dieses bezeichnet. mit welchem ein bestimmtes Spiel gespielt wird. Es ist allerdings interessant und merkwür-
dig, wie dieses Zeichen verwendet wird, wie wir, etwa, die Zeichnung des Wür-
fels wieder und wieder bringen verwenden mit immer anderˇen Zutaten. Einmal sind die
Diagonalen gezogen, einmal Würfel aneinander gereiht, etc. etc.. Und es ist
dieses Zeichen (   mit der Identität eines des Zeichens  ),
welches wir für jenen Würfel nehmen, in dem die geometrischen Gesetze be-
reits liegen. (Sie liegen in ihm so wenig, wie im Schachkönig eine die Dis-
positionen, in gewisser Weise benützt zu werden.) Die geometrischen Gesetze
   konstituieren   den Begriff des Würfels (sie geben eine Konstitu-
tion, eine Verfassung). Was ich seinerzeit über den “Wortkörper” geschrie-
ben habe, ist der klare Ausdruck des besprochenen Irrtums.))



     

Wesen der Sprache

     

empty
Lernen, Erklärung, der Sprache

Kann man die Sprache durch eine
Erklärung gleichsam aufbauen,
zum Funktionieren bringen?






































     

324

            Wenn ich also auch dem Schriftzug “p” den Namen A gebe und
daher schrei-
be: non-p = A ist falsch, so hat das nur einen Sinn,
d.h. die rechte Sei-
te kann nur verstanden werden, wenn A für uns als
   Satzzeichen   steht. Dann aber ist nichts gewonnen: zum mind-
esten keine    Erklärung   ˇdes Mechanismus der Negation.










     

222
            Das Wort ‘Teekanne’ hat ˇdoch Bedeutung; gewiss, im Gegensatz zum Worte
‘Abracadabra’, nämlich in der deutschen Sprache. Aber wir könnten ihm na-
türlich auch eine Bedeutung geben; das wäre ein Akt ganz analog dem, wenn
ich ein Täfelchen mit der Aufschrift ‘Teekanne’ an eine Teekanne hänge. Aber
was habe ich hier anders als eine Teekanne mit einer Tafel, auf der Striche
zu sehen sind? Also wieder nichts logisch Interessantes. Die Festsetzung der
Bedeutung eines Wortes kann nie (wesentlich) anderer Art sein.

     


            Man kann fragen, “was hast Du gemeint” (etwa mit dieser Handbewegung) oder auch: mit diesem Satz diesen Worten). Aber auch “hast Du etwas mit diese[n|r] Worten Handbewegung (mit diesen Worten) gemeint. Und die zweite Frage verhält sich zur ersten nicht, wie die Frage “bist Du verliebt” zu “wen liebst Du”.
            Auf die Frage “was hast Du gemeint?” kommt ein Satz ˇein weiteres Zeichen zur Antwort; und wäre dieser Satz gleich ursprünglich anfänglich statt des<…> ersten nach dessen Sinn gefragt wurde gesagt ausgesprochen worden, so hätte doch gesagt werden können: “hast Du etwas mit diesen Worten gemeint” oder “hast Du diese Worte gemeint” (& nicht nur gesagt).

     

Ich kann fragen “wie meinst Du diesen Satz (dieses Zeichen) wie verstehst Du ihn”, oder ich darf so nicht fragen; & wenn ich dann dennoch trotzdem vom Meinen und Verstehen rede so meine ich damit einen Vorgang der das Aussprechen, Hören, Schreiben, etc. des Satzes begleitet.

     
Geh' ins Nebenzimmer & bring das Buch das auf dem Tisch liegt … Hast Du mich verstanden?” Wir können in diesem Sinne die Frage hast Du mich verstanden (etwa nach dem Befehl “geh' ins Nebenzimmer & bringe hole einen Stuhl” apodictisch bejahen oder verneinen.

     

empty
Wie wirkt die einmalige Erklärung
der Sprache das Verständnis?






















































     

475

            ((Soll das so viel heissen, als ˇIst es so, dass eine Erklärung, eine Tabelle, zuerst so gebraucht werden kann, dass man sie “nachschlägt”; dass man sie dann gleichsam im Kopf nach-
schlägt, d.h., sie sich vor das innere Auge ruft (oder dergleichen); und dass man endlich ohne diese Tabelle arbeitet, also so, als wäre sie nie da gewesen. In diesem letzten Fall spielt man also ein anderes Spiel. Denn es ist nun nicht so, dass jene Tabelle ja doch im Hintergrund steht und man immer auf sie zurückgreifen kann; sie ist aus unserem Spiel ausgeschieden und wenn ich auf sie ‘zurückgreife’, so tue ich, was der Erblindete tut, der etwa auf den Tastsinn zu-

476
rückgreift. Eine Erklärung ist das Anlegen die Konstruktion Anfertigung einer Tabelle und sie wird Geschichte, wenn ich die Tabelle nicht mehr benütze. Eine Tabelle Erklärung legt fertigt eine Tabelle an und sie wird zur Geschichte, wenn … ˇAbsatz Ich muss unterscheiden zwischen den Fällen: wenn ich mich einmal nach einer Tabelle richte, und ein andermal in Uebereinstimmung mit der Tabelle (der Regel, welche die Tabelle ausdrückt) handle, ohne die Tabelle zu be-
nützen. — Die Regel, deren Erlernung uns veranlasste, jetzt so und so zu handeln, ist als Ursache unserer Handlungsweise Geschichte und für uns ohne Interesse. Sofern sie aber eine allgemeine Beschreibung unserer Hand-
lungsweise ist, ist sie eine Hypothese. Es ist die Hypothese, dass diese zwei Leute, die am über dem Schachbrett sitzen, , so und so handeln wer-
den (wobei auch ein Verstoss gegen die Spielregeln unter die Hypothese fällt, denn diese sagt dann etwas darüber aus, wie sich die Beiden benehmen werden, wenn sie auf diesen Verstoss aufmerksam werden). Die Spieler kön-
nen aber die Regel auch benützen, indem sie in jedem besonderen Fall nach-
schlagen, was zu tun ist; hier tritt die Regel in die Spielhandlung selbst ein und verhält sich zu ihr nicht, wie eine Hypothese zu ihrer Bestätigung. “Hier gibt es aber eine Schwierigkeit. Denn der Spieler, welcher ohne Be-
nützung des Regelverzeichnisses spielt, ja, der nie eines gesehen hätte, könnte dennoch, wenn es verlangt würde, ein Regelverzeichnis anlegen und zwar nicht — behaviouristisch — indem er durch wiederholte Beobachtung fest-
stellte, wie er in diesem und in jenem Fall gehandelt hat //handelt //, sondern, indem er, vor einem Zug stehend, sagt: ‘in diesem Fall    zieht man so  ’”. — Aber wenn das so ist, so zeigt es doch nur, dass er unter gewissen Umständen eine Regel aussprechen wird, nicht, dass er von ihr beim Zug expliciten Gebrauch gemacht hat. Dass er ein Regelverzeichnis anlegen würde // wird //, wenn man es verlangte verlangt, ist eine Hypothese und wenn man ei-
ne Disposition, ein Vermögen, ein Regelverzeichnis anzulegen annimmt, so ist es eine psychische Disposition auf gleicher Stufe mit einer physiologi-
schen. Wenn gesagt wird, diese Disposition

477
charakterisiert den Vorgang des Spiels, so charakterisiert sie ihn als einen psychischen oder physiologi-
schen, was er tatsächlich ist. (Im im Studium des Symbolismus gibt es keinen Vordergrund und Hintergrund, nicht ein sichtbares // greifbares// Zeichen und ein es begleitendes unsichtbares // ungreifbares// Vermögen, oder Ver-
ständnis.)

     

509

            Wie wirkt nun die hinweisende Erklärung? Sie lehrt den Gebrauch eines Zeichens; und das Merkwürdige ist nur, dass sie ihn auch für die Fälle zu lehren scheint, in denen ein Zurückgehen auf das hinweisende Zeichen nicht möglich ist. Aber geschieht das nicht, indem wir, quasi, die in der hinwei-
senden Definition gelernten Regeln in bestimmter Weise transformieren? (Wenn z.B. der Mann, der mir vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche, dessen Gebrauch mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung — erklärt wurde.) Wenn ich ihn nun brauche, z.B. der Mann, der mir vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche, dessen Gebrauch mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung — erklärt wurde.) Wenn ich ihn nun brauche,    in wiefern mache ich da von der hinweisenden Erklärung<,> der Vorstellung, Gebrauch  ? Offenbar nicht in der Weise, in welcher ich in der Anwesenheit des Menschen von ihr Gebrauch machen konnte. Es gibt ein Spiel, worin ich immer statt des Namens das hinweisende Zeichen geben kann, und eins, in welchem das nicht mehr möglich ist. (Und wir müssen nur daran festhalten, dass die Erklärung, als fortwirkende    Ursache   unseres Gebrauchs von Zeichen, uns nicht interessiert, sondern nur, sofern wir von ihr in unserm Kalkül Gebrauch machen können.) Eine Schwierigkeit Es macht eine Schwierigkeit in der Erklärung des Gebrauchs der hinwei-
senden Definition macht es dass wir Definition, dass wir verschiedene Kriterien der Identität anwenden (also das Wort “Identität” in
verschiedener Weise gebrauchen), je nachdem, ob ein Ding sich vor unsern Augen bewegt, oder unserm Blick ent-
schwindet und vielleicht wieder erscheint. Das ist wichtig, denn für den zweiten Fall gibt uns die hinweisende Definition eigentlich nur ein    Muster   und tut nur, was auch der Hinweis auf ein Bild tut. Das drückt sich darin aus, dass die gegebene hinweisende Erklärung
nichts nützt, wenn wir vergessen haben, wie der Mensch, auf den gezeigt wurde,
aussah. ))

     

Es ist möglich, daß Einer die Bedeutung des Wortes “blau” vergißt. Was hat er da vergessen?: Wie äussert sich das?
            Da gibt es verschiedene Fälle: Er zeigt etwa auf verschieden gefärbte Täfelchen & sagt: “ich weiß nicht mehr, welche von diesen Farb man ‘blau’ nennt”. Oder aber, er weiß überhaupt nicht mehr, was es das Wort be-
deutet, und nur, daß es ein deutsches Wort ist [ein Wort der deutschen Sprache ist].
            Wenn wir ihn nun fragen: “weißt Du, was das Wort, ‘blau’ bedeutet”, und er sagt “ja”; da konnte er verschiedene Kriterien anwenden, um sich “zu überzeugen”, dass er die Bedeutung wisse. (Denken wir wieder an die entspre-
chenden Kriterien dafür, daß er das Alphabet hersagen kann.) Vielleicht rief er sich ein blaues Vorstellungsbild vor die Seele, vielleicht sah er nach einem blauen Gegenstand im Zimmer, vielleicht fiel ihm das englische Wort “blue” ein, oder er dachte an einen “blauen <…> Fleck”, den er sich geholt hatte, etc., etc..
            Wenn nun gefragt würde: wie kann er sich denn zur Probe seines Ver-
ständnisses ein blaues Vorstellungsbild vor die

Seele rufen
denn wie kann ihm das Wort ‘blau’ zeigen, welche Farbe aus dem Farbenkasten seiner Vorstellung er zu wählen hat, — so ist zu sagen, daß es sich eben so zeigt, daß das Bild vom Wählen, etwa, eines blauen Gegenstand mittels eines blauen Täf Mustertäfelchens hier unpassend ungeeignet ist & der Vorgang eher mit dem zu vergleichen ist, wenn beim Drücken eines Knopfes, auf dem das Wort “blau” geschrieben steht, automatisch ein blau-
es Täfelchen vorspringt, oder, wenn der Mechanismus versagt, nicht vorspringt. Man könnte nun sagen: Der, welcher die Bedeutung des Wortes “blau” vergessen hat & aufgefordert wurde, einen blauen Gegenstand <aus anderen auszuwählen> fühlt beim Ansehen der verschiede dieser Gegenstände, daß die Verbindung zwischen dem Wort „blau” und jenen Farben nicht mehr besteht (unterbro-
chen ist). Und die Verbindung wird wieder gemacht hergestellt, wenn wir ihm die Erklärung des Wortes wiederholen. Aber wir konnten die Verbindung auf man-
nigfache Weise wieder herstellen: Wir konnten ihm einen blauen Gegenstand zeigen die die hinweisende Definition geben, oder ihm sagen

“erinnere Dich an Deinen ‘blauen Fleck’”, oder wir konnten ihm das Wort “blue” zu-
flüstern, etc. etc.. Und wenn ich sagte, wir konnten die Verbindung auf diese verschiedenen Arten herstellen, so liegt nun der Gedanke nahe, daß ich ein bestimmtes Phänomen, ˇwelches ich die Verbindung zwischen Wort und Farbe, oder das Verständnis des Wortes nenne, auf alle diese ver-
schiedenen Arten hervorgerufen habe; wie ich etwa sage, daß ich zwei En die En-
den zweier Drähte durch ˇDraht Stücke verschiedener Länge und Materialien leitend miteinander verbinden kann. Aber von so einem Phänomen, etwa dem Entstehen eines blauen Vorstellungsbildes, muß keine Rede sein und das Verständnis wird sich dann dadurch zeigen, daß er etwa die blaue Kugel aus den andern tatsächlich auswählt, oder sagt, er könne es nun tun, wol-
le es aber nicht; etc., etc. etc.. Wir können dann immer ein Spiel fest-
setzen, welches    eine   Möglichkeit so eines Vorgangs darstellt, und müssen nicht vergessen, daß in Wirklichkeit hundert verschiedene und ih-
re Kreuzungen mit den Worten “die Bedeutung vergessen”, “sich an die Be-
deutung erinnern”, “die Bedeutung kennen” beschrieben werden.

     


            
empty
Kann man etwas Rotes nach
dem Wort “rot” suchen? braucht
man ein Bild dazu?
Verschiedene Suchspiele.




























































     

297
             So Ich kann ˇich die Bedeutung der Zeichen, , durch die Tabelle erklären; aber diese Tabelle wieder erklären, indem ich sie so schreibe
     
und sie einer anderen entgegenstelle:
     






     

500
            Denken wir an das laute Lesen nach der Schrift (oder

501
das Schreiben nach dem Gehör). Wir könnten uns natürlich eine Art Tabelle denken, nach der wir uns dabei richten könnten. Aber wir richten uns nach keiner. Kein Akt des Gedächtnisses, nichts, vermittelt zwischen dem geschriebenen Zeichen und dem Laut.

     

271
            (Das Wort ‘rot’ ist ein Stein in einem Kalkül und das rote Täfelchen ist auch einer.)

     

513

             Und das heisst: eEs ist ein anderes Spiel, mit einem Täfelchen herumgehen, es an die Ge-
genstände anzulegen und so die Farbengleichheit zu prüfen; und anderseits: ohne ein solches Muster nach Wörtern in einer Wortsprache handeln.
            Man denkt nun: Ja, das erste Spiel verstehe ich; das ist ja ganz einfach: Der erste Schritt ist der, von einem geschriebenen Wort auf das gleiche ge-
schriebene Wort des Musters; der zweite ist der Uebergang von dem Wort auf dem Mustertäfelchen zu der Farbe auf dem    gleichen   Täfelchen; und der dritte, das Vergleichen von Farben. Jeden Schritt dieses Kalküls gehen wir also auf einer Brücke. (Wir sind geführt, der Schritt ist vorgezeich-
net.)
            Aber wir sind doch hier nur insofern geführt, als wir uns führen lassen. Auf diese Weise    kann   ich alles, und    muss   ich nichts eine Füh-
rung nennen. — Und am Schluss tu ich, was ich tue und das ist Alles.
            Aber ein Unterschied bleibt doch: Wenn ich gefragt werde “warum nennst Du gerade diese Farbe ‘rot’, so würde ich tatsächlich antworten: weil sie auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort ‘rot’ steht. Würde ich aber in dem zweiten Spiel gefragt “warum nennst Du diese Farbe ‘rot’ ”, so gäbe es darauf keine Antwort und die Frage hätte keinen Sinn. — Aber im ersten Spiel hat die Frage keinen Sinn: “warum nennst Du    die   Farbe ‘rot’, die auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort ‘rot’ steht”. So handle ich eben (und man kann dafür wohl eine Ursache angeben, aber keinen Grund). Das Gedächtnis ist jedenfalls nicht immer die letzte Instanz.
            Bedenke vor allem: Wie weiss man, dass das Täfelchen rot bleibt? Braucht man dazu wieder ein Bild? Und wie ist es mit dem? etc.. Woran erkennt er das Vorbild als Vorbild?


     
            (Ein Grund lässt sich nur    innerhalb   eines Spiels angeben.)

     

514
            Die Kette der Gründe kommt zu einem Ende und zwar dem Ende in diesem Spiel // und zwar dem Ende des Spiels // // und zwar (an?) ? der Grenze des Spiels+ //. //


     
            Man kann sagen: Die Regeln des Spiels sind die, die gelehrt werden, wenn das Spiel gelehrt wird. — Nun wird z.B. dem Menschen, der lesen lernt, tat-
sächlich gelehrt: das ist ein a, das ist ein e, etc.; also, könnte man sagen, gehören diese Regeln, gehört diese Tabelle mit zum Spiel. — Aber erstens: lehrt man denn auch den Gebrauch dieser Tabelle? und    könnte   man ihn, anderseits, nicht lehren? Und zweitens kann doch das Spiel    wirklich   auf zwei verschiedene Arten gespielt werden.
            Man kann nun fragen: ist es denn aber auch noch ein Spiel, wenn Einer die Buchstaben abbc sieht und    irgend etwas   macht? Und wo hört das Spiel auf, und wo fängt es an?
            Die Antwort ist natürlich: Spiel ist es, wenn es nach einer Regel vor sich geht. Aber was ist noch eine Regel und was keine mehr?
            Eine Regel kann ich nicht anders geben, als durch ihren Ausdruck; denn auch Beispiele, wenn sie Beispiele sein sollen, sind ein Ausdruck für die Regel, wie jeder andre.
            Wenn ich also sage: Spiel nenne ich es nur, wenn es einer Regel gemäss geschieht und die Regel ist eine Tabelle, so kann ich nicht die Verwendungs-
art // die Art des Gebrauches // dieser Tabelle garantieren, denn ich kann sie nur durch eine weitere Tabelle festlegen, oder durch Beispiele. Diese Beispiele tragen nicht weiter, als sie selbst gehen // reichen // und die zweite Tabelle ist im gleichen Fall wie die erste.
            Ich könnte auch sagen: was ist das Schachspiel andres (oder was ist vom Schachspiel andres vorhanden), als Regelverzeichnisse (gesprochen, geschrie-
ben, etc.) und die Beschreibung einer Anzahl von Schachpartien?

            Es steht mir (darnach) natürlich frei, ‘Spielregel’ nur ein Ding von be-
stimmt festgelegter Form zu nennen.

     

empty
„Die Beziehung Verbindung zwischen Sprache
& Wirklichkeit” ist durch die Wort-
erklärungen hergestellt gemacht, welche wie-
der zur Sprachlehre gehören: So
dass die Sprache in sich geschlossen,
autonom, bleibt.






































     

empty
Die Sprache nicht als Einrichtung
definiert, die einen bestimmten Zweck
erfüllt.

  Die Grammatik kein Mechanis-
mus, der durch seinen Zweck
gerechtfertigt ist.


































     

124
            Aber wie ist es: Ich gehe diesen Weg, um dorthin zu kommen; ich drehe den Hahn auf, um Wasser zu erhalten, ich winke, damit jemand zu mir kommt und endlich teile ich ihm meinen Wunsch mit, damit er ihn erfüllt! ((D.h.: War also die Mitteilung meines Wunsches nicht nur das Ziehen eines Hebels und der Sinn meiner Mitteilung ihr Zweck?))


     
            Aber was geht vor sich, wenn ich den Hahn aufdrehe,    damit   Wasser herausfliesst? Was geschieht, ist, dass ich den Hahn aufdrehe, und dass dann Wasser herauskommt, oder nicht. Was geschieht, ist also, dass ich den Hahn aufdrehe. —

125
ich den Hahn aufdrehe. — Was auf das Wort “damit” folgt, die Absicht, ist darin nicht enthalten. Ist sie vorhanden, so muss sie ausgedrückt sein und sie kann nur dann be-
reits durch das Aufdrehen des Hahnes ausgedrückt sein, wenn es das Teil ei-
ner Sprache ist.
















     


  
empty
Die Sprache funktioniert als
Sprache nur durch die Regeln
nach denen wir uns in ihrem
Gebrauch richten, wie das Spiel
nur durch seine Regeln als ein
Spiel funktioniert ist .






































     
            Muss denn nicht die Regel der Sprache — dass also dieses Zeichen    das   bedeutet — irgendwo niedergelegt sein?
             Muss dann nicht schon, dass sie niedergelegt werden    kann  , alles besagen?
            Freilich auch:    Mehr   als die Regel niederlegen, kann ich nicht. Zeile → Ist die Regel niedergelegt, so ist es eben eine andere Sprache, als wenn sie nicht niedergelegt ist.










     

143
            ‘Ich verstehe diese Worte’ (die ich etwa zu mir selbst sage), ‘ich meine etwas damit’, ‘sie haben einen Sinn’ muss immer dasselbe heis<…>-

144
sen, wie: ‘sie sind nicht ad hoc erfundene Laute, sondern Zeichen aus einem System’. Ich spiele ein Spiel mit ihnen .



     

144
            Denn, wenn wir einen Befehl befolgen, so deuten wir die Worte nicht will-
kürlich.
            D.h. wieder, wir müssen die Unterscheidung anerkennen zwischen dem ‘Be-
folgen eines Befehls’ und einem ‘willkürlichen Zuordnen einer Handlung’.



     

495
            Sage ich jemandem “bringe eine rote Blume” und er bringt eine, und nun frage ich “warum hast Du mir eine von dieser Farbe gebracht?” — und er: “das ist doch rot“ //“diese Farbe nenne ich heisst doch ‘rot’”//: so ist dies Letzte ein Satz der Grammatik. Er rechtfertigt eine Anwendung des Worts.


     
            Fehlt dieser Satz // diese Regel//, so ist die Grammatik des Worts (seine Bedeutung) eine andere.




     

empty

       Funktionieren des Satzes
an einem Sprachspiel erläutert.












































     

594
            Ein einfaches Sprachspiel ist z.B. dieses: Man spricht zu einem Kind (es kann aber auch ein Erwachsener sein), indem man das elektrische Licht in einem Raum andreht: “Licht”, dann, indem man es abdreht: “Finster”; und tut das etwa mehrere Male mit Betonung und variierenden Zeitlängen. Dann geht man etwa in das Nebenzimmer, dreht von dort aus das Licht im ersten an und bringt das Kind dazu, dass es mitteilt, ob es licht oder finster ist. // dass es mitteilt: “Licht”, oder “Finster”.//
            Soll ich da nun “Licht” und “Finster” ‘Sätze’ nennen? Nun, wie ich will. — Und wie ist es mit der ‘Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit’?

     
            Wenn ich bestimmte einfache Spiele beschreibe, so geschieht es nicht, um mit ihnen nach und nach die wirklichen Vorgänge der ausgebildeten Sprache — oder des Denkens — aufzubauen, was nur zu Ungerechtigkeiten führt, — sondern ich stelle die Spiele als solche hin, und lasse sie ihre aufklärende Wirkung auf die besonderen Probleme ausstrahlen.

     

595
            Man könnte eben sagen: “die Worte ‘Licht’, ‘Finster’ sind hier als Sätze gemeint und sind nicht einfach Wörter”. Das heisst, sie sind hier nicht so gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl wir tatsächlich auch oft    so   sprechen). Aber wenn ich plötzlich ohne sichtbaren Anlass das Wort “Licht” isoliert ausspreche, so wird man allerdings sagen: “was heisst/das? das ist doch kein Satz” oder: “Du sagst ‘Licht’, nun was soll's damit?” Das Aussprechen des Wortes “Licht” ist in diesem Fall sozusagen noch ?— kein (kompletter) Zug des Spiels, which we expect the other to play. das, wie wir annehmen, der Andre spielt.


     
            Wie unterscheidet sich nun “Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht ausdrückt, von “Licht”, wenn es konstatiert, dass es im Zimmer licht ist? Dass wir es in jedem Fall anders    meinen  ? Und worin besteht das? In bestimmten Vorgängen, die das Aussprechen begleiten, oder in einem be-
stimmten Benehmen, das ihm vorangeht, eventuell es begleitet, und ihm folgt?


     
            Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit, — konstatiert er die Tat-
sache, dass er Hilfe bedarf? dass er ohne Hilfe ertrinken wird? — Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi, sich beobachtend, sagt “ich hätte jetzt (oder: habe) jetzt den Wunsch nach …”.


     

             Ich sage das Wort “Licht!”, — der Andere fragt mich:

596
“was meinst Du?” — und ich sage // antworte //: “Ich meinte, Du sollst Licht machen”. — Wie war das, als ich es    meinte  ? Sprach ich den “kompletten Satz” in der Vorstellung unhörbar aus, oder den entsprechenden in einer andern Sprache? (Ja, das    kann   vorkommen oder auch nicht.) Die Fälle, die man alle mit dem Ausdruck “ich meinte” zusammenfasst, sind    sehr mannigfach  .


     
            Nun kann man ruhig annehmen: ‘ich meinte, Du solltest Licht machen’ heisst, dass mir dabei ein Phantasiebild von Dir in dieser Tätigkeit vorge-
schwebt hat, und ebensogut: der Satz heisst, dass mir dabei die Worte des vollständigen Satzes in der Phantasie gegenwärtig waren, oder, dass eins von diesen beiden der Fall war; — nur muss ich wissen, dass ich da-
mit eine Festsetzung über die Worte “ich meinte” getroffen habe und eine engere, als die ist, welche dem tatsächlichen allgemeinen Gebrauch des Aus-
drucks entspricht.


     
            Wenn das Meinen für uns irgendw eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll, so muss dem System der Sätze ein System der Meinungen zugeordnet sein,    was immer   für Vorgänge die Meinungen sein sollen.


     
            Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im obigen Symbolismus oder Zeichen-
spiel mit einer Wirklichkeit überein, — oder nicht überein?
            Wie gebrauchen wir überhaupt das Wort “übereinstimmen”? — Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie die gleiche Zeit zeigen, “die bei-
den Masstäbe stimmen überein”, wenn gewisse Teilstriche zusammenfallen,

597
“die beiden Farben stimmen überein”, wenn etwa ihre Zusammenstellung uns ange-
nehm ist. Wir sagen “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie gleich sind, aber auch, wenn sie in einem von uns gewünschten Verhältnis stehen. Und, dass sie “übereinstimmen” heisst dann, nichts andres, als dass sie in diesem Verhältnis — etwa 1:2 — stehen. So muss also in jedem Fall erst festgesetzt werden, was unter “Uebereinstimmung” zu verstehen ist. — So ist es nun auch mit der Uebereinstimmung einer Längenangabe mit einer Länge. Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2m lang”, so kann ich z.B. erklären // eine Erklärung geben//, wie man nach diesem Satz mit einem Masstab die Länge des Stabes kontrolliert, wie man etwa nach diesem Satz einen Messtreifen für den Stab erzeugt. Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn der auf diese Weise konstruierte Mess-
streifen mit dem Stab übereinstimmt. Diese Konstruktion eines Messtreifens illustriert übrigens, was ich in der “Abhandlung” damit meinte, dass der Satz bis an die Wirklichkeit herankommt. — Man könnte das auch so klar ma-
chen: Wenn ich die Wirklichkeit daraufhin prüfen will, ob sie mit einem Satz übereinstimmt, so kann ich das auch so machen, dass ich sie nun be-
schreibe und sehe, ob der gleiche Satz herauskommt. Oder: ich kann die Wirklichkeit nach grammatischen Regeln in die Sprache des Satzes überset-
zen und nun im Land der Sprache ?—den Vergleich durchführen—?.
            Als ich nun dem Andern erklärte: “Licht” (indem ich Licht machte), “Fin-
ster” (indem ich auslöschte), hätte ich auch sagen können und mit genau derselben Bedeutung: “das ist // heisst// ‘Licht’” (wobei ich Licht ma-
che) und “das ist // heisst// ‘Finster’” etc., und auch ebensogut: “das stimmt mit ‘Licht’ überein”, “das stimmt mit ‘Finster’ überein”.


     
            Es kommt eben wieder auf die Grammatik des Wortes “Uebereinstimmung” an, auf seinen Gebrauch. Und hier liegt die Verwechslung mit ‘Aehnlich-
keit’ nahe, in dem Sinn, in dem zwei Personen einander ähnlich

598
sind, wenn ich sie leicht miteinander verwechseln kann.
            Ich kann auch wirklich nach der Aussage über die Gestalt eines Körpers eine Hohlform konstruieren, in die nun der Körper passt, oder nicht passt, je nachdem die Beschreibung richtig oder falsch war, und die konstruierte Hohlform gehört dann in dieser Auffassung noch zur Sprache (die bis an die Wirklichkeit herankommt).


     
            Aber auch die Hohlform macht kein finsteres Gesicht, wenn der Körper nicht in sie passt.

     

600
            Wenn das Wort “Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit” gebraucht wird // werden darf//, dann nicht als metalogischer Ausdruck, sondern als Teil eines Kalküls, als Teil der gewöhnlichen Sprache. Man kann etwa sagen: Im Sprachspiel “Licht! — Finster!” kommt der Ausdruck “Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht vor.

     

600
            In dem Sprachspiel “Licht — Finster” kommt keine Frage vor. — Aber wir könnten es auch mit Fragen spielen.

     

empty
Behauptung, Frage,
Annahme, etc.













































     

601
            Man hat natürlich das Recht, ein Behauptungszeichen zu verwenden, wenn man es im Gegensatz etwa zu einem Fragezeichen gebraucht. Irreleitend ist es nur, wenn man meint, dass die Behauptung nun aus zwei Akten bestehe, dem Erwägen und dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder dergl.) und dass wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz ausführen, ungefähr wie wir nach Noten Klavier spielen.
            Mit dem Klavierspielen nach Noten ist nun allerdings das laute oder auch leise, Lesen nach dem geschriebenen oder gedruckten Satz zu vergleichen und ganz analog; aber nichts, was wir ‘denken’ nennen. Ist also z.B. ein Behauptungszeichen im geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behauptungs   zeichen   im gelesenen sein (etwa die Betonung, oder der Stimmfall). Aber nicht, als ob im geschriebenen Satz das die Zeichen, im gedachten aber die Bedeutung anwesend wäre. —


     
            Eine Sprache (ich meine eine Sprechart) ist denkbar, in der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen und die Bejahung und Verneinung.

     

598
            Behauptung, Annahme, Frage. Man kann auf dem Schachbrett einen Zug in einer Schachpartie machen, — aber auch während eines Gesprächs über ein Schachproblem zur Illustration, oder wenn man jemand das Spiel lehrt, — etc.. Man sagt dann auch etwa: “angenommen, ich zöge    so  , …”. So ein Zug hat Aehnlichkeit mit dem, was man in der Sprache ‘Annahme’ nennt. Ich sage ˇnun etwa “im Nebenzimmer ist ein Dieb”, — der Andre fragt mich “woher weisst Du das?” und ich antworte: “ic “oh ich wollte nicht sagen, dass wirklich ein Dieb im Nebenzimmer ist, ich habe es nur in Erwägung gezogen”. — Möchte man da nicht fragen:    Was   hast Du erwogen? wie Du Dich benehmen würdest, wenn ein Dieb da wäre, oder, was für ein Geräusch es machen würde, oder, was er Dir wohl stehlen würde?
            Freges Anschauung könnte man so wiedergeben: dass die Annahme (so wie er das Wort gebraucht) das ist, was die Behauptung, dass p der Fall ist, mit der Frage, ob p der Fall ist, gemeinsam hat. Oder auch, dass die Annahme dasselbe ist wie die Frage. Man könnte auch eine Behauptung immer als eine Frage mit einer Bejahung darstellen. Statt “Es regnet”: “Regnet es? Ja!”

     

600
            Wenn es so etwas gäbe, wie eine Annahme im Sinne Freges, müsste dann nicht die Annahme, dass p der Fall ist gleich der sein, dass non-p der Fall ist?


     
            In dem Sinn, in welchem die Frage “ist p der Fall?” die gleiche ist wie “ist p nicht der Fall?”.

     

599
            Es gibt wirkliche Annahmen, die wir eben durch Sätze von der Form “angenommen p wäre (oder: ist) der Fall” ausdrücken. Aber solche Sätze nennen wir nicht vollständig und sie scheinen sehr ähnlich den Sätzen der Form // erinnern uns an Sätze der Form// “wenn p der Fall ist, …”.

     

599
            Ist nun aber eine solche Annahme    ein Teil   einer Behauptung? Ist das nicht, als sagte man, die Frage, ob p der Fall ist, sei ein Teil der Behauptung, dass p der Fall ist?

     

599

             Ist es aber nicht auffällig, dass wir es in unsern gewöhnlich philosophisch-grammatischen Problemen nie damit zu tun haben, ob sie sich auf Behauptungen oder Fragen beziehen? (Etwa in dem Problem vom Idealismus und Realismus.)

     

599
            Und welcher Art ist ein Satz, wenn sich Einer eine mögliche Situation, etwa ihrer Seltsamkeit wegen, notiert? Oder: die Erzählung eines Witzes?

     


            Sprachspiel: eine Geschichte erfinden. Oder: eine Geschichte erfinden und zeichnen. — Etc..





     

            Wir könnten uns auch eine Sprache denken, die nur aus Befehlen besteht. So eine Sprache verhält sich zu der unseren, wie eine primitive Arithmetik zu unserer<…>. Und wie jene Arithmetik nicht wesentlich unvollständig ist, so ist es auch die primitivere Form der Sprache nicht.



















     

Gedanke
Denken























     

empty
Wie denkt man den Satz ‘p’,
wie erwartetˇ (, glaubt, wünscht) man, daß p der Fall
sein wird? Mechanismus des
Denkens.


















































     

empty
„Was ist ein Gedanke, welcher Art muß
er sein, um seine Funktion erfüllen
zu können?”
            Hier will man sein Wesen aus seinem
Zweck, seiner Funktion erklären.







































     

68
            Wir sind nicht im Bereiche der Erklärungen und jede Erklärung klingt <…> ? uns trivial.


     
            Aber dieser Verzicht auf die Erklärung macht es so schwer zu fassen sagen, was der Gedanke eigentlich leistet uns eigentlich bedeutet.


     
            Man kann ˇetwa sagen: Er rechnet auf Grund von Gegebenem und endet in einer Handlung.





     

empty

             Ist die Vorstellung das Portrait
par excellence, also grundverschie-
den, ˇetwa, von einem gemalten Bild & durch
ein solches oder etwas ähnliches nicht
ersetzbar? Ist sie das, was eigentlich
eine bestimmte Wirklichkeit darstellt,
<> zugleich Bild & Meinung)?

































     

9
            Sokrates zu Theaitetos: “Und wer vorstellt, sollte nicht etwas vorstellen?” Th.: “Notwendig”. Sok.: “Und wer etwas vorstellt, nichts

16
Wirkliches?” Th.: “So scheint es”.

     

311

            “Ist die Vorstellung nur die Vorstellung, oder ist sie Vorstellung von Etwas in der Wirklichkeit?”
            Und von dieser Frage ˇaus könnte man // Und von dieser Frage aus könnte man…// auch die Beziehung der Vorstellung zum gemalten Bild erfassen.


     
            Die Frage könnte aber nicht heissen: “Ist die Vorstellung immer Vorstellung von etwas, in der was in der Wirklichkeit existiert?” — denn das ist sie offenbar nicht immer —; sondern, es müsste heissen: bezieht sich die Vorstellung immer, wahr oder falsch, auf Wirklichkeit. — Denn das kann man von einem gemalten Bild nicht sagen. — Aber worin besteht dieses ‘sich auf die Wirklichkeit beziehen?’ Es ist doch wohl die Beziehung des Porträts zu seinem Gegenstand.


     
            Aber warum sollte man dann nicht sagen, dass eine Vorstellung Vorstellung eines Traumes sei?

     

50
            Wenn mir heute geträumt hat, dass N mich besuche, und N besucht mich ˇnun wirklich, so war darum jene Traumphantasie? keine Erwartung, und die Tatsache, dass N mich besuchte, keine Erfüllung der einer Erwartung.


     

empty

   Ist das Denken ein ˇspezifisch organischer
Vorgang? Ein spezifisch menschlich--psychischer Vorgang? Kann man ihn
in diesem Falle durch einen anorga-
nischen Vorgang ersetzen, der den
selben Zweck erfüllt, also sozusagen
durch eine Prothese?


































     

empty
Ort des Denkens















































     

161
            “Das Denken geht im Kopf vor sich” heisst eigentlich nichts anderes, als, unser Kopf hat etwas mit dem Denken zu tun. Man sagt freilich auch: “ich denke mit der Feder auf dem Papier” und diese Ortsangabe ist mindestens so gut, wie die erste.





     

161
            Die Wendung “dass etwas in unserem Geist vor sich geht”, soll, glaube ich, andeuten, dass es im physikalischen Raum nichts lokalisierbar ist. Von Magenschmerzen sagt man nicht, dass sie in unserem Geist vor sich gehen, obwohl der physikalische Magen ja nicht der unmittelbare Ort der Schmerzen ist. in dem Sinn, in welchem er der Ort der Verdauung ist.

     

empty
Gedanke & Ausdruck des
Gedankens.









































     

37
             Meine Ansicht ist, dass [d|D]er Gedanke ˇist wesentlich das ist, was durch den Satz ausgedrückt ist, wobei ‘ausgedrückt’ nicht heisst ‘hervorgerufen’. Ein Schnupfen wird durch ein kaltes Bad hervorgerufen, aber nicht















     

139'
            Willkürlichkeit des sprachlichen Ausdrucks: Könnte man sagen: das Kind muss das Sprechen einer bestimmten Sprache zwar lernen, aber nicht das Denken, d.h. es würde von selber denken, auch ohne irgend eine Sprache zu lernen? ((ˇ[D.h. Willkürlichkeit, wie sie gewöhnlich aufgefasst wird.] ˇSozusagen: “auf den Gedanken kommt es an, nicht auf die Worte”.))
             Ich meine aber, wenn es denkt, so macht es sich eben Bilder und diese sind in einem gewissen Sinne willkürlich, insofern nämlich, als andere Bilder denselben Dienst geleistet hätten. Und andererseits ist ja die Sprache auch natürlich entstanden, d.h., es muss wohl einen ersten Menschen gegeben haben, der einen bestimmten Gedanken zum ersten Mal in gesprochenen Worten ausgedrückt hat. Und übrigens ist das Ganze gleichgültig, weil jedes Kind, das die Sprache lernt, sie nur in dieser Weise lernt, dass es anfängt in ihr zu denken. Plötzlich anfängt; ich meine: Es gibt kein Vorstadium, in welchem das Kind die Sprache zwar schon gebraucht, sozusagen zur Verständigung gebraucht, aber noch nicht in ihr denkt.

     

109

             [zu „der Sinn keine Seele“] ? Ist es quasi eine Verunreinigung des Sinnes, dass wir ihn in einer bestimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken und nicht gleichsam körperlos und rein?? ∫ Nein, denn es ist wesentlich, dass ich die Idee der Uebersetzung von einer Sprache in die andere verstehe.


     
            Da der Sinn eines Satzes ganz in der Sprache fixiert ist, und es auf den Sinn ankommt, so ist jede Sprache gleich gut. Der Sinn aber ist das, was Sätze, die in einander übersetzbar sind, gemein haben. Sätze kön-

     

empty

            Was ist der Gedanke? Was ist sein
Wesen?
            “Der Gedanke, dieses seltsame Wesen.”










































     
            Der Gedanke hat aber nur eine Aussenseite und kein Innen. Und ihn analysieren heisst nicht in ihn dringen.


     

empty
Zweck des Denkens.

Grund des Denkens.















































     

735
            Der Glaube, dass mich das Feuer brennen wird, ist von der Natur der Furcht, dass es mich brennen wird.


     
            Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht gutwillig gehn; und ebenso würde ich schreien: “das Feuer wird mich brennen!” und ich würde nicht schreien: “vielleicht wird es ganz angenehm sein!”


     
            Ich kalkuliere    so  , weil ich nicht anders kalkulieren kann. (Ich glaube    das  , weil ich nicht anders glauben kann.)



     

567
            Es lässt sich kein rationaler Grund angeben, weshalb wir denken müssen sollten, [müssten].

     

579
            Ich nehme an, dass dieses Haus nicht in einer halben Stunde zusammenstürzen wird. Wann nehme ich das an? Die ganze Zeit? und was ist dieses Annehmen für eine Tätigkeit? Heisst, das annehmen, nicht (wieder) zweierlei? Einmal bezeichnet es eine hypothetische psychologische Disposition; einmal den Akt des Denkens, Ausdrückens, jenes Satzes // des Satzes “das Haus wird nicht einstürzen”//. Im ersten Sinne ist das Kriterium dafür, dass ich jene Annahme mache // das annehme// das, was ich sonst sage, fühle und tue; im andern Sinn, dass ich einen Satz sage, der wieder ein Glied einer Rechnung // Kalkulation// ist. Nun sagt man: Du musst aber doch einen Grund haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt und wertlos (erinnere Dich daran, dass wir zwar auf der Erde stehen, die Erde aber nicht wieder auf irgend etwas; und Kinder glauben, sie müsse fallen, wenn sie nicht gestützt ist). Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme. Sie lauten etwa: dass das Haus schon jahrelang gestanden hat, aber nicht so lang, dass es schon baufällig sein könnte, etc.etc..    Was   ein Grund    wofür   ist (Was als Grund wofür gilt), kann von vornherein angegeben werden und beschreibt // bestimmt// einen Kalkül, in welchem // dem// eben das eine ein Grund des andern ist. Soll aber nun ein Grund für diesen ganzen Kalkül gegeben werden, so sehen wir, dass er fehlt. Fragt man aber, ob der Kalkül also eine willkürliche Annahme ist, so ist die Antwort, dass er so wenig ist, wie die Furcht vor dem Feuer oder einem wütenden Menschen, der sich uns nähert.
            Wenn man nun sagt: gewiss sind doch die Regeln der Grammatik,

580
nach denen wir vorgehen und operieren, nicht willkürlich; so müsste man zur Antwort fragen: Gut also, warum denkt denn ein Mensch wie er denkt? warum geht er denn durch diese Denkhandlungen? (gefragt ist hier natürlich nach den    Gründen  , nicht Ursachen). Nun, da lassen sich Gründe in dem Kalkül angeben; und ganz zum Schluss ist man dann versucht zu sagen: “es ist eben sehr wahrscheinlich, dass sich das Ding jetzt so verhalten wird, wie es sich immer verhalten hat” //…dass das Ding jetzt das gleiche Verhalten zeigen wird, das es immer gezeigt hat”//, — oder dergleichen. Eine Redensart, die den Anfang des Raisonnements verhüllt und hier // an diesem Anfang// eine ähnliche Rolle spielt, wie der Schöpfer am Beginn // Anfang// der Welt, der // welcher// zwar in Wirklichkeit nichts erklärt, aber ein einen den Menschen acceptabler acceptablen Anfang ist. macht.
            Das, was so schwer einzusehen ist, ist, dass,    solange   wir ein Wahr-Falsch-Spiel spielen // dass,    solange   wir im Bereich der Wahr-Falsch-Spiele bleiben //, eine Aenderung der Grammatik uns nur von einem solchen ˇSpiel zu einem andern führen kann, aber nicht von etwas Wahrem zu etwas Falschem. Und wenn wir anderseits aus dem Bereich dieser Spiele heraustreten, so nennen wir es eben nicht mehr Grammatik, und zu einem Widerspruch mit der Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.


     
            Denken wir uns die Tätigkeit in einem Haus, in einer Werkstätte. Da wird gehobelt, gesägt, gestrichen, etc.etc.; und ausserdem gibt es da eine Tätigkeit, die man ‘rRechnen’ nennt, und die sich scheinbar von allen den andern unterscheidet // von allen diesen unterscheidet//, besonders, was den // ihren// Grund anbelangt. Wir machen da etwa ein Bild, die Tätigkeit des Rechnens (Zeichnens, etc.) verbindet Teile der andern Tätigkeit. Er setzt aus, rechnet etwas, dann misst er und arbeitet mit dem Hobel weiter. Er setzt auch manchmal aus, um das Hobelmesser zu schleifen; aber ist

581
diese Tätigkeit analog der andern des Kalkulierens? — “Aber Du glaubst doch auch, dass mehr Kessel explodieren würden // mehr Kesselexplosionen wären //, wenn die Kessel nicht berechnet würden”. “Ja, ich glaube es; — aber was will das sagen?” Folgt daraus, dass weniger    sein   werden? Und was ist denn die Grundlage dieses Glaubens?
            Wenn man nun nach dem Grund einer einzelnen Denkhandlung (Kalkülhandlung) fragt, so erhält man als Antwort die Auseinandersetzung eines Systems dem die Handlung angehört.

     


Grammatik

     


empty
Die Grammatik ist keiner Wirklich-
keit verantwortlich, Rechenschaft
schuldig.

Die gramm. Regeln bestimmen erst
die Bedeutung (konstituieren sie)
& sind darum keiner Bedeutung
verantwortlich & insofern willkür-
lich.






































     

581
            Wenn man fragt “warum gibst Du Eier in diesen Teig”, so ist die Antwort etwa “weil der Kuchen dann besser schmeckt”. Also, man hört // erfährt// eine Wirkung und sie wird als Grund gegeben.
            Wenn ich dem Holzblock eine bestimmte Form geben will, so ist der Hieb der richtige, der diese Form erzeugt. — Ich nenne aber nicht das Argument das richtige, das die erwünschten Folgen hat. Vielmehr nenne ich die Rechnung falsch, obwohl // auch wenn// die Handlungen, die dem Resultat entspringen, zum gewünschten Ende geführt haben. (“Ich mach' den Haupttreffer, und er will mich belehren!”) Das zeigt, dass die Rechtfertigungen in den beiden Fällen verschiedene sind, und also “Rechtfertigung” verschiedenes in beiden bedeutet. In einem Fall kann man sagen: “Wart' nur, Du wirst schon sehen, dass das Richtige (d.h. hier: Gewünschte) herauskommt”; im andern ist dies keine Rechtfertigung.
            Wenn man nun von der Willkürlichkeit der grammatischen Regeln spricht, so kann das nur bedeuten, dass es die Rechtfertigung, die    in   der Grammatik als solche gilt, nicht    für   die Grammatik gilt. Und wenn

582
man das Rechnen und // aber// nicht das Kochen dem Spiel vergleicht, ?—so ist es eben aus aus eben diesem Grunde—?. Das ist aber auch der Grund, warum man das Kochen keinen Kalkül nennen würde. Wie ist es aber mit dem Aufräumen eines Zimmers, oder dem Ordnen eines Bücherschrankes, — oder dem Stricken eines bestimmten Musters? Diese Dinge kommen dem Spiel in irgendeiner Weise nä-
her. Ich glaube, der Grund, warum man das Kochen kein Spiel zu nennen versucht ist, ist der: es gibt natürlich auch für das Kochen Regeln, aber “Kochen” bezeichnet nicht wesentlich eine Tätigkeit nach diesen Regeln, sondern eine Tätigkeit, die ein bestimmtes Resultat hat. Es ist z.B. ˇetwa eine Regel, dass man Eier 3 Minuten lang kocht, um weiche Eier zu erhalten; wird aber durch irgend welche Umstände das gleiche Ergebnis durch 5 Minuten langes Kochen erreicht, so sagt man nun nicht “das heisst dann nicht ‘weiche Eier kochen’”. Dagegen heisst “Schachspielen” nicht die Tätigkeit, die ein bestimmtes Ergebnis hat, sondern dieses Wort bedeutet eine Tätigkeit, die nach gewissen Regeln ausgeführt wird. Die Regeln der Kochkunst hängen mit der Grammatik des Wortes “kochen” anders zusammen, als die Regeln des Schachspiels mit der Grammatik des Wortes “Schach spielen” und als die Regeln des Multiplizierens mit der Grammatik des Wortes “multiplizieren”.
            Die Regeln der Grammatik sind so (d.h. in demselben Sinne) willkürlich, & in demselben Sinne nicht willkürlich wie die Wahl einer Masseinheit. Aber das kann doch nur heissen, dass sie von der Länge des Zzumessenden unabhängig ist. Und dass nicht die Wahl der einen Einheit ‘wahr’, der andern ‘falsch’ ist, wie die Angabe der Länge wahr oder falsch ist. Was natürlich nur eine Bemerkung über die Grammatik des Wortes “Längeneinheit” ist.
            Man ist versucht, die Regeln der Grammatik durch Sätze zu rechtfertigen von der Art: “Aber es gibt doch wirklich 4 primäre Farben”; und gegen die Möglichkeit dieser Rechtfertigung, die nach dem Modell der Rechtfertigung eines Satzes durch (den?) Hinweis auf seine Verifikation gebaut ist, richtet sich das Wort, dass die Regeln der Grammatik willkürlich sind.

583
            Kann man aber nicht doch in irgend einem Sinne sagen, dass die Grammatik der Farbwörter die Welt, wie sie tatsächlich ist, charakterisiert? Man möchte sagen: kann ich nicht wirklich vergebens einer nach einer fünften primären Farbe suchen? (Und wenn man suchen kann, dann ist ein Finden denkbar.) Nimmt man nicht die primären Farben zusammen, weil sie eine Aehnlichkeit haben, oder zum mindesten die Farben, im Gegensatz z.B. von // zu den// Formen oder Tönen, weil sie eine Aehnlichkeit haben? Oder habe ich, wenn ich diese Einteilung der Welt als die richtige hinstelle, schon eine vorgefasste Idee als Paradigma im Kopf? Von der ich dann etwa nur sagen kann: “ja, das ist die Weise // Art//, wie wir die Dinge betrachten”, oder “wir wollen eben ein solches Bild (von der Wirklichkeit) machen”. Wenn ich nämlich sage: “die primären Farben haben doch eine bestimmte Aehnlichkeit miteinander” — woher nehme ich den Begriff dieser Aehnlichkeit? D.h.: habe ich hier eine Funktion “x ähnlich mit y”, in die ich die Farben als Argumente einsetzen kann? Ist nicht so, wie der Begriff “primäre Farbe” nichts andres ist, als “blau oder rot oder grün oder gelb”, — auch der Begriff jener Aehnlichkeit nur durch die vier Farben gegeben? Ja, sind sie nicht die gleichen! — “Ja, könnte man denn auch rot, grün und kreisförmig zusammenfassen?” — Warum nicht?!
            Die Wichtigkeit in einem Spiel liegt darin, dass wir dieses Spiel spielen. Dass wir    diese   Handlungen ausführen. Es verliert seine Wichtigkeit nicht dadurch, dass es selbst nicht wieder eine Handlung in einem andern (übergeordneten) Spiel ist.
             Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen? Weil das ‘Kochen’ durch seinen Zweck definiert ist, dagegen der Gebrauch der Sprache nicht. Darum ist der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in dem das Kochen und Waschen es nicht ist. Denn, wer sich beim Kochen nach andern als den richtigen Regeln richtet, kocht schlecht; aber wer sich nach andern Regeln als denen des Schach richtet, spielt    ein anderes Spiel   und wer sich nach andern grammatischen Regeln richtet, als den

584
und den, spricht darum nichts Falsches, sondern etwas von etwas Anderem.



     

578
            Wer etwas dagegen hat, dass man sagt, die Regeln der Grammatik seien Spielregeln, hat in dem Sinne Recht, dass das, was das Spiel zum Spiel macht die Konkurrenz von Spielern, der Zweck der Unterhaltung und Erholung, in der Grammatik abwesend ist, etc.. Aber niemand wird leugnen, dass das Studium des Wesens der Spielregeln für das Studium der grammatischen Regeln nützlich sein muss, da    irgend   eine Aehnlichkeit zweifellos besteht. Es ist überhaupt besser, ohne ein gefasstes Urteil oder Vorurteil über die Analogie zwischen Grammatik und Spiel, und nur getrieben von dem sicheren Instinkt, dass hier eine Verwandtschaft vorliegt, die Spielregeln zu betrachten. Und hier wieder soll man einfach berichten, was man sieht und nicht fürchten, dass man damit eine wichtige Anschauung untergräbt, oder auch, seine Zeit mit etwas Ueberflüssigem verliert.
            Man sieht dann vor allem, wie der Begriff des Spiels und damit der Spielregel ein an den Rändern verschwimmender ist.
            Ferner sieht man etwa Folgendes, wenn man die Regeln z.B. des Schachspiels betrachtet: Es gibt hier Sätze, die die Züge der einzelnen Figuren beschreiben; allgemeiner ausgedrückt, Regeln über Spielhandlungen. Dann aber gibt es doch die Sätze, die die Grundstellung beschreiben und solche, die das Schachbrett beschreiben.

     

empty
Regel & Erfahrungssatz



     

empty
            Sagt eine Regel, daß Wörter tatsächlich
so & so gebraucht werden?

     




















569
             Regel und Erfahrungssatz. Ist eine Regel ein Erfahrungssatz — etwa über den Gebrauch der Sprache? Ist eine Regel des Schachspiels ein Satz darüber, wie die Menschen seit dem Ereignis der Erfindung des Schachspiels es gespielt haben; d.h. etwa mit so geformten Figuren gezogen haben? Denn, wenn davon die Rede ist, dass die Menschen das Schachspiel so gespielt haben, so muss das Schachspiel so definiert sein, dass es Sinn hat, davon auszusagen, es sei anders gespielt worden. Sonst nämlich gehören die Regeln zur Definition des Schachspiels. Dass jemand der Regel … gemäss spielt, das ist eine Erfahrungstatsache; oder: “A spielt der Regel … gemäss”, “die meisten Menschen spielen der Regel … gemäss”, “niemand spielt der Regel … gemäss” sind Erfahrungssätze. Die Regel ist kein Erfahrungssatz, sondern nur der Teil eines solchen Satzes.
            Die Regel ist die Festsetzung der Masseinheit // Die Regel setzt die Masseinheit fest //, und der Erfahrungssatz sagt, wie lang ein Gegenstand ist. (Und hier sieht man, wie logische Gleichnisse funktionieren, denn die Festsetzung der Masseinheit ist wirklich eine grammatische Regel und die Angabe einer Länge in dieser Masseinheit ein Satz, der von der Regel Gebrauch macht.)



     

570
            Ferner muß sich die Regel auf die Anwendung in der Beschreibung (der Wirklichkeit) beziehen. Denn, was hat es für einen Sinn von einem Stab zu sagen “das ist das Urmeter”, wenn sich diese Aussage nicht auf Messungen mit dem Metermass bezieht. Insofern könnten wir uns die Regel jedem Satz beigefügt denken.
            Die Regel ist eine Art vorgezeichneter Route; ein vorgezeichneter Weg.



     

572
            Die Regel “links gehen!” oder einfach ein Pfeil. Wie, wenn ich mir in meinem Zimmer einen Pfeil an die Wand malte — wäre der auch der Ausdruck eines Gesetzes, wie es der Pfeil auf einem Bahnhof wohl sein könnte? Um ihn zu einem Gesetz zu machen, gehört doch // wohl// noch der übrige Apparat, dessen ?—einer Teil der Pfeil nur ist—?.
            (Sraffa) Ein Ingenieur baut eine Brücke; er schlägt dazu in mehreren Handbüchern nach; in technischen Handbüchern und in juridischen. Aus dem einen erfährt er, dass die Brücke zusammenbrechen würde, wenn er diesen Pfeil Teil schwächer machen würde als etc.etc.; aus den andern, dass er eingesperrt würde, wenn er sie so und so bauen wollte // würde//. — Stehn nun die beiden Bücher nicht auf gleicher Stufe? — Das kommt drauf an, was für eine Rolle sie in seinem Leben spielen. Das juridische Handbuch kann ja für ihn einfach ein Buch über die Naturgeschichte der ihn umgebenden Menschen sein. Vielleicht muss er auch ein Buch über das Leben der Biber nach schlagen, um zu erfahren, wie er die Brücke streichen muss, dass die Biber sie nicht annagen. — Gibt es aber nicht noch eine andere Weise, die Gesetze zu betrachten? Fühlen wir nicht sogar deutlich, dass wir sie nicht so betrachten? — Ist dies nicht die gleiche Frage, wie: — Ist ein Vertrag nur die Feststellung, dass es für die Parteien nützlich ist, so und so zu handeln? Fühlen wir uns nicht in manchen Fällen (wenn auch nicht in allen) auf andre

573
Weise “durch den Vertrag Regel? gebunden”? Kann man nun sagen: “Wer sich durch einen Vertrag oder ein Gesetz gebunden fühlt, stellt sich irrtümlicherweise das Gesetz als einen Menschen (oder Gott) vor, der ihn mit physischer Gewalt zwingt”? — Nein; denn, wenn er handelt, als ob ihn jemand zwänge, so ist doch seine Handlung jedenfalls Wirklichkeit und auch die Vorstellungsbilder, die er etwa dabei hat, sind nicht Irrtümer; und er braucht sich in nichts irren und kann doch handeln wie er handelt und sich auch vorstellen, was er sich etwa vorstellt. Die Worte “der Vertrag bindet mich” sind zwar eine bildliche Darstellung und daher mit der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes “binden” ein falscher Satz: aber, richtig aufgefasst, sind sie wahr (oder können es sein) und unterscheiden einen Fall von dem, in welchem der Vertrag mir bloss sagt, was zu tun mir nützlich ist. Und wenn man etwas gegen die Worte einwendet “der Vertrag (oder das Gesetz) bindet mich”, so kann man nichts sagen gegen die Worte: “ich    fühle   mich durch den Vertrag gebunden”.


     

575
            Die Beschreibung einer neuen, etwa übersichtlicheren, Notation (denn auf die Uebersichtlichkeit kommt es    uns   an) ist dann von der gleichen Art, wie die Beschreibung einer jener Sprachen, die die Kinder erfinden, oder von einander lernen, worin z.B. jeder Vokal der gewöhnlichen Sprache // Wörter// verdoppelt und zwischen die Teile der Verdoppelung ein b gestellt wird. Hier sind wir ganz nah an's Spiel herangekommen. So eine Beschreibung oder ein Regelverzeichnis kann man als Definiens

576
des Namens der Sprache oder des Spiels auffassen. Denken wir auch an die Beschreibung des Zeichnens, Konstruierens, irgend einer Figur, etwa eines Sternes (welches auch in Spielen eine Rolle spielt). Sie lautet etwa so: “Man zieht eine Gerade von einem Punkt A nach einem Punkt B, etc.etc.”. Diese Beschreibung könnte ich offenbar auch // einfach// durch eine Vorlage, d.h. Zeichnung, ersetzen.
            Das, was hier irrezuführen scheint, ist ein Doppelsinn des Wortes “Beschreibung”, wenn man einmal von der Beschreibung eines wirklichen Hauses oder Baumes etc. spricht, ein andermal // einmal// von der Beschreibung einer Gestalt, Konstruktion, etc., einer Notation, eines Spiels. Worunter aber eben nicht ein Satz gemeint ist der sagt, dass ein solches Spiel irgendwo wirklich gespielt, oder eine solche Notation wirklich verwendet wird; vielmehr steht die Beschreibung statt der hier gebrauchten Wörter “ein solches Spiel” und “eine solche Notation”.
            Die Beschreibung einer Notation fängt (man?) charakteristisch(erweise) oft mit den Worten an: “Wir    können   auch so schreiben: …”. Man könnte fragen: “was ist das für eine Mitteilung, ‘wir können … ” etc.. Man schreibt auch etwa: “übersichtlicher wird unsere Darstellung, wenn wir statt … schreiben: …; und die Regeln geben …”; und hier stehen die Regeln in einem Satz.


     
            Denken wir uns etwa ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kaˇmpfstellung darstellend. Dieses Bild kann nun dazu gebraucht werden um jemandem mitzuteilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort und dort gestanden hat ist; etc.etc.. Man könnte dieses Bild ein Satzradikal nennen.


     
            ‘Regel’ ist in demselben Sinne ein Begriff mit ver-

577
schwommen Rändern, wie ‘Blatt’ oder ‘Stiel’ oder ‘Tisch’, etc..


     
            Wenn man eine Notation beschreibt, sagt man etwa: “ich will // werde// in diesem Buch statt ‘p oder q’ ‘p ⌵ q’ schreiben”, und das ist natürlich ein kompletter Satz. Das aber, was ich ‘Regel’ nennen will, und etwa “p oder q . = . p ⌵ q” geschrieben wird, ist keiner. — Was ich ‘Regel’ nenne, soll nichts von einer bestimmten (oder auch unbestimmten) Zeit oder einem Ort der Anwendung enthalten, sich auf keine bestimmten (oder unbestimmten) Personen beziehen; sondern nur Instrument der Darstellung sein.
            Wir sagen nun: “wir gebrauchen die Wörter ‘rot’ und ‘grün’ in solcher Weise, dass es als sinnlos gilt (kontradiktorisch ist) zu sagen, am selben Ort sei zu gleicher Zeit rot und grün”. Und dies ist natürlich ein Satz. Erfahrungssatz über unsere tatsächliche Sprache.


     

empty

            Die strikten grammatischen
Spielregeln & der schwankende
Sprachgebrauch.
Die Logik normativ.
Inwiefern reden wir von idealen Fällen,
einer idealen Sprache. („Logik des luftlee-
ren Raums”.)











































     

489
            Wenn man sagt “N. existiert nicht”, so kann das verschiedenerlei bedeu-
ten. Es kann heissen, dass ein Mann, der, als er lebte, diesen Namen trug, nicht, oder nicht zu einer gewissen Zeit, in einem gewissen Land existiert hat; aber auch, dass spätere Geschichtsschreiber den Charakter, den wir so (etwa “Moses”) nennen, erfunden haben, dass die und die Ereignisse nie stattgefunden haben und ihr Held also nie gelebt hat. D.h. also: kein Mensch hat Moses geheissen und diese Taten vollbracht; oder: das Ding, das Dir als Herr N vorgestellt wurde, war eine Puppe; etc.. Denken wir uns, es sagte uns Einer, er habe Moses auf der Strasse gesehen. Wir würden ihn dann fragen: “wie meinst Du das: Du hast ihn gesehen? Wie wusstest Du denn, dass er es war?” und nun könnte der Andre sagen: “er hat es mir gesagt”, oder “er sah so aus, wie ich mir Moses vorstelle”, oder “er hatte diese und diese Merkmale”, etc.. Ich will doch wohl das sagen, was Russell dadurch aus-
drückt, dass der Name Moses durch verschiedene Beschreibungen definiert sein kann (“der Mann, welcher ‘Moses’ hiess und zu dieser Zeit an diesem Ort lebte”, oder “der Mann — wie immer er damals genannt wurde — welcher die Israeliten durch die Wüste führte”, oder “der Mann, der als kleines Kind von der Königstochter aus dem Nil gefischt wurde”, etc.etc.). Und je nachdem wir die eine oder andere Definition annehmen, bekommt der

490
Satz “Mo-
ses hat existiert” einen andern Sinn und ebenso jeder andere Satz, der von Moses handelt. Man würde könnte auch <…> immer, wenn uns jemand sagte “N existiert nicht” fragen: “was meinst Du? willst Du sagen, dass …, oder dass … etc.?” — Wenn ich nun sage: “N ist gestorben” so hat es mit “N” gewöhnlich    etwa   folgende Bewandtnis: Ich glaube, dass ein Mensch N ge-
lebt hat: den ich 1.) dort und dort gesehen habe, der 2.) so und so aus-
schaut, 3.) das und das getan hat und 4.) in der bürgerlichen Welt den Na-
men “N” führt. Gefragt, was ich unter “N” verstehe, würde ich alle diese Dinge, oder einige von ihnen, und bei verschiedenen Gelegenheiten verschie-
dene, aufzählen. Meine Definition von “N” wäre also: der Mann, von dem alles das stimmt. Wenn aber nun einiges davon sich als falsch erwiese, — wä-
re der Satz “N ist gestorben” nun als falsch anzusehen? auch, wenn nur et-
was vielleicht ganz Nebensächliches, was ich von dem Menschen glaubte, nicht stimmen würde; — und wo fängt das Hauptsächliche an? Das kommt nun darauf hinaus, dass wir den Namen “N” in gewissem Sinne ohne feste Bedeutung ge-
brauchen, oder: dass wir bereit sind, die Spielregeln nach Bedarf zu ver-
ändern (make the rules as we go allong). Das erinnert an das, was ich frü-
her einmal über die Benützung der Begriffswörter, z.B. des Wortes “Blatt”, oder “Pflanze”, geschrieben habe. — Und hier erinnere ich mich daran, dass Ramsey einmal betont hat, die Logik sei eine “normative Wissenschaft”. Wenn man damit meint, sie stelle ein Ideal auf, dem sich die Wirklichkeit nur nähere, so muss gesagt werden, dass dann dieses “Ideal” uns nur als ein Instrument der annähernden Beschreibung der Wirklichkeit interessiert. Es ist allerdings möglich, einen Kalkül genau zu beschreiben und zwar zu dem Zweck, um dadurch eine Gruppe anderer Kalküle beiläufig zu charakterisieren. Wollte z.B. jemand wissen, was ein Brettspiel ist, so könnte ich ihm zur Erklärung das Damespiel genau beschreiben und dann sagen: siehst Du, so ungefähr funktioniert jedes Brettspiel. — War es nun nicht ein Fehler von mir (denn so scheint es mir jetzt) anzunehmen, dass der, der die Sprache gebraucht,

491
immer    ein bestimmtes Spiel   spiele? Denn, war das nicht der Sinn meiner Bemerkung, dass alles an ei-
nem Satz — wie beiläufig immer er ausgedrückt sein mag — ‘in Ordnung ist’? Aber wollte ich nicht sagen: alles müsse in Ordnung sein, wenn Einer ei-
nen Satz sage und ihn anwende? Aber daran ist doch weder etwas in Ordnung noch in Unordnung, — in Ordnung wäre es, wenn man sagen könnte: auch die-
ser Mann spielt ein Spiel nach einem bestimmten, festen Regelverzeichnis. Und setzt das nicht wieder voraus, dass dieses

     

491

            Denn ich habe zur Feststellung der Regel, nach der er handelt, zwei We-
ge angeben. Der eine, der hypothetische, bestand in der Beobachtung seiner Handlungen und die Regel war dann von der Art eines naturwissenschaftlichen Satzes. Der andere war, den Andern ihn zu fragen, nach welcher Regel er vorgehe. Wie aber, wenn der erste Weg ?—kein klares Resultat ergibt—? und die Frage keine Regel zu Tage fördert, wie es im Fall “N ist gestorben” geschieht. Denn, wenn wir den, der das sagte der dass sagte, fragen “was ist N?” so wird er zwar ‘N’ durch eine Beschreibung erklären, wird aber bereit sein, diese Beschreibung zu widerrufen und abzuändern, wenn wir ihm den einen oder andern Satz wider-
legen
// entziehen//. Wie soll ich also die Regel bestimmen // auffassen//, nach der er spielt? er weiss sie selbst nicht. Ich könnte eine Regel nur nach dem bestimmen, was er auf die Frage “wer ist N” in diesem Fall gerade antwortet.

     

492

            Steckt uns da nicht die Analogie der Sprache mit dem Spiel ein Licht auf? Wir können uns doch sehr wohl denken, dass sich Menschen auf einer Wiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen; und zwar so, dass sie verschiedene bestehende Spiele der Reihe nach anfingen, nicht zu Ende spielten und etwa dazwischen sogar planlos den Ball würfen, auffingen, fal-
len liessen etc.. Nun sagte Einer: die ganze Zeit hindurch spielen die Leu-
te ein Ballspiel und richten sich daher bei jedem Wurf nach gewissen // be-
stimmten// Regeln. — Aber — wird man einwenden — der den Satz “N ist ge-
storben” gesagt hat, hat doch nicht planlos Worte aneinander gereiht (und darin besteht es ja, dass er ‘etwas mit seinen Worten gemeint hat’). — Aber man kann wohl sagen: er sagt den Satz planlos, was sich eben in der beschriebenen Unsicherheit zeigt. Freilich ist der Satz von irgendwo herge-
nommen und wenn man will, so spielt er nun auch ein Spiel mit sehr primiti-
ven Regeln; denn es bleibt ja wahr, dass ich auf die Frage “wer ist N”    eine Antwort   bekam, oder eine Reihe von Antworten, die nicht gänzlich regellos waren. — Wir können sagen: Untersuchen wir die Sprache auf ihre Regeln hin. Hat sie dort und da keine Regeln, so ist    das   das Resultat unsrer Untersuchung.))




     

559
            Denken wir uns Jemand, der die // alle// Formen

560
in diesem Zimmer beschreibt, indem er sie mit ebenflächigen geometrischen Formen vergleicht. Gibt es in diesem Zimmer nur solche Formen? Nein. — Muss der, der die Formen unter dem Gesichtspunkt der ebenflächigen Körper beschreibt, behaupten, es gäbe nur solche Formen im Zimmer? Auch nicht. Kann man sagen, dass das ein-
seitig ist, weil er alle Formen durchgängig nach diesem Schema auffasst? Und sollte es ihn in an dieser Auffassung irremachen, wenn er bemerkt, dass auch runde Körper vorhanden sind? Nein. Es wäre auch irreführend, den ebenflächigen Körper ein “Ideal” zu nennen, dem sich die Wirklichkeit nur mehr oder weniger nähert. Aber die Geometrie der ebenflächigen Körper könnte man mit Bezug auf diese Darstellungsweise // Darstellung// eine normative Wissenschaft nennen. (Eine, die das Darstellungsmittel darstellt; gleichsam eine, die die Messgläser eicht.)

     

594
            Ich habe ein Bild mit verschwommenen Farben und komplizierten Uebergän-
gen. Ich stelle ein einfaches mit klargeschiedenen Farben, aber mit dem er-
sten verwandtes, daneben. Ich sage nicht, dass das erste eigentlich das zweite andere sei; aber ich lade den Andern ein, das einfache anzuse-
hen, und verspreche mir davon, dass gewisse Beunruhigungen für ihn verschwinden werden.

     

510
            Behandle die deutlichen Fälle in der Philosophie, nicht die undeutlichen. Diese werden sich lösen, wenn jene gelöst sind.
            Die Tendenz mit der Untersuchung eines Satzes da anzufangen, wo seine Anwendung ganz nebelhaft und unsicher ist (der Satz der Identität ist ein gutes Beispiel), anstatt diese Fälle vorläufig beiseite zu lassen und den Satz dort anzugehen, wo wir mit gesundem Menschenverstand über ihn reden können, diese Tendenz ist für die aussichtslose Methode der meisten Menschen, die philosophieren, bezeichnend.

     

40
            Ich betrachte die Sprache und Grammatik unter dem Gesichtspunkt des Kalküls // unter der Form des Kalküls // als Kalkül    als   Kalkül//, d.h. des Operierens nach festgelegten Regeln. // d.h. als Vorgang nach festgesetzten Regeln.//


     

222
            Gibt es so etwas, wie eine komplette Grammatik, z.B., des Wortes ‘nicht’? [Fortsetzung]



     

72
            (So könnte Spengler besser verstanden werden, wenn er sagte: ich    vergleiche   verschiedene Kulturperioden dem Leben von Familien; innerhalb der Familie gibt es eine Familienähnlichkeit, während es auch zwischen den Mitgliedern verschiedener Familien eine Aehnlichkeit gibt; die Familienähnlichkeit unterscheidet sich von der andern Aehnlichkeit so und so etc.. Ich meine: das Vergleichsobjekt, der Gegenstand, von welchem diese Betrachtungsweise abgezogen ist, muss uns angegeben werden, damit nicht in die Diskussion immer Ungerechtigkeiten einfliessen. Denn da wird dann alles, was für das Urbild der Betrachtung stimmt, nolens volens auch von dem Objekt, worauf wir die Betrachtung anwenden, behauptet: und behauptet “es    müsse immer   …”
            Das kommt nun daher, dass man den Merkmalen des Urbilds einen Halt in der Betrachtung geben will. Da man aber Urbild und Objekt vermischt, dem Objekt dogmatisch beilegen muss, was nur das Urbild charakterisieren muss soll. Anderseits glaubt man, die Betrachtung ermangle ja der // habe nicht die// Allgemeinheit, die man ihr geben will, wenn sie nur für den einen Fall wirklich stimmt. Aber das Urbild soll ja eben als solches hingestellt werden; dass es die ganze Betrachtung charakterisiert, ihre Form bestimmt. Es steht also an der Spitze und ist dadurch, dass alles, was nur von ihm gilt, von allen Objekten der Betrachtung ausgesagt wird.



     

69'
            Nicht das ist wahr, dass, was ich sage // wir sagen//, nur für eine “ideale Sprache” gilt (oder Geltung hätte); wohl aber kann man sagen, dass wir eine ideale Sprache konstruieren, in die aber dann alles übersetzbar ist, was in den anderen in unidealen Sprachen gesagt werden kann.


     

512'
            (Es gibt keine Logik für den luftleeren Raum. Insofern es keine Hypothese in der Logik gibt.)

     


            
empty
Wortarten werden nur durch
ihre Grammatik unterschieden






















     






















26
            Es gibt nicht zwei Wortarten, die ich grammatisch (ganz) gleich be-
handeln kann, die aber doch zwei Wortarten sind. Sondern die Regeln, die von ihnen handeln, machen die Wortarten aus: dieselben Regeln, dieselbe Wortart. Das hängt damit zusammen, dass, wenn sich ein Zeichen ganz so benimmt wie ein anderes, die beiden dasselbe Zeichen sind.

     

25
die von diesen Figuren handeln. Genau



     

empty
Sage mir, was Du mit einem Satz
anfängst, wie Du ihn verifizierst, etc.,
& ich werde ihn verstehen.

























     

731
            Wie ein Satz verifiziert wird, das sagt er. Ver


     

732
            Eigentlich hat ja schon Russell durch seine “theorye of descriptions” gezeigt, dass man sich nicht eine Kenntnis der Dinge von hinten herum erschleichen kann, und dass es nur    scheinen   kann, als wüssten wir von den Dingen mehr, als sie uns auf geradem Weg geoffenbart haben. Aber er hat durch die Idee der “indirect knowledge” wieder alles verschleiert.

     

130'
            Aus derselben Quelle fließt nur    Eines  .

     

590
            Welche Sätze aus ihm folgen und aus welchen Sätzen er folgt, das macht seinen Sinn aus. Daher auch die Frage nach seiner Verifikation eine Frage nach seinem Sinn ist.

     
            Wende das auf einen Satz an, wie etwa “es wird niemals Menschen mit 2 Köpfen geben”. Dieser Satz scheint irgendwie ins Unendliche, Unverifizierbare zu reichen und sein Sinn von jeder Verifikation unabhängig zu sein. Aber wenn wir seinen Sinn erforschen wollen, so meldet sich ganz richtig die Frage: Können wir die Wahrheit eines solchen Satzes je wissen, und    wie   können wir sie wissen; und welche Gründe können wir haben, was der Satz sagt anzunehmen oder abzulehnen? Nun wird man vielleicht sagen: es ist ja nach dem Sinn gefragt worden; und nicht danach, ob und wie man ihn wissen kann. Aber die Antwort auf die Frage “wie kann man diesen Satz wissen?” ist nicht eine psychologische, sondern sie sagt, aus welchem andern Satz er folgt, gehört also zur Grammatik des erstern. Und die Gründe, die möglich sind den Satz anzunehmen, sind nicht persönliche Angelegenheiten, sondern Teile des Kalküls, zu dem der Satz gehört. Wenn ich frage: wie    kann   ich den Satz “jemand ist im Nebenzimmer” verifizieren, oder wie kann ich herausfinden, dass jemand im Nebenzimmer ist, so ist so etwa eine Antwort: “indem ich ins Nebenzimmer gehe und ihn sehe”. Wenn nun gefragt wird “wie    kann   ich ins Nebenzimmer kommen, wenn die Türe versperrt ist”, so ist dieses “kann” ein anderes, als das erste: Die erste Frage nach der Möglichkeit (der logischen) hatte eine Erklärung über den Satzkalkül zur Antwort, dass nämlich dieser Satz aus jenem folgt; die zweite Frage war

591
eine nach der physikalischen Möglichkeit und hatte einen Erfahrungssatz zur Antwort: dass man, etwa, die Mauer nicht durchbrechen könne, weil sie zu stark sei, dagegen die Tür mit einem Sperrhaken öffnen könne. Beide Fragen nun sind in gewissem Sinn, aber nicht im gleichen, Fragen nach der Möglichkeiten Verifikation. Und, indem man die erste Art mit der zweiten verwechselt, glaubt man, die Frage nach der Verifikation sei für den Sinn ohne Belang. Die Gründe für die Annahme eines Satzes sind nicht zu verwechseln mit den Ursachen der Annahme. Jene gehören zum Kalkül des Satzes.

     
            Die Ursachen, warum wir einen Satz glauben, wären bei der für die Frage, was es denn ist, was wir glauben, allerdings irrelevant, aber nicht so die Gründe, die ja mit dem Satz intern grammatisch verwandt sind und uns sagen, wer er ist.

     

591
            Und der Sinn des Satzes ist ja nicht etwas, was wir wie die Struktur der Materie erforschen und was vielleicht zum Teil unerforschlich ist. So dass wir später erst noch einmal daraufkommen könnten, dass dieser Satz von andern Wesen als wir sind, auf eine andere Art gewusst werden kann. So dass er    dieser   Satz mit    diesem   Sinn bliebe, dieser Sinn aber Eigenschaften hätte, die wir jetzt nicht ahnen. Der Satz, oder sein Sinn, ist nicht das pneumatische Wesen, was sein Eigenleben hat und nun Abenteuer besteht, von denen wir nichts zu wissen brauchen. Wir hätten ihm quasi Geist von unserm Geist eingehaucht — seinen Sinn — aber nun hat er sein Eigenleben — wie unser Kind — und wir können ihn (nur) erforschen und mehr oder weniger verstehen.

     
            Der Instinkt führt Einen richtig, der zur Frage führt: Wie kann man so etwas wissen; was für einen Grund können wir haben,

592
das anzunehmen; aus welchen Erfahrungen würden wir so einen Satz ableiten; etc..


     
            Der Sinn ist keine Seele des Satzes. Er muss, soweit wir an ihm interessiert sind, sich gänzlich ausmessen lassen, sich ganz in Zeichen offenbaren // erschliessen//.


     
            Wenn man nun fragt: hat es Sinn zu sagen “es wird    nie   das und das geben””?” — Nun, welche Evidenz gibt es dafür; und was folgt daraus? — Denn, wenn es keine Evidenz dafür gibt — nicht, dass wir noch nicht im Stande waren sie zu kriegen — sondern, dass // wenn// keine im Kalkül    vorge-
sehen
   wurde, — dann ist damit der Charakter dieses Satzes bestimmt. Wie das Wesen einer Zahlenart dadurch, dass kein Vergleich zwischen ihr und gewissen Rationalzahlen möglich ist.


     
592
            Uebrigens: Eine Zahl, die heute auf bewusste Weise mittels des Fermat'-
schen Satzes definiert ist, wird dadurch nicht geändert, dass der Beweis dieses Satzes, oder des Gegenteils, gefunden wird. Denn der Kalkül dieser Zahl weiss von dieser Lösung des Problems nichts (und wird auch dann nichts von ihr wissen).


     
592
            “Ich werde nie einen Menschen mit 2 Köpfen sehen”; man glaubt durch diesen Satz irgendwie in die Unendlichkeit zu reichen. Quasi, zum mindesten eine Eisenbahn dorthin gelegt zu haben, wenn wir auch noch nicht die ganze Strecke bereist haben.
            Es liegt da die Idee zu Grunde, dass z.B. das Wort “nie” die Unend-

593
lichkeit bereits // schon// mitbringe, da das eben seine Bedeutung ist.
            Es kommt darauf an: Was kann ich mit so einem Satz tun // anfangen//; denn, auf die Frage “was bedeutet er?” kommt ja wieder ein Satz zur Antwort, und der führt mich solange nicht weiter, als ich aus der Erklärung nichts über die Züge erfahre, die ich mit den Figuren machen darf. (Als ich, sozusagen, nur immer wieder die gleiche Konfiguration vor mir sehe und keine anderen, die ich aus ihr bilden kann.) So höre ich z.B., dass keine Erfahrung diesen Satz beweisen kann und das beruhigt mich über seine unendliche Bedeutung.

     

593
            Aus keiner Evidenz folgt, dass dieser Satz wahr ist. Ja, aber ich kann doch    glauben  , dass er wahr ist // dass das der Fall ist, was er sagt //! Aber was heisst das: “glauben, dass das der Fall ist”? Reicht etwa dieser Glaube in die Unendlichkeit; fliegt er der Verifikation voran? — Was heisst es, das glauben? Diesen Satz mit bestimmten Gefühlen sagen? ist es ein bestimmtes Benehmen? denn etwas andres kann es doch nicht sein. — Und dann interessiert es uns nur insofern, als es ein Kalkulieren mit dem Satz ist.


     

Intention
& Abbildung
.

     

empty

             Wenn ich mich abbildend nach
einer Vorlage richte, also weiß,
daß ich jetzt den Stift so bewege,
weil die Vorlage so verläuft, ist
hier eine mir unmittelbar bewußte
Kausalität im Spiel?

















     

















147'
            Wenn ich, den Regeln folgend, statt “” “a” schreibe, so ist es, als wäre hier eine Kausalität im Spiel, die nicht hypothetisch, sondern unmittelbar erlebt, wäre. (Natürlich ist nichts dergleichen der Fall.)

     

131'
            Wenn ich mich aber nun ärgere,    weil   jemand zur Türe hereinkommt, kann ich mich hier im Nexus irren, oder erlebe ich ihn wie den Aerger?




     

empty
Wenn wir „nach einer bestimmten
Regel abbilden”, ist diese Regel
in dem Vorgang des Kopierens (Abbil-
dens) enthalten, also aus ihm ein-
deutig abzulesen? Verkörpert der
Vorgang des Abbildens sozu-
sagen diese Regel?

































     

empty

             Wie rechtfertigt man das
Resultat der Abbildung mit
der allgemeinen Regel der Ab-
bildung?



















     



















211
kann, hat es keinen Sinn, das Wort “rechtfertigen” zu gebrauchen.


     
            Die Schwierigkeit ist offenbar, das nicht zu rechtfertigen versuchen, was keine Rechtfertigung verträgt // zulässt//.







     

215
   “daher”   ist.






     

228
            In gewissem Sinn bringt uns das nicht weiter. Aber es kann uns ja auch nicht    weiter  , d.h., zu einem Fundament // zu dem Metalogischen//, bringen.

     

empty
Der Vorgang der absichtlichen
Abbildung, der Abbildung mit
der Intention abzubilden ist
nicht wesentlich ein psychischer,
innerer. Ein Vorgang der Manipula-
tion mit Zeichen auf dem Papier kann
dasselbe leisten.





















     

310
            Das Behaviouristische an meiner Auffassung // an unserer Behand-
lung // besteht nur darin, dass ich // wir // keinen Unterschied zwischen ‘aussen’ und ‘innen’ machen mache. Weil mich die Psychologie nichts angeht.




     

            Man könnte natürlich ebensogut schreiben
x

1
1
2
4
3
9
4
16
und diese Darstellung ist ganz gleichwertig mit der ersten, oder überhaupt jeder andern, wenn eine Regel festgesetzt ist, die sie von einer anderen Dar-
stellung unterscheidet.










     

146
            Wenn man einen Hund gelehrt hätte, den Zeichenverbindungen von a,b,c,d zu folgen (wobei a = , b = , c = , d = ), so mag er das mechanisch tun, aber, wenn ich nun wissen will, welches Zeichen ich ihm geben muss, um ihn einen bestimmten Linienzug laufen zu lassen, so muss ich das Zeichen von dem Linienzug nach der Regel ableiten.

     


empty

             Wie hängen unsre Gedanken mit
den Gegenständen zusammen
über die wir denken? Wie treten
diese Gegenstände in unsre Gedan-
ken ein. (Sind sie in ihnen durch
etwas Andres — etwa Ähnliches — ver-
treten?
Wesen des Portraits; die Intention.





















     

10
Was heisst es: Sich eine Vorstellung machen, die der Wirklichkeit nicht entspricht?






     

71
“Diese Figur des Bildes bin ich” ist ein Uebereinkommen.






     

            “Ich war der Meinung glauben, Napoleon sei 1805 gekrönt worden”. — “Warst Du die ganze Zeit ununterbrochen dieser Meinung?”


     
            “Was hat aber Deine Meinung mit Napoleon zu tun? Welcher Zusammenhang // Welche Verbindung // besteht zwischen Deiner Meinung und Napoleon?
            Es kann, z.B., der sein, dass das Wort “Napoleon” in dem Ausdruck meiner Meinung vorkommt, plus dem Zusammenhang, den dieses Wort mit seinem Träger hat. Also etwa, dass er sich so unterschrieben hat, so angeredet wurde, etc.etc.



     

497
            “Aber ich habe    ihn   gemeint”. Sonderbarer Vorgang, dieses Meinen! Kann man jemanden meinen, auch wenn er in Amerika und man in Europa ist? Und Oder gar, wenn er schon tot ist?


     

Logischer Schluß

     

empty

                     Wissen wir, daß p aus q
folgt, weil wir die Sätze verstehen?
Geht das Folgen aus einem
Sinn hervor?

     

21
                     p & q = heisst p & q = p heisst “q folgt aus p”.

     

36
(∃x).fx ⌵ fa = (∃x).fx, (∃x).fx & fa = fa Wie weiss ich das? (denn das Obere habe ich sozusagen bewiesen). Man möchte etwa sagen: “ich verstehe ‘(∃x).fx’ eben”. (Ein herrliches Beispiel dessen, was ‘verstehen’ heisst.)
                    Ich könnte aber ebensogut fragen “wie weiss ich, dass (∃x).fx aus fa folgt” und antworten: “weil ich ‘(∃x).fx’ verstehe”. Wie weiss ich aber wirklich, dass es folgt? — Weil ich so kalkuliere.






     

42
                    Hinter die Regeln kann man nicht dringen, weil es kein Dahinter gibt.


     
                    fE & fa = fa Kann man sagen: das ist nur möglich, wenn fE aus fa folgt; oder muss man sagen: das bestimmt, dass fE aus fa folgt? //folgen soll.//


     
                    Wenn das erste, so muss es vermöge der Struktur folgen, etwa indem fE durch eine Definition so bestimmt ist, dass es die entsprechende Struktur hat. Aber kann denn wirklich das folgen, gleichsam aus der sichtbaren Struktur der Zeichen hervorgehen, wie ein physikalisches Verhalten aus einer physikalischen Eigenschaft, und braucht etwa nicht vielmehr immer solche    Bestimmungen  , wie die Gleichung fE & fa = fa? Ist es etwa den p⌵q anzusehen, dass es aus p folgt, oder auch nur den Regeln, welche Russell für die Wahrheitsfunktionen gibt?








     
                    Kann man sagen: ‘Kalkül’ ist kein mathematischer Begriff?

     

458
                    Wenn ich sagte: “ob p aus q folgt, muss aus p und q allein zu ersehen sein //hervorgehen//”; so müsste es heissen: dass p aus q folgt, ist eine Bestimmung, die den Sinn von p und q bestimmt;

459
nicht etwas, das, von dem Sinn dieser beiden ausgesagt, wahr ist. Daher kann man (sehr) wohl die Schlussregeln angeben, gibt damit aber Regeln für die Benützung der Schriftzeichen an, die deren Sinn erst bestimmen; was nichts andres heisst, als dass diese Regeln willkürlich festzusetzen sind; d.h. nicht von der Wirklichkeit abzulesen, wie eine Beschreibung. Denn, wenn ich sage, die Regeln sind willkürlich, so meine ich, sie sind nicht von der Wirklichkeit determiniert, wie die Beschreibung dieser Wirklichkeit. Und das heisst: Es ist Unsinn, von ihnen zu sagen, sie stimmen mit der Wirklichkeit überein; die Regeln über die Wörter “blau”, “rot”, etwa, stimmten mit den Tatsachen, die diese Farben betreffen, überein, etc..

     

585
                    Die Gleichung p & q = p zeigt eigentlich den Zusammenhang des Folgens und der Wahrheitsfunktionen.

     

empty

                     “Wenn p aus q folgt, so
muß p in q schon mitgedacht
sein”.

     

35
                    Bedenke, dass aus dem allgemeinen Satz eine logische Summe von, sagen wir, hundert Summanden folgen könnte, an die wir doch bestimmt nicht gedacht haben, als wir den allgemeinen Satz aussprachen. Können wir ˇnicht dennoch sagen, dass sie aus ihm folgt?


     


                     “Wo immer Du die Scheibe triffst hast hast Du gewonnen. — Du hast sie rechts oben getroffen, also …”



     

36
                    “Das Kreuz liegt    so   auf der Geraden: ” — “Es liegt    also   zwischen den Strichen …”
                    “Es hat hier 161/2o”. — “Es hat also jedenfalls mehr als 15o.”
                    Wenn man sich übrigens wundert, dass dieser Satz aus jenem folgt, obwohl man doch bei jenem gar nicht an ihn dachte, //dass ein Satz aus dem andern folgt, obwohl man doch bei diesem gar nicht an jenen dachte,// so denke man nur daran, dass p ⌵ q aus p folgt, und ich denke doch gewiss nicht alle Sätze p ⌵ x wenn ich p denke.



     

717
                    Wenn das Kriterium dafür, dass p aus q folgt, darin besteht, dass man “beim Denken von q p mitdenkt”, so denkt man wohl beim Denken des Satzes “in dieser Kiste sind 105 Sandkörner” die 105 Sätze: “in dieser Kiste ist    ein   Sandkorn”, “… 2 Sandkörner”, etc., etc.? Was ist denn hier das Kriterium des Mitdenkens!
                    Und wie ist es mit einem Satz: “ein Fleck (F) liegt zwischen den Grenzen AA”? Folgt aus ihm nicht, dass F auch zwischen BB und CC liegt, und u.s.w.? Folgen hier aus    einem   Satz unendlich viele? und ist er also unendlich vielsagend? — Aus dem Satz “ein Fleck liegt zwischen den Grenzen AA” folgt jeder Satz von der Art “ein Fleck liegt zwischen den Grenzen BB”, den ich hinschreibe — und so viele, als ich hinschreibe. Wie aus p soviele Sätze der Form p ⌵ x folgen, als ich hinschreibe (oder ausspreche, etc.). (Der Induktionsbeweis beweist soviele Sätze von der Form … als ich hinschreibe.)

     

empty

                     Der Fall: unendlich viele Sätze
folgen aus einem.



     
                    Man denkt sich wohl, der allgemeine Satz ist eine abgekürzte Ausdrucksweise des Produkts. Aber was ist am Produkt abzukürzen, es enthält ja nichts Ueberflüssiges.

     

330
                    Wenn man ein Beispiel braucht dafür, dass unendlich viele Sätze aus    einem   folgen, so wäre vielleicht das Einfachste das, dass aus “a ist rot” die Negation aller Sätze folgt, die a eine andere Farbe zuschreiben. Diese negativen Sätze werden gewiss in dem einen nicht mitgedacht. Man könnte natürlich sagen: wir unterscheiden doch nicht unendlich viele Farbtöne; aber die Frage ist: hat die Anzahl der Farbtöne, die wir unterscheiden, überhaupt etwas mit der Komplikation jenes ersten Satzes zu tun; ist er mehr oder weniger komplex, jen nachdem wir mehr oder weniger Farbtöne unterscheiden?
                    Müsste man nun nicht so sagen: Ein Satz folgt erst aus ihm, wenn er da ist. Erst wenn wir zehn Sätze gebildet haben, die aus dem ersten folgen, folgen zehn Sätze aus ihm. W


     

326
     
Wie verhält es sich nun mit dem Satz: “die Fläche ist von A bis B weiss”? Aus ihm folgt doch, dass sie auch von A' bis B' weiss ist. Es braucht sich da nicht um gesehenes Weiss zu handeln; und der Schluss von dem ersten Satz auf den zweiten wird jedenfalls immer wieder ausgeführt. Es sagt mir einer “ich habe die Fläche von A bis B damit bestrichen” und ich sage darauf “also ist sie jedenfalls von A' bis B' damit angestrichen”.
                     Wenn aber aus jenem F(AB) F(A'B' folgt, dann muss in F(AB) schon von A' und B' die Rede sein. — “A'”, “B'” müssen also Symbole sein, die aus “A” und “B” konstruiert werden können, wie etwas die Unterteilungen eines Masstabes aus seinen Endpunkten. Man müßte a priori sagen können, daß F(A'B') aus F(AB) folgen würde.


     

361

                     Striche A' und B' schon vorhanden denken, wenn der Stab gestrichen wird. oder ob wir das Stück A'B' erst später auf ihm auftragen. — Sind die Striche A' und B' schon ursprünglich hier, ? vorhanden dann folgt allerdings jener zweite Satz aus dem ersten (?— dann ist die Zusammengesetztheit schon in dem ersten Satz offenbar? vorhanden —?) dann folgen aber aus dem ersten Satz nur so viele Sätze, als seiner Zusammengesetztheit entspricht (also nie unendlich viele).





     

329
                    Der Schluss lautet auch nicht so: “wo immer auf der Scheibe der Schuss hintrifft, hast Du gewonnen. Du hast auf der Scheibe    da  hin getroffen, also hast Du den Preis gewonnen”. Denn wo? ist dieses    da  ? wie ist es ausser dem Schuss bezeichnet, etwa durch einen Kreis? Und war der auch schon früher auf der Scheibe? Wenn nicht, so hat die Scheibe sich ja verändert, wäre er aber schon dort gewesen, dann wäre er als eine Möglichkeit des Treffens vorgesehen worden. Es muss vielmehr heissen: “Du hast die Scheibe getroffen, also …”.




     

159'
                    Man kann ein bestimmtes Grau ebensowenig als eines der unendlich vielen Grau zwischen Schwarz und Weiss auffassen, wie man eine Tangente t als eines der unendlich vielen
     
Uebergangsstadien von t' nach t'' auffassen kann. Wenn ich etwa ein Lineal von t' nach t'' am Kreis abrollen sehe, so sehe ich — wenn es sich kontinuierlich bewegt — keine einzige der Zwischenlagen in dem Sinne, in welchem ich t sehe, wenn die Tangente ruht; oder aber ich sehe nur eine endliche Anzahl von Zwischenlagen. Wenn ich aber in so einem Fall scheinbar von einem allgemeinen Satz auf einen Spezialfall schliesse, so ist die Quelle dieses allgemeinen Satzes nie die Erfahrung und der Satz wirklich kein Satz.
                    Wenn ich z.B. sage: “Ich habe das Lineal sich von t' nach t'' bewegen sehen,    also   muss ich es auch in t gesehen haben”, so haben wir hier keinen richtigen logischen Schluss. Wenn ich nämlich damit sagen will, das Lineal muss mit in der Lage t    erschienen   sein — wenn ich also von der Lage im Gesichtsraum rede, so folgt das aus dem Vordersatz durchaus nicht. Rede ich aber vom physischen Lineal, so ist es natürlich möglich, dass das Lineal die Lage t übersprungen hat und das Phänomen im Gesichtsraum dennoch kontinuierlich war.

     

empty

                     Kann eine Erfahrung lehren,
daß dieser Satz aus jenem folgt?



     

                    “Wie kann ich wissen, was alles folgen wird?” — Was ich dann wissen kann, kann ich auch jetzt wissen.






     

332
                    Ist es nicht einfach so: Aus der Grammatik des Satzes — und aus ihr allein, muss es hervorgehen, ob ein Satz aus ihm folgt. Keine Einsicht in einen neuen Sinn kann das ergeben; — sondern nur die Einsicht in den alten Sinn. — Es ist nicht möglich, einen neuen Satz zu bilden, der aus jenem folgt, den man nicht hätte bilden können (wenn auch ohne zu wissen, ob er wahr oder falsch ist) als jener gebildet wurde. Entdeckte man einen neuen Sinn und folge dieser aus jenem dem ersten Satz, so hätte dieser Satz dann nicht seinen Sinn geändert.

     

Allgemeinheit

     

empty

                     Der Satz „der Kreis befindet
sich im Quadrat” in gewissem
Sinne unabhängig von der Anga-
be einer bestimmten Lage (er hat,
in gewissem Sinne, nichts mit ihr
zu tun).

     

34
                    Ich möchte sagen: das allgemeine Bild ! o ! hat eine andre Metrik als das besondere.


     

24
                    Wie man die Zeichnung ! o! als eine Darstellung des “allgemeinen Falls” ansehen kann. Quasi nicht im Massraum, sondern so, dass die Distanzen des Kreises von den Geraden garnichts ausmachen. Man sieht dann das Bild als Fall eines anderen Systems, als wie wie wenn man es als Darstellung einer besonderen Lage des Kreises zwischen den Geraden sieht. Oder richtiger: Es ist dann Bestandteils eines andren Kalküls. Von der Variablen gelten eben andre Regeln, als von ihrem besonderen Wert.

     

                    ”Woher Wie weisst Du, dass er im Zimmer ist?” — “Weil ich ihn hineingesteckt habe und er nirgends heraus kann.” — So ist also Dein Wissen der allgemeinen Tatsache, dass er irgendwo im Zimmer ist, auch von der Multiplizität dieses Grundes.

     

3535
                    Nehmen wir die besonderen Fälle des allgemeinen Sachverhalts, dass das Kreuz sich zwischen den Grenzstrichen befindet:
Jeder dieser Fälle z.B. hat eine //seine// besondere Individualität. Tritt diese Individualität irgendwie in den Sinn des allgemeinen Satzes ein? Offenbar nicht.













     

158'
                    “Alle Helligkeitsgrade unter diesem tun meinen Augen weh”. Das heißt, ich habe beobachtet, dass die bisherigen Erfahrungen einem formalen Gesetz entsprechen. Prüfe die Art der Allgemeinheit.

     

633
                    “Alle Punkte dieser Fläche sind weiss”. Wie verifizierst Du das? — dann werde ich wissen, was es heisst.

     

empty

                     Der Satz „der Kreis liegt im Qua-
drat” keine Disjunktion von Fällen







     

38
                     (∃x).fx & non-fa, (∃x).fx&non-fa & non-fb & non-fc
“Das Kreuz befindet sich irgendwo zwischen den Strichen, ausser in der Lage a.” Man könnte nun fragen: wird durch solche fortgesetzte Subtraktion von Möglich-
keiten endlich eine Kontradiktion erzeugt?

     

38
                    Angenommen, ich gäbe eine Disjunktion von so vielen Stellungen an, dass es mir unmöglich wäre, eine Stellung von allen angegebenen als verschie-

39
den zu erkennen //sehen//; wäre    nun   die Disjunktion der allgemeine Satz (∃x).fx? Wäre es nicht sozusagen Pedantrie, die Disjunktion noch immer nicht als den allgemeinen Satz anzuerkennen? Oder besteht ein wesentlicher Unterschied, und ist die Disjunktion vielleicht dem allgemeinen Satz gar nicht ähnlich?



     

165'
                    Disjunktion verstanden werden (oder wenn, dann als eine eben als endliche). Denn [w|W]as ist denn das Criterium dafür (für den allgemeinen Satz) dass der Kreis im Quadrat ist? Entweder überhaupt nichts, was mit einer Mehrheit von Lagen (bezw. Grössen) zu tun hat, oder aber etwas, was mit einer endlichen Anzahl solcher Lagen zu tun hat.


     

21
                    Wie ist der Umfang des Begriffs “Dazwischenliegen” bestimmt? Denn es soll doch im Vorhinein festgelegt werden, welche Möglichkeiten zu diesem Begriff gehören. Es kann, wie ich sage, keine Ueberraschung sein, dass ich auch    das   “dazwischenliegen” nenne. Oder: wie können die Regeln für das Wort “dazwischenliegen” angegeben werden, da ich doch nicht die Fälle des Dazwischenliegens aufzählen kann? Natürlich muss gerade das für die Bedeutung dieses Worts charakteristisch sein.


     
                    Wir würden das Wort ja auch nicht durch Hinweisen auf    alle besonderen Fälle   jemandem ˇzu erklären suchen, sondern aber wohl indem wir auf einen solchen Fall (oder einige) zeig<t>en und in irgendeiner Weise andeuteten, dass es auf den besonderen Fall nicht ankomme.



     

22
                    Zu sagen “der Kreis liegt entweder zwischen den beiden Geraden oder    hier  ” (wo dieses das ‘hier’ ein Ort zwischen den Geraden ist) heisst offenbar nur,: zu sagen “der Kreis liegt zwischen den beiden Geraden”, und der Zusatz “oder hier” erscheint ist überflüssig. Man wird sagen: in dem ‘irgendwo’ ist das ‘hier’ schon mitinbegriffen. Das ist aber merkwürdig, weil es nicht (darin) genannt ist.


     
                    Eine bestimmte Schwierigkeit besteht darin, dass wenn die Worte Zeichen das nicht zu sagen scheinen, was der Gedanke erfasst, oder: wenn die Worte das nicht sagen, was der Gedanke zu erfassen scheint.

     
                    So, wenn wir sagen “dieser Satz gilt von allen Zahlen” und glauben in dem Gedanken alle Zahlen wie die Aepfel in einer Kiste gefasst //aufgefasst// zu haben.

     

23
                    Nun könnte man aber fragen: Wie kann ich (nun?) im Voraus wissen, aus welchen Sätzen dieser allgemeine Satz folgt? Wenn ich diese Sätze nicht angeben kann.

     

23
                    Kann man aber sagen: “man kann nicht sagen, aus welchen Sätzen dieser Satz folgt”? Das klingt so wie: man weiss es nicht. Aber so ist es natürlich nicht. Und ich kann ja Sätze sagen, und im Vorhinein sagen, aus denen er folgt. — “Nur nicht    alle  ”. — Aber das heisst ja eben nichts.


     
                    Es ist eben nur der allgemeine Satz und besondere Sätze (nicht die besonderen Sätze). Aber der allgemeine Satz zählt besondere Sätze nicht auf. Aber was charakterisiert ihn denn dann als allgemein, und was zeigt, dass er nicht einfach diejenigen //die// besonderen Sätze umschliesst, von denen wir in diesem bestimmten Falle sprechen?


     
                    Er kann nicht durch seine Spezialfälle charakterisiert werden; denn wieviele man auch aufzählt, so könnte er immer mit dem Produkt der angeführten Fälle //Spezialfälle// verwechselt werden. Seine Allgemeinheit liegt also in einer Eigenschaft (grammatischen Eigenschaft) der Variablen.

     

empty

                     Unzulänglichkeit der
Frege- & Russell'schen Allgemein-
heitsbezeichnung.

     

560

                     Die Schwierigkeit, dass “ (∃ n).fn” sinnlos ist, könnte man übrigens aus dem Weg schaffen, indem man es bedeuten lässt, dass f f() eine Anzahl grösser als 0 hat. Was nur zeigt, dass hier keine wirkliche Schwierigkeit gelegen hatte, oder doch keine, die jetzt weggeräumt ist.
                    Die eigentliche Schwierigkeit liegt nämlich im Begriff des ‘(∃ n)’ und allgemein des ‘(∃ x)’. Ursprünglich stammt diese Notation vom Ausdruck unsrer Wortsprache her: “es gibt ein … von der und der Eigenschaft”. Und was hier an Stelle der Punkte steht, ist etwa “Buch meiner Bibliothek”, oder “Ding (Körper) in diesem Zimmer”, “Wort in diesem Brief”, u.s.w.. Man denkt dabei an Gegenstände, die man der Reihe nach durchgehen kann. Durch einen, so oft verwendeten //angewandten//, Prozess der Sublimierung wurde diese Form dann zu der: “es gibt einen Gegenstand, für welchen…”, und hier dachte man sich ursprünglich auch die Gegenstände der Welt ganz analog den ‘Gegenständen’ im Zimmer (nämlich den Tischen, Stühlen, Büchern, etc.). Obwohl es ganz klar ist, dass die Grammatik dieses “(∃x). etc.” in vielen Fällen eine ganz andere ist, als im primitiven und als Urbild dienenden Fall.

561
Besonders krass wird die Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen Bild und dem, worauf die Notation nun angewendet werden soll //angewendet wird//, wenn ein Satz “in diesem Viereck sind nur zwei Kreise” wiedergegeben wird durch die //in der// Form “es gibt keinen Gegenstand, der die Eigenschaft hat, ein Kreis in diesem Viereck, aber weder der Kreis a noch der Kreis b zu sein”, oder “es gibt nicht drei Gegenstände, die die Eigenschaft haben, ein Kreis in diesem Viereck zu sein”. Der Satz “es gibt nur zwei Dinge, die Kreise in diesem Viereck sind” (analog gebildet dem Satz “es gibt nur zwei Menschen, die diesen Berg erstiegen haben”) klingt verrückt; und mit Recht. D.h., es ist nichts damit gewonnen, das wir den Satz “in diesem Viereck sind zwei Kreise” in jene Form pressen; vielmehr hilft uns das nur zu übersehen, dass wir die Grammatik dieses Satzes nicht klargestellt haben. Zugleich aber gibt hier die Russell'sche Notation einen Schein von Exaktheit, der Manchen glauben macht, die Probleme seien dadurch gelöst, dass man den Satz auf die Russell'sche Form gebracht hat. (Es ist das eben so gefährlich, wie der Gebrauch des Wortes “wahrscheinlich”, ohne weitere Untersuchung darüber, wie das Wort in diesem speziellen Fall gebraucht wird. Auch das Wort “wahrscheinlich” ist, aus leicht verständlichen Gründen, mit einer Idee der Exaktheit verbunden.)
                    In allen den Fällen: “Einer der vier Füsse dieses Tisches hält nicht”, “es gibt Engländer mit schwarzen Haaren”, “auf dieser Wand ist ein Fleck”, “die beiden Töpfe haben das gleiche Gewicht”, “auf beiden Seiten stehen gleichviel Wörter” — wird in der Russell'schen Notation das “(∃…)…” gebraucht; und jedesmal mit anderer Grammatik. Damit will ich also sagen, dass mit einer Uebersetzung so eines Satzes aus der Wortsprache in die Russell_sche Notation nicht viel gewonnen ist.

     

749
                    Unzulänglichkeit der Frege'schen und Russell'schen Allgemeinheitsbezeichnung.
                    Es hat Sinn, zu sagen “schreib' eine beliebige Kardinalzahl hin”, ist aber Unsinn zu sagen: “schreib' alle Kardinalzahlen hin”. “In dem Viereck befindet sich ein Kreis” ((∃x).fx) hat Sinn, aber nicht non non(∃x).non fx: “in dem Viereck befinden sich alle Kreise”. “Auf einem andersfarbigen Hintergrund befindet sich ein roter Kreis” hat Sinn, aber nicht “es gibt keine von rot verschiedene Farbe eines Hintergrundes, auf der sich kein roter Kreis befindet”.
                    “In diesem Viereck ist ein schwarzer Kreis”: Wenn dieser Satz die Form “(∃x).x ist ein schwarzer Kreis im Viereck” hat, was //welcher Art// ist so ein Ding x, welches //das// die Eigenschaft hat, ein schwarzer Kreis zu sein (und also auch die haben kann,    kein   schwarzer Kreis zu sein)? Ist es etwa ein Ort im Quadrat? dann aber gibt es keinen Satz ““ (x (x).x ist ein schwarzer…”. Anderseits könnte jener Satz bedeuten “es gibt einen Fleck im Quadrat, der ein schwarzer Kreis ist”. Wie verifiziert man diesen Satz? Nun, man geht die verschiedenen Flecken im Quadrat durch und untersucht sie daraufhin, ob sie ganz schwarz und kreisförmig sind. Welcher Art ist aber der Satz: “Es ist kein Fleck in dem Quadrat”? Denn, wenn das ‘x’ in ‘ (∃x)’ im vorigen Fall ‘Fleck im Quadrat’ hiess, dann kann es zwar einen Satz “(∃x).fx” geben, aber keinen “(∃x)” oder “non(∃x)”. Oder, ich könnte wieder fragen: Was ist das für ein Ding, das die Eigenschaft hat (oder nicht hat) ein Fleck im Quadrat zu sein?
                    Und wenn man sagen kann “ein Fleck ist in dem Quadrat”, hat es

750
dann //damit// auch schon Sinn, zu sagen “alle Flecken sind in dem Quadrat”? Welche    alle  ?


     
                    (Der schwierigste Standpunkt in der Logik ist der des gesunden Menschenverstandes. Denn er verlangt zur Rechtfertigung seiner Meinung die volle Wahrheit und hilft uns nicht, durch die geringste Konzession, oder Konstruktion.)



     

empty

                    Kritik meiner früheren
Auffassung der Allgemeinheit.

     

37
                    Meine Auffassung des allgemeinen Satzes war doch, dass (∃x).fx eine logische Summe ist und dass nur ihre Summanden    hier   nicht aufgezählt seien, sich aber aufzählen liessen (und zwar aus dem Wörterbuch und der Grammatik der Sprache).
                    Denn liessen sie sich nicht aufzählen, so handelt es sich ja doch nicht um eine um keine logische Summe //, so haben wir ja doch keine logische Summe//. (Vielleicht ein Gesetz, logische Summen zu bilden.)

     

548
                    Die Erklärung von (∃x).fx als einer logischen Summe und (x).fx als logischem Produkt kann natürlich nicht aufrecht erhalten werden. Sie ging mit einer falschen Auffassung der logischen Analyse zusammen, indem ich etwa dachte, das logische Produkt für ein bestimmtes (x).fx werde sich schon einmal finden. — Es ist natürlich richtig, dass (∃x).fx irgendwie als logische Summe funktioniert und (x).fx als Produkt; ja in    einer   Verwendungsart der Worte “alle” und “einige” ist meine alte Erklärung richtig, nämlich — z.B. — in dem Falle “alle primären Farben finden sich in diesem Bild” oder “alle Töne der C-Dur Tonleiter kommen in diesem Thema vor”. In Fällen aber wie “alle Menschen sterben, ehe sie 200 Jahre alt werden” stimmt meine Erklärung nicht. Dass nun aber

549
(∃x).fx als logische Summe funktioniert ist darin ausgedrückt, dass es aus fa und aus fa .⌵. fb folgt, also in den Regeln:
                    
                     ( ∃x).fx .&. fa = fa und
                    (∃x).fx :&: fa.⌵.fb = fa.⌵.fb .
                    Aus diesen Regeln ergeben sich dann die Grundgesetze Russells
                     fx .C. (∃z).fz und
                    literalfx.⌵.fy :C: (∃z).fz als Tautologien.

     

549
                    Für ( ∃x).fx, etc. brauchen wir auch die Regeln:
            (∃x). fx ⌵ Fx = (∃x).fx .⌵. (∃x).Fx,
(∃x,y). fx&Fy .⌵. (∃x).fx .&. Fx = (∃x).fx .&. (∃x).Fx.
Jede solche Regel ist ein Ausdruck der Analogie zwischen (∃x).fx und einer logischen Summe.





     

593
                    Es gibt so viel verschiedene Allgemeinheiten, als es verschiedene Zahlarten gibt. //Es gibt so viel verschiedene ‘alle’, als es

594
verschiedene ‘Eins’ gibt.//


     
                    Darum nützt es nichts, zur Klärung das Wort “alle” zu gebrauchen, wenn man seine Grammatik in    diesem   Falle noch nicht kennt.

     

empty

                     Erklärung der Allgemeinheit
durch Beispiele


     
                    Es wäre also möglich, zu sagen ‘jetzt sehe ich das nicht mehr als Rose, sondern nur noch als Pflanze’!
                    Oder: “Jetzt sehe ich es nur als    diese   Rose”.
                    “Ich sehe den Fleck nur noch im Quadrat, aber nicht mehr in einer bestimmten Lage”.


     
                    Der seelische Vorgang des Verstehens interessiert uns eben gar nicht. (So wenig, wie der einer Intuition.)






     
                    “Such' aus diesen Federstielen die    so   geformten heraus”. — — “Ich wusste nicht, ob Du diesen auch noch dazu rechnest”.













     

59
                    Man könnte dann freilich nicht sagen, wir befolgen F(∃) anders, wenn wir f(d) tun, als eine Disjunktion, worin in welcher f(d) vorkommt, denn F(∃) = F(∃) ⌵ f(d). Wem der Befehl gegeben wird “hole mir irgend eine Pflanze, oder diese” (von welcher ihm ein Bild mitgegeben wird), der wird dieses Bild ruhig beiseite legen und sich sagen “da es irgend eine tut, so geht mich dieses Bild nichts an”. Dagegen werden wir das Bild nicht einfach beiseite legen dürfen, wenn es uns mit fünf anderen gegeben wurde und der Befehl lautete, eine von diesen sechs Pflanzen zu bringen. (Es kommt also darauf an, in    welcher   Disjunktion sich der besondere Befehl befindet.) Und nach dem Befehl “f(a) ⌵ f(b) ⌵ f(c)” wird man sich anders richten, als nach dem Befehl “f(∃)” (=f(∃) ⌵ f(c)), auch wenn man jedes

60
Mal f(c) tut. — Das Bild f(c) geht in f(∃) unter. (Und es hilft uns ja nichts in einem Kahn zu sitzen, wenn wir mitsamt ihm unter Wasser sind und sinken.) Man möchte (uns?) sagen: Wenn Du auf den Befehl “f(∃)” f(c) tust, so hätte Dir ja auch f(c) ausdrücklich erlaubt sein können, und wie hätte sich dann der allgemeine Befehl von einer Disjunktion unterschieden? — Aber auf diese Erlaubnis hättest Du Dich eben, in der? Disjunktion mit dem allgemeinen Satz, gar? nicht    stützen   können.
                    Ist es also so, dass der Befehl “bringe mir eine Blume” nie durch den Befehl ersetzt werden kann von der Form “bringe mir a oder b oder c”, sondern immer lauten muss “bringe mir a oder b oder c,    oder eine andere Blume  ”?
                     Aber warum tut der allgemeine Satz so unbestimmt, wenn ich ja doch jeden Fall, der wirklich eintritt, auch im Voraus hätte beschreiben können?
                     Absatz Aber eine Aufzählung ist ja wohl die vollständigste, die ich geben kann — in irgend einem Sinne vollständig, etwa die Aufzählung aller besonderen Fälle, die mir vorgekommen sind — und auch nach ihr wird das “oder eine andere” seinen Sinn behalten.





     
                    Auf keinem Umweg kann, was über eine Aufzählung von Einzelfällen gesagt ist wird, die Erklärung der Allgemeinheit ergeben. sein.

     

“Jetzt” wirkt eben anders



     

empty
Bildungsgesetz einer Reihe.
“u.s.w.”

     

23
                    Man kann für den Gebrauch der Varia[v|b]len wohl eine Regel aufstellen und es ist kein Pläonasmus, dass wir dabei eben diese Art der Variablen gebrauchen. Denn brauchten wir sie nicht, so wäre ja durch die Regeln die Variable definiert. Und wir nehmen ja nicht an, dass sie sich definieren lasse, oder: dass sie definiert werden müsse (denn einmal nehmen die Definitionen doch ein ihr Ende).


     

                    Das heisst (nur?), dass — z.B. — die Variable “x²” keine Abkürzung ist (etwa für eine logische Summe) und dass in unserm Gedanken auch nur ein Zeichen dieser Multiplizität vorhanden ist.

     

24
                    Worin besteht aber — z.B. — die unendliche Möglichkeit der Besetzung einer der Variablen? Wie kann man sich etwa nach der Regel richten: “an diese Stelle darf keine Zahl gesetzt werden”? Die Allgemeinheit so einer dieser Vorschrift muss von der Art der hypothetischen Allgemeinheit (alle Menschen sind sterblich) sein.


     

                    Es scheint mir nicht, als könnt<e/>einer Allgemeinheit <…> über eine bestimmte Aufzählung mit einer Art schattenhafter Aufzählung hinausgehen.



     

26
                    Was aber macht ein Zeichen zum Ausdruck der Unendlichkeit? Was gibt ihm den eigentümlichen Charakter dessen, was wir unendlich nennen? Ich glaube, dass es sich ähnlich verhält wie das Zeichen einer enormen Zahl. Denn das Charakteristische des Unendlichen, wie man es so? auffasst, ist seine enorme Grösse.

     

25
                    Aber es gibt nicht etwas, was eine Aufzählung ist und doch keine Aufzählung. Eine Allgemeinheit, die quasi nebelhaft aufzählt, aber nicht wirklich und ˇbis zu einer bestimmten Grenze.


     
                    Die Punkte in “1+1+1+1…” sind eben auch nur die vier P[u|ü]nktechen. Ein Zeichen, für das sich gewissen Regeln angeben lassen, müssen. (Nämlich dieselben, wie für das Zeichen “u.s.w. ad inf.”) Dieses Zeichen ahmt zwar die Aufzählung in gewisser Weise nach, ist aber keine Aufzählung. Und das heisst wohl, dass die Regeln, die von ihm gelten, bis zu einem Punkt mit denen, die von einer Aufzählung gelten, übereinstimmen, aber nicht ganz übereinstimmen.


     
                    Es gibt kein Mittelding zwischen einer //der// bestimmten Aufzählung und der Variablen. //und dem allgemeinen Zeichen.//

     

27
                    Wir zeigen ihm einige Multiplikationen und verlangen, dass es dann andre mit grösseren Zahlen selbst ausführe.





     
                    Nun scheint es aber, als wäre damit etwas (aus der Logik)    weggeleugnet  . Etwa gerade die Allgemeinheit; oder das, was die Punkte andeuten. Das Unfertige (Lockere, Dehnbare) der Reihe //Zahlenreihe//. Und natürlich dürfen und können wir nichts wegleugnen. Wo kommt also diese Unbestimmtheit zum Ausdruck? Etwa so: Wenn wir Zahlen anführen, die wir statt der Variablen a einsetzen dürfen, so sagen wir von keiner, es sei die letzte, oder die höchste.


     
                    Würde uns aber nun nach der Erklärung einer Rechnungsart jemand fragen: “und ist nun 103 das letzte Zeichen, welches ich benützen kann”; was sollen wir antworten? “Nein, es ist nicht das letzte”, oder “es gibt kein letztes”? — Aber muss ich ihn nicht zurückfragen: “Und wenn es nicht das letzte ist, was käme dann noch?” Und sagt er nun “104”, so müsste ich sagen: Ganz richtig, du kannst die Reihe selber fortsetzen.


     
                    (Nur vor dem Geschwätz muss man sich in der Philosophie hüten. Eine Regel aber, die praktisch anwendbar ist, ist immer in Ordnung.)


     
28
                    Es ist klar, dass man einer Regel von der Art /a, x, x+1/ folgen kann; ich meine, ohne schon von vornherein die Reihe hinschreiben zu können, sondern, indem man sich wirklich nach der Bildungsregel richtet //indem man wirklich der Bildungsregel folgt//. Es ist ja dann dasselbe, wie wenn ich eine Reihe etwa mit der Zahl 1 anfinge und sagte: “nun gib 7 dazu, multipliziere mit 5 und zieh' die Wurzel, und diese zusammengesetzte Operation wende immer wieder auf das //ihr// Resultat an”. (Das wäre ja die Regel .)

     

28
                    Schliesslich ist ja das Wort “u.s.w.” nichts anderes, als das <…>    Wort   “   u.s.w.  ”. (d.h. wieder als ein Zeichen des Kalküls, das nicht mehr tun kann, als durch die Regeln zu bedeuten, die von ihm gelten. Das nicht mehr sagen kann, als es zeigt.)
                    D.h. es wohnt dem Wort “u.s.w.” keine geheime Kraft inne, durch die nun die Reihe fortgesetzt wird, ohne fortgesetzt zu werden.

     

29
                    Das wohl nicht, wird man sagen, aber eben die Bedeutung der unendlichen Fortsetzung.

     

Seite 32
                    Man könnte nun? aber fragen: Wie kommt es, dass der, welcher die allgemeine Regel nun auf eine weitere Zahl anwendet, nur    dieser   Regel folgt. Dass keine weitere Regel nötig war, die ihm erlaubt, die allgemeine auch auf diesen Fall anzuwenden; und dass doch dieser Fall in der <(>allgemeinen<)> Regel nicht genannt war.

     

                    Es wundert uns also, dass wir diesen Abgrund zwischen den einzelnen Zahlen und dem allgemeinen Satz nicht überbrücken können.

     

29
                    “Kann man sich einen leeren Raum vorstellen?” (Diese Frage gehört merkwürdigerweise hierher.)


     
                    Es ist einer der tiefstwurzelnden Fehler der Philosophie: die Möglichkeit als ein Schatten der Wirklichkeit. //, die Möglichkeit als einen Schatten der Wirklichkeit zu sehen.//
                    Anderseits aber kann es kein Irrtum sein, uund das ist es auch nicht, wenn man den Satz diesen Schatten nennt.



     
                    Das, was mich nun bedrückt, ist, dass das “u.s.w.” scheinbar auch in den Regeln für das Zeichen “u.s.w.” vorkommen muss. Z.B. ist 1, 1+1, u.s.w. = 1, 1+1, 1+1+1, u.s.w. u.s.w..


     
                    Aber haben wir denn hier nicht die alte Erkenntnis, dass wir die Sprache nur von aussen beschreiben können? Dass wir also nicht erwarten dürfen, durch eine Beschreibung der Sprache in andere Tiefen zu dringen, als die Sprache selbst offenbart: Denn die Sprache beschreiben wir mittels der Sprache.


     
                    Wir könnten sagen: Es ist ja gar kein Anlass, zu fürchten, dass wir das Wort “u.s.w.” in einer das Endliche übersteigenden Weise gebrauchen.


     
                    Uebrigens kann der, für das “u.s.w.” charakteristische Teil seiner Grammatik nicht in Regeln über die Verbindung von “u.s.w.” mit ein-

31
zelnen Zahlzeichen (nicht: “   den   einzelnen Zahlzeichen”) bestehen — denn diese Regeln geben ja wieder ein beliebiges Stück einer Reihe — sondern in Regeln der Verbindung von “u.s.w.” mit “u.s.w.”.

     

34
                    Die Möglichkeit noch weitere Zahlen anzuführen. Die Schwierigkeit scheint uns die zu sein, dass die Zahlen, die ich tatsächlich ange-

35
führt habe, ja gar nicht wesentlich sind [.| //]keine wesentliche Gruppe sind// und nichts dies andeutet, dass sie eine    beliebige   Kollektion sind:    die zufällig aufgeschriebenen unter allen Zahlen  .
                    (So, als hätte ich in einer Schachtel alle Steine eines Spiels und auf dem Tisch daneben eine zufällige Auswahl aus dieser Schachtel.
                    Oder, als wären die einen Ziffern in Tinte    nachgezogen  , während sie alle schon gleichsam blass vorgezeichnet sind.)
                    Dass wir aber ausser diesen zufällig benützten nur die allgemeine Form haben.
                    Haben wir hier übrigens nicht — so komisch das klingt — den Unterschied zwischen Zahlzeichen und Zahlen?

     

74
                    Darin hatte ich freilich recht, dass die unendliche Mög-
lichkeit (z.B. unendliche Teilbarkeit) einer ganz anderen grammatischen Ka-
thegorie angehört, als die endliche (Möglichkeit in 3 Teile zu teilen). Aber
damit ist noch nicht die Grammatik des Wortes “unendlich”    bestimmt  .




     

                     Als was    sieht   man denn “ 1, 1+1, 1+1+1,…” an?
                    Als eine ungenaue Ausdrucksweise. Die Pünktchen sind so, wie weitere Zahlzeichen, die aber verschwommen undeutlich sind. So, als hörte man auf, Zahlzeichen hinzuschreiben, weil man ja doch nicht alle hinschreiben kann, aber als seien sie allerdings, quasi, in einer Kiste, vorhanden. //… aber als seien sie wohl, gleichsam in einer Kiste vorhanden.// Etwa auch, wie wenn ich von einer Melodie nur die ersten Töne deutlich singe und den Rest nur noch andeute und in Nichts auslaufen lasse. (Oder wenn man beim Schreiben von einem Wort nur wenige Buchstaben deutlich schreibt und mit einem unarti-

kulierten Strich endet.)    Wo|dann dem ‘undeutlich’ ein ‘deutlich’ entspräche  .

     

25
                    Ich habe einmal gesagt, es könne nicht Zahlen geben;    und   den Begriff der Zahl. Und das ist richtig, wenn es heisst, dass die Variable zur Zahl nicht so steht, wie der Begriff Apfel zu einem Apfel (oder der Begriff Schwert zu Nothung).
                    Anderseits    ist die Zahlvariable kein Zahlzeichen  .

     

25
                    Ich wollte aber auch sagen, dass der Zahlbegriff nicht unabhängig von den Zahlen (gegeben) sein könnte, und das ist nicht wahr. Sondern die Zahlvariable ist in dem Sinne von einzelnen Zahlen unabhängig, als es einen Kalkül mit einer Klasse unserer Zahlzeichen, und ohne die allgemeine Zahlvariable, wohl gibt. Freilich gelten dann eben nicht alle Regeln von diesen Zahlzeichen, die von unsern gelten, aber doch entsprechen sie unseren, wie die Damesteine im Damespiel denen im Schlagdamespiel.


     

                    Wogegen ich mich wehre, ist die Anschauung, dass eine //die// unendliche Zahlenreihe etwas uns Gegebenes sei, worüber es nun spezielle Zahlensätze und auch allgemeine Sätze über alle Zahlen der Reihe gibt. So dass der arithmetische Kalkül nicht vollständig wäre, wenn er nicht auch die allgemeinen Sätze über die Kardinalzahlen enthielte, nämlich allgemeine Gleichungen der Art a+(b+c) = (a+b)+c. Während schon 1:3 = 0,3 einem andern Kalkül angehört als 1:3 = 0,3. Und so ist eine allgemeine Zeichenregel (z.B. rekursive Definition), die für 1, (1)+1, ((1)+1)+1, ((1)+1)+1)+1, u.s.w. gilt, etwas andres, als eine spezielle Definition. Und die allgemeine Regel fügt dem Zahlenkalkül etwas neues bei, ohne welches er ebenso vollständig gewesen wäre, wie die Arithmetik der Zahlenreihe 1, 2, 3, 4, 5.


     
                    Man wird vielleicht sagen: aber ‘Kardinalzahl’ steht doch im Gegensatz zu ‘Rationalzahl’, ‘reelle Zahl’ etc.. Aber dieser Unterschied ist ein Unterschied der Regeln (der von ihnen geltenden Spielregeln) — nicht einer, der Stellung auf dem Schachbrett — nicht ein Unterschied, für den man im selben Kalkül verschiedene koordinierte Worte braucht.


     

646
                    Die Ausdrücke “die Kardinalzahlen”, “die reellen Zahlen” sind ausserordentlich irreführend, ausser, wo sie als Teil einer Be-
schreibung stimmung verwendet werden, wie in: “die Kardinalzahlen von 1 bis 100”, etc.. “Die Kardinalzahlen” gibt es nicht, sondern nur “Kardinalzahlen” und den Begriff, die Form, ‘Kardinalzahl’. Nun sagt man: “die Zahl der Kardinalzahlen ist kleiner, als die der rellen Zahlen” und denkt sich, man könnte die beiden Reihen etwa nebeneinander schreiben (wenn wir nicht schwache Menschen wären) und dann würde die eine im Endlosen enden, während die andere ins wirklich-Unendliche über sie hinaus</>liefe. Aber das ist alles Unsinn. Wenn von einer Beziehung, die man nach Analogie “grösser” und “kleiner” nennen kann, die Rede sein kann, dann nur, zwischen den Formen ‘Kardinalzahl’ und reelle Zahl’. Was eine Reihe ist, erfahre ich dadurch, dass man es mir erklärt und nur soweit, als man es erklärt. Eine endliche Reihe wurde mir durch Beispiele der Art 1, 2, 3, 4 erklärt, eine endlose durch Zeichen der Art “1, 2, 3, 4, u.s.w.” oder “1, 2, 3, 4…”.



     

694
                    Man ist geneigt, zu glauben, dass die Notation, die eine Reihe durch Anschreiben einiger Glieder mit dem Zeichen “u.s.w.” darstellt, wesentlich unexakt ist, im Gegensatz zur Angabe des allgemeinen Gliedes. Dabei vergisst man, dass die Angabe des allgemeinen Gliedes sich auf eine Grundreihe bezieht, welche nicht wieder durch ein allgemeines Glied beschrieben sein kann. So ist 2n + 1 das allgemeine Glied der ungeraden Zahlen,    wenn   n die Kardinalzahlen durchläuft, aber es wäre Unsinn zu sagen, n sei das allgemeine Glied der Reihe der Kardinalzahlen. Wenn man diese Reihe erklären will, so kann man es nicht durch Angabe des “allgemeinen Gliedes n”, sondern natürlich nur durch eine Erklärung der Art 1, 1+1, 1+1+1, u.s.w.. Und es ist natürlich kein wesentlicher Unterschied zwischen dieser Reihe und der: 1, 1+1+1, 1+1+1+1+1, u.s.w., die ich ganz ebensogut als Grundreihe hätte nehmen annehmen können (sodass dann das allgemeine Glied der Kardinalzahlenreihe 1/2.(n-1) gelautet hätte).

     

536
                    (∃x).fx & non(∃x,y).fx & fy
                     (∃x,y).fx & fy.&.non(∃x,y,z).fx & fy & fz
                     (∃x,y,z).fx & fy & fz.&.non(∃x,y,z,u).fx & fy & fz & fu
““Wie müsste man es nun anfangen, die allgemeine Form solcher Sätze zu schreiben? Die Frage hat offenbar einen guten Sinn. Denn, wenn ich nur einige solcher Sätze als Beispiele hinschreibe, so versteht man, was das    Wesentliche   dieser Sätze sein soll.””
                    Nun, dann ist also die Reihe der Beispiele schon eine Notation; denn das Verstehen dieser Reihe besteht doch in der Verwendung dieses Symbols und darin, dass wir es von andern in demselben System unterscheiden, z.B. von:
                     (∃x).fx
                     (∃x,y,z).fx & fy & fz
                     (∃x,y,z,u,v).fx & fy & fz & fu & fv.

537
Warum sollen wir aber nicht das allgemeine Glied der ersten Reihe    so   schreiben:
                    (E x1…xn).π
xn
x1
fx & (E x1…xn+1). π
xn+1
x1
fx ? Ist diese Notation unexakt? Sie selbst soll ja nichts bildhaft machen, sondern nur auf die Regeln ihres Gebrauchs, das System in</>dem sie gebraucht wird, kommt es an. //, auf das System, in dem sie gebraucht wird, kommt es an.// Die Skrupel, die ihr anhaften, schreiben sich von einem Gedankengang her, der sich mit der Zahl der Urzeichen in dem Kalkül der ‘Principia Methamatica’ beschäftigte.

     

Erwartung
Wunsch
etc

     

empty
Erwartung: der Ausdruck
der Erwartung.

Artikulierte und unartikulierte Erwartg.

     

69
                    Kann man sagen, die Erwartung ist eine vorbereitende, erwartende, Handlung. — Es wirft mir jemand einen Ball, ich strecke die Hände aus und richte sie zum Erfassen des Balls. Aber sagen wir, ich hätte mich verstellt, ich hatte erwartet, dass er nicht werfen würde, wollte aber so tun, als erwartete ich den Wurf. Worin besteht dann mein Erwarten,

70
dass er nicht werfen wird, wenn meine Handlung die gegenteilige Erwartung ausdrückt? Diese Sie musste doch auch in etwas bestehen, was ich tat. Ich war also doch irgendwie nicht darauf vorbereitet, dass der Ball kam.

     

55
                    Es ist sehr trivial, wenn ich sage, dass ich in der Erwartung eines Flecks die Erwartung eines kreisförmigen von der eines eliptischen muss unterscheiden können und es überhaupt so viele Unterschiede in der Erwartung geben muss, wie in den Erfüllungen der Erwartungen. (Der Hunger und der Apfel, der ihn befriedigt haben nicht die gleiche Multiplizität.)







     

empty

                     In der Erwartung wurde das
erwartet, was die Erfüllung
brachte.

     

48
                    Die Erwartung und die Tatsache, die die Erwartung befriedigt, passen offenbar wohl doch irgendwie zusammen. Man soll nun eine Erwartung beschreiben, und eine Tatsache, die zusammenpassen, damit man sieht, worin diese Uebereinstimmung besteht. Da denkt man sofort an das Passen einer Vollform in eine entsprechende Hohlform. Aber wenn man nun hier die beiden beschreiben will, so sieht man, dass, soweit sie passen, [E|e]ine Beschreibung für beide gilt. < Vergleiche das Passen eines Hutes zu einem Kleid. >

















     

191
                    Das Befolgen des Befehls liegt darin, dass ich etwas tue —— Kann ich aber auch sagen, ‘dass ich das tue, was er befiehlt’? Gibt es ein Kriterium dafür, dass das die Handlung ist, die ihn befolgt? Was soll hier unter ein einem Kriterium verstanden werden

     

53
                    Die Erwartung verhält sich eben zu ihrer Befriedigung nicht wie der Hunger zu seiner Befriedigung. Ich kann sehr wohl den Hunger beschreiben und das, was ihn stillt, und sagen, dass es ihn stillt.

     

130'

                     Wenn ich ein Ereignis erwarte und es trifft ein kommt dasjenige, welches meine Erwartung erfüllt; hat es dann einen Sinn zu fragen, ob das wirklich das Ereignis ist, welches ich erwartet habe. D.h. wie würde ein Satz, der das behauptet, verifiziert werden?

     

391
                    “Wie weisst Du, dass Du einen roten Fleck erwartest?” ˇd.h. „wie weißt Du daß ein roter Fleck die Erfüllung dessen ist, was Du Dir erwartest”. — Aber eben so gut könnte man fragen, “wie weisst Du, dass das ein roter Fleck    ist  ?”
                    Wie weisst Du, dass, was Du getan hast, wirklich war, das Alphabet im Geist herzusagen? — Aber wie weisst Du, dass, was Du hersagst, nun wirklich das Alphabet    ist  ?
                    Das ist natürlich die gleiche Frage wie: Woher weisst Du, dass, was Du rot nennst, wirklich dasselbe ist, was der Andre so nennt. Und die eine Frage ebenso unsinnig wie andere.



     

empty
„Wie kann man etwas wünschen,
erwarten, suchen, was nicht da
ist?” Mißverständnis des ‘Etwas’.



     

13
                    Sokrates: Wer also vorstellt, was nicht ist, der stellt nichts vor? — Theaitetos: So scheint es. — S.: Wer aber nichts vorstellt, der wird gewiss überhaupt garnicht vorstellen? — Th.: Offenbar, wie wir sehen.
                    Setzen wir in diesem Argument //und dem ihm vorhergehenden// statt “vorstellen” etwa “zerschneiden töten”, so läuft es auf eine Regel der Verwendung dieses Wortes hinaus. Man dürfe nicht sagen: “ich zerschneide töte etwas, was nicht existiert”. //Es hat keinen Sinn zu</>sagen…


     
                    Ich kann mir einen Hirsch auf dieser Wiese vorstellen, der nicht da ist, aber keinen töten, der nicht da ist. — Und sich einen Hirsch vorstellen, der nicht da ist, heisst, sich vorstellen, dass ein Hirsch da ist, obwohl keiner da ist. Einen Hirsch töten aber, heisst nicht: töten, dass ein Hirsch da ist (also: verschiedene grammatische Regeln). Wenn aber jemand sagt: “um mir einen Hirsch vorzustellen, muss es ihn doch in einem gewissen Sinne geben”, so ist die Antwort: nein, es muss ihn dazu

14
in keinem Sinne    geben  . Und wenn darauf gesagt würde: Aber z.B. die braune Farbe muss es doch geben, damit ich mir sie vorstellen kann, so ist zu sagen: “‘Es gibt die braune Farbe’ heisst überhaupt nichts, ausser etwa, dass sie da oder dort als Färbung eines Gegenstandes (Flecks) auftritt erscheint und das ist nicht nötig, damit ich mir einen braunen Hirsch vorstellen kann.”





     

276
                    Wenn immer ich über die Erfüllung eines Satzes rede, rede ich über sie im Allgemeinen. Ich beschreibe sie in irgendeiner Form. Ja, es liegt diese Allgemeinheit schon darin, dass ich die Beschreibung zum Voraus geben kann und jedenfalls unabhängig von dem Eintreten der Tatsache.




     
                    Die Tatsache wird allgemein beschrieben heisst, sie wird aus alten Bestandteilen zusammengesetzt.
                       Sie   wird beschrieben, das ist so, als wäre sie uns, ausser durch die Beschreibung, noch anders gegeben.


     
                    Hier wird die Tatsache mit einem Haus oder einem andern sonstigen Komplex gleichgestellt.





     

295
                    Man könnte nur sagen: Wenn er von der Sonne spricht, muss er ein visuelles Bild (oder Gebilde von der und der Beschaffenheit — rund, gelb, etc.) vor sich sehen. Nicht, dass das wahr ist, aber es hat Sinn, und dieses Bild ist dann ein Teil des Zeichens.




     
                    Man kann den Dieb nicht hängen ehe man ihn hat, wohl aber schon suchen.


     
                    “Du hast den    den   Menschen (auf ihn zeigend) gesucht? Wie war das möglich, er war doch gar nicht da!”


     
                    “Ich suche meinen Stock. — Da ist er!” Dies letztere ist keine Erklärung des Ausdrucks “mein Stock”, die für das Verständnis des ersten Satzes wesentlich wäre, und die ich daher nicht hätte geben können, ehe mein Stock gefunden war. Vielmehr muss der Satz “da ist er”, wenn er nicht eine Wiederholung der (auch) früher möglichen Worterklärung ist, ein neuer synthetischer Satz sein.







     
                    (“Ich suche ihn”. — “Wie schaut er aus”. — “Ich weiss es nicht aber (ich bin sicher) ich werde ihn wiedererkennen, wenn ich ihn sehe”.)


     
                    Die ‘Symptome der Erwartung’ sind nicht der Ausdruck der Erwartung.
                    Und zu glauben, ich wüsste erst nach dem Finden, was ich gesucht (nach der Erfüllung, was ich gewünscht) habe, läuft auf einen unsinnigen “be “behaviourism” hinaus.


     
                    “Ich wünsche mir eine gelbe Blume”. — “Ja, ich gehe und suche Dir eine gelbe Blume. Hier habe ich eine gefunden”. — Gehört die Bedeutung von “gelbe Blume” mehr zum letzten Satz, als zu den zwei vorhergehenden?

     

302
                    Die Bedeutung des Wortes “gelb” ist nicht die Existenz eines gelben Flecks: Das ist es, was ich über das Wort “Bedeutung” sagen möchte.



     

empty

                     Im Ausdruck der Sprache
berühren sich Erwartung & Erfüllung.





     

289
                    Du befiehlst mir “bringe mir eine gelbe Blume”; ich bringe eine und Du fragst: “warum hast Du mir so eine gebracht?” Dann hat diese Frage nur einen Sinn, wenn sie zu ergänzen ist “und nicht eine von dieser (andern) Art”.
                    D.h., diese Frage gehört schon in //bezieht sich schon auf// ein System; und die Antwort muss sich auf das gleiche System beziehen.



     

59
                    Noch einmal: was ist das Kriterium dafür, dass der Befehl richtig ausgeführt wurde? Was ist das Kriterium, nämlich auch für den Befehlenden? Wie kann    er   wissen, dassder der Befehl nicht richtig ausgeführt wurde. Angenommen, er ist von der Ausführung befriedigt und

60
sagt nun: “von dieser Befriedigung lasse ich mich aber nicht täuschen, denn ich weiss, dass doch nicht das geschehen ist, was ich wollte”. Er muss erinnert sich dann in irgend einem Sinne daran erinnern, wie er den Befehl gemeint hatte. --- In welchem Sinne? Woran erinnere ich mich, wenn ich mich erinnere, das gewünscht zu haben.





     

354

                    d.h. wWenn ich non-p glaube, so glaube ich dabei nicht zugleich p, weil “p” in “non-p” vorkommt.

     

354
                    p kommt in non-p in demselben Sinne vor, wie non-p in p.


     
                    Die Worte “vorkommen” etc. sind eben unbestimmt, wie alle solche Prosa. Exakt und unzweideutig und unbestreitbar sind nur die grammatischen Regeln, die am Schluss zeigen müssen, was gemeint ist.

     

empty
“Der Satz bestimmt, welche Realität
ihn wahr macht”.
                    Er scheint einen Schatten dieser Rea-
lität zu geben. Der Befehl scheint
seine Ausführung in schattenhafter
Weise zu vorauszunehmen.






     

274
                    Das wird erst dann seltsam, wenn der Befehl etwa ein Glockenzeichen ist. — Denn, in welchem Sinne wird mir dieses Zeichen mitteilt, was ich

275
zu tun habe, ausser dass ich es einfach //eben// tue    und   das Zeichen da war — —. Denn es ist auch nicht das, dass ich es erfahrungsgemäss immer tue, wenn das Zeichen gegeben wird.


     
                    Darum hat es ja auch ohne weiteres    keinen Sinn  , zu sagen: “Ich muss gehen, weil die Glocke geläutet hat”. Sondern, dazu muss noch etwas anderes gegeben sein.

     

289
                    Wie kann man die Handlung von dem Befehl “hole eine gelbe Blume” ableiten? — Wie kann man das Zeichen “5” aus dem Zeichen “2+3” ableiten?

     

137
                    Kann man denn, und in welchem Sinne kann man, aus dem Zeichen plus dem Verständnis (also der Interpretation) die Ausführung ableiten, ehe sie geschieht? Alles was man ableitet, ist doch nur eine Beschreibung der Ausführung und auch diese Beschreibung war erst da, nachdem man    sie   abgeleitet hatte.

     

                    Die    Ausführung   des Befehls leiten wir von diesem erst ab, wenn wir ihn ausführen.

     

112

                     The bridge    can   only be crossed when we get there[,|.] not before. (Gemeint ist die Brücke zwischen Zeichen & Realität.)





     

177
                    Aber, wenn auch mein Wunsch nicht bestimmt, was der Fall sein wird, so bestimmt er doch sozusagen das Thema einer Tatsache, ob die nun den Wunsch erfüllt, oder nicht.

     

                    Muss er nun dazu etwas voraus wissen? Nein. p.⌵.non-p sagt wirklich    nichts  .




     
                    Wenn die Regel heisst “wo Du ein siehst, schreib' ein ‘c’”, so ist damit gegeben, was ich tun soll, so weit es überhaupt gegeben sein kann.


     
                    Denn mehr bestimmt, als durch eine genaue Beschreibung, kann etwas nicht sein. Denn, bestimmen kann nur    heissen  , es beschreiben. Und das ist sehr wichtig.





     

137
                    Wenn ich sage “der Satz bestimmt doch schon im Voraus, was ihn wahr machen wird”: Gewiss, der Satz ‘p’ bestimmt, dass p der Fall sein muss, um ihn wahr zu machen; das ist aber auch alles, was man darüber sa-
gen kann, & <…> sagt heißt nur: „der Satz p = der Satz den die Tatsache p wahr macht”.

     

empty

                     Intention.
Was für ein Vorgang ist sie? Man soll
aus der Betrachtung dieses Vorgangs
ersehen können, was intendiert
wurde wird.

     

135'

                     Wenn eine Vorrichtung als Bremse wirken    soll  , tatsächlich aber aus irggend|welchen Ursachen den Gang der Maschine beschleunigt, so ist die Absicht, der die Vorrichtung dienen sollte, aus ihr allein nicht zu ersehen .
                    Wenn man dann etwa sagt “das ist der Bremshebel, er funktioniert aber nicht”, so spricht man von der Absicht. Ebenso Ähnlich ist es, wenn man eine verdorbene Uhr doch eine Uhr nennt.

     

83
                    Angenommen, das Anziehen des Bremshebels bewirkt manchmal das Abbremsen der Maschine und manchmal nicht. So ist daraus allein nicht zu schliessen, dass er als Bremshebel gedacht war. Wenn nun

84
eine bestimmte Person immer dann, wenn der Hebel nicht als Bremshebel wirkt, ärgerlich würde —. So wäre damit auch nicht das gezeigt, was ich zeigenw will. Ja man könnte dann sagen, dass der Hebel einmal die Bremse, einmal den <…> Aerger betätigt. — Wie drückt es sich nämlich aus, dass die Person    darüber   ärgerlich wird, dass der Hebel die Bremse nicht betätigt hat?
                     (Dieses    über      et  wa    etwas ärgerlich sein   ist nämlich scheinbar von ganz derselben Art, wie: etwas fürchten, etwas wünschen, etwas erwarten, etc.) Das “über etwas ärgerlich sein” verhält sich nämlich zu dem, worüber man ärgerlich ist, nicht wie die Wirkung zur Ursache, also nicht wie Magenschmerzen zu der Speise mit der man sich den Magen verdorben hat. Man kann darüber im Zweifel sein, woran man sich den Magen verdorben hat und die Speise, die etwa die Ursache ist, tritt in die Magenschmerzen nicht als ein Bestandteil dieser Schmerzen ein; dagegen kann man, in einem gewissen Sinne, nicht zweifelhaft sein, worüber man sich ärgert, wovor man sich fürchtet, was man glaubt. (Es heisst nicht “ich weiss nicht, — ich glaube heute, aber ich weiss nicht woran!) — Und hier haben wir natürlich das alte Problem, dass nämlich der Gedanke, dass das und das der Fall ist, nicht voraussetzt, dass es der Fall ist. Dass aber anderseits doch etwas von? der Tatsache für den Gedanken selbst Voraussetzung sein muss. “Ich kann nicht denken, dass etwas rot ist, wenn rot garnicht existiert”. Die Antwort darauf ist, dass die Gedanken in demselben Raum sein müssen, wie das Zweifelhafte, wenn auch an einer <andern Stelle.>

     
Absatz

85
Darin und nur darin besteht auch die
(prästabilierte) Harmonie zwischen Welt und Gedanken.
                    Die Intention ist nun aber von genau derselben Art wie — z.B. —
der Ae[gr|rg]er. Und da scheint es irgendwie, als würde man die Intention
von aussen betrachtet nie als    Inetention   erkennen; als
müsste man sie selbst intendieren meinen, um sie als Meinung zu verstehen.
Das hiesse aber, sie nicht als Phänomen, nicht als Tatsache, zu be-
trachten! Das ist natürlich wieder das vorige Problem, denn der Witz
ist, dass man es den Gedanken (als selbständige Tatsache betrachtet)
ansehen muss, dass er der Gedanke ist, dass das und das der Fall ist.
Kann man es ihm nicht ansehen (so wenig wie den Magenschmerzen woher
sie rühren), dann hat er kein logisches Interesse, oder vielmehr,
dann gibt es keine Logik. — Das kommt auch darauf hinaus, dass man
den Gedanken mit der Realität muss unmittelbar vergleichen können
und es is nicht erst einer Erfahrung bedürfen kann, dass diesem Ge-
danken diese Realität entspricht. (Darum unterscheiden sich auch Gedan-
ken nach ihrem Inhalt, aber Magenschmerzen nicht nach dem, was sie
hervorgerufen hat.)
85
                    Meine Auffassung scheint unsinnig, wenn man sie    so   ausdrückt:
man soll sehen können, worüber [e|E]iner denkt, wenn man ihm den Kopf auf-
macht; wie ist denn das möglich[,|?] die Gegenstände, über die er denkt,
sind ja garnicht in seinem Kopf (ebensowenig wie in seinen Gedanken)!
                    Man muss nämlich die Gedanken, [i|I]ntentionen (etc.) von aussen be-
trachtet als solche verstehen,    ohne   über die Bedeutung von etwas
unterrichtet zu werden. Denn auch die Relation des Bedeutens wird ja
dann als ein Phänomen gesehen (und ich kann darf dann nicht wieder auf eine
Bedeutung des Phänomens hinweisen müssen, da ja dieses Bedeuten wieder
in den Phänomenen dem Phänomen mit inbegriffen ist.)


     
                    Wenn man den Gedanken betrachtet, so kann also von einem Ver-


86
Verstehen nicht keine Rede mehr sein, denn, sieht man ihn, so muss man
ihn als den Gedanken dieses Inhalts erkennen, es ist nichts zu deuten. —
Abervs so ist es ja wirklich, wenn wir denken, da wird nicht gedeutet. —

     

86
                    Die kausale Erklärung des Bedeutens und [v|V]erstehens lautet im
Wesentlichen so: einen Befehl verstehen heisst, man würde ihn aus-
führen, wenn ein gewisser Riegel zurückgezogen würde. — Es würde je-
mandem befohlen, einen Arm zu heben, und man sagt: den Befehl verstehen
heisst, den Arm zu heben. Das ist klar, wenn auch gegen unseren Sprach-
gebrauch (wir nennen das “den Befehl befolgen”). Nun sagt man Frege aber:
Den Befehl verstehen heisst, entweder den Arm heben, oder, wenn das
nicht, etwas bestimmtes [a|A]nderes tun — etwa das Bein heben. Nun heisst
das aber nicht “verstehen im ersten Sinn, denn der Befehl war nicht
“den Arm oder das Bein zu heben”. Der Befehl bezieht sich also (nach
wie vor) auf eine Handlung, die    nicht   geschehen ist. Mit andern
Wo[t|r]ten, es bleibt der Unterschied bestehen zwisc[e|h]en dem Verstehen und
dem Befolgen des Befehls. Und weiter Frege: ein unverstande[r|n]er Befehl ist
gar kein Befehl. — Dieses Verstehen des Befehls kann nicht irgend eine
Handlung sein, (etwa den Fuss heben) sondern sie muss das Wesen des
Befehls selbst enthalten.


     

36
                    Zu S. 738 In der Sprache wird alles    ausgetragen   nicht zu sperren.




     

295
                    Ich gehe die gelbe Blume suchen. Auch wenn mir während des Gehens ein Bild vorschwebt, brauche ich es denn, wenn ich die gelbe Blume — oder eine andere — sehe? — Und wenn ich sage “sobald ich eine gelbe Blume sehe, schnappt, gleichsam, etwas in der Erinnerung //dem Gedächtnis// ein”: kann ich denn dieses Einschnappen eher voraussehen, erwarten, als die gelbe Blume? Ich wüsste nicht, warum. D.h., wenn es in einem bestimmten Fall wirklich so ist, dass ich nicht die gelbe Blume, sondern ein anderes (indirektes) Kriterium erwarte, so ist das dies jedenfalls keine Erklärung des Erwartens.



     

300
                    Es ist nicht so, dass wir eine Unbe[g|f]riedigung // das Phänomen einer
Unbefriedigung spüren // merken bemerken//, die dann durch finden des Fingerhutes
aufgehoben wird // vergeht//, und nun sagen: “also war jenes Phänomen die Er-
wartung des Fingerhutes // den Fingerhut zu finden//”.
                    Nein, das erste Phänomen ist die Erwartung des Fingerhutes // den
Fingerhut zu finden// so sicher, als wie das zweite das Finden des Fingerhutes
ist. Das Wort “Fingerhut” // [d|D]er Ausdruck “finden des Fingerhuts”// gehört zu
der Beschreibung des ersten so notwendig, wie zur Beschreibung des zweiten.
Nur verwechseln wir nicht “die Bedeutung des Wortes ‘Fingerhut’” (den Ort die-
ses Worts im grammatischen Raume) mit der Tatsache, dass ein Fingerhut hier

     

empty

                     Der Gedanke — Erwartung, Wunsch,
etc. — & die gegenwärtige Situation.


     

175
                    (Der Plan kann mich nur leiten, wenn ich auch auf dem Plan bin.)

     

175
                    Wenn ich mit verbundenen Augen die Richtung verloren habe und man mir nun sagt: geh dort und dort hin, so hat dieser Befehl keinen Sinn für mich.

     

145'
                    Ich erwarte mir, dass der Stab    im selben Sinne   2m hoch sein wird, in dem er jetzt 1m 99cm hoch ist.

     

51
                    In    demselben   Sinne, in dem er jetzt ein 1m hoch ist, wird er später 1,5m hoch sein.


     

136
Denn seine Bedeutung, ich meine seine Wichtigkeit, bezieht er ja nur daher.
                    Was hat das, was ich denke, mit dem zu tun, was der Fall ist.



     

302
                    Worin besteht es, sich eine gelbe Blume zu wünschen? Wesentlich darin, dass man in dem, was man sieht, eine gelbe Blume vermisst[.|?] Also auch darin, dass man erkennt, was in dem Satz ausgedrückt ist “ich sehe jetzt keine gelbe Blume”.

     

                    Könnte man auch sagen: Man kann die Erwartung    nicht   beschreiben, wenn man die gegenwärtige Realität nicht beschreiben kann oder, man kann die Erwartung nicht beschreiben, wenn man nicht eine    vergleichende   Beschreibung von Erwartung und Gegenwart geben kann in der Form: Jetzt sehe ich hier einen roten Kreis und erwarte mir später dort ein blaues Viereck.
                    D.h., der Sprachmaßstab muss an dem Punkt der Gegenwart angelegt werden und deutet dann über ihn hinaus — etwa in der Richtung der Erwartung.

     

302

                    wohl aber die Gegenwärtigkeit des Farbenraumes voraussetzt. Ich will sagen: wenn ich über eine gelbe Blume rede, muss ich zwar keine sehen, aber ich muss    etwas   sehen und das Wort “gelbe Blume” hat quasi nur in Uebereinstimmung ˇmit oder im Gegensatz zu dem Bedeutung, was ich sehe. Seine Bedeutung würde quasi nur von dem aus bestimmt, was ich sehe, entweder als das, was ich sehe, oder als das, was davon in der und der Richtung so und so weit liegt. Hier meine ich aber weder Richtung noch Distanz räumlich im gewöhnlichen Sinn, sondern es kann die Richtung von Rot nach Blau und die Farbendistanz von Rot auf ein bestimmtes Blaurot gemeint sein. — Aber auch so stimmt meine Auffassung nicht. Es ist schon richtig, dass der Satz “ich wünsche eine gelbe Blume” den Gesichtsraum voraussetzt, nämlich nur insofern, als er in unserer Sprache voraussetzt, dass der Satz “ich sehe jetzt eine gelbe Blume” und sein Gegenteil Sinn haben muss. hat.. Ja, es muss auch Sinn haben, oder vielmehr, es hat auch Sinn, zu sagen “das Gelb, was ich mir wünsche, ist grünlicher als das, welches ich sehe”. Aber anderseits wird der grammatische Ort des Wortes “gelbe Blume” nicht durch eine Massangabe, bezogen auf das, was ich jetzt sehe, bestimmt. Obwohl, soweit von einer solchen Entfernung und Richtung die Rede überhaupt sein kann, durch die Beschreibung des gegenwärtigen Gesichtsbildes und des Gewünschten diese Entfernung und Richtung im grammatischen Raum gegeben sein muss.


     

empty

                     Glauben

Gründe des Glaubens

     





















602
                    Glauben. Hiermit verwandt ˇist: erwarten, hoffen, fürchten, wünschen. Aber auch: zweifeln, suchen, etc..
                    Man sagt: “Ich habe ihn von 5 bis 6 Uhr erwartet”, “ich habe den ganzen Tag gehofft, er werde kommen”, “in meiner Jugend habe ich gewünscht …”, etc.. Daher der falsche Vergleich mit <…> in der Zeit amorphen Zuständen (Zahnschmerz, das Hören eines Tones, etc., obwohl diese unter sich wieder verschieden sind).


     
                    Was heisst es nun: “ich glaube, er wird um 5 Uhr kommen”? oder: “er glaubt N werde um 5 Uhr kommen”? Nun, woran erkenne ich, dass er das glaubt? Daran, dass er es sagt? oder aus seinem übrigen Verhalten? oder aus beiden? Danach wird man dem Satz “er glaubt …” verschiedenen Sinn geben können.


     
                    Hat es einen Sinn zu fragen: “Woher weisst Du, dass Du das glaubst”? Und ist etwa die Antwort: “ich erkenne es durch Introspection”?
                    In    manchen   Fällen wird man so etwas sagen können, in manchen aber nicht.


     
                    Es hat einen Sinn, zu fragen: “liebe ich sie wirklich? mache ich mir das nicht nur vor?” Und der Prozess der Introspection ist hier das Aufrufen von Erinnerungen, das Vorstellen möglicher Situationen und der Gefühle, die man hätte, etc..


     

empty
Grund, Motiv, Ursache.


     
                    Wenn man nun fragte: Bist Du sicher, dass Du es    deswegen   getan hast? Würde man da nicht schwören, dass man es nur deswegen getan hat? Und ist es nicht doch Erfahrung? Müßte man nicht sagen: man würde schwören, daß man es deshalb tun wollte; nicht, daß der Arm sich aus dieser Ursache zurückgezogen hat? Man beschwört das Motiv, nicht die Ursache.



     


                     Wenn ich sage, die Erfahrung des Wollens könne ich zwarwünschen, aber nicht herbeiführen, so bin ich da wieder bei einem, für die Erkenntnistheorie sehr so charakteristischen Unsinn. Denn in dem Sinne, in

106
welchem ich überhaupt etwas herbeiführen kann (etwa Magenschmerzen durch Ueberessen), kann ich auch das Wollen herbeiführen. (In diesem Sinne führe ich das Schwimmen-Wollen herbei, indem ich in's tiefe Wasser springe.) Ich wollte wohl sagen: ich könnte das Wollen nicht wollen; d.h., es hat keinen Sinn, vom Wollen-wollen zu sprechen. Und mein falscher Ausdruck kam daher, dass man sich das Wollen als ein direktes nicht-kausales, Herbeiführen denken will. Und dem? //Dieser Idee// liegt wieder eine falsche Analogie zugrunde, etwa, dass der kausale Nexus des Willens etwa dem des Innern zum Aeussern entspricht durch eine Reihe von Zahnrädern gebildet wird (die auslassen kann, wenn der Mechanismus gestört wird), während der Nexus des Willens etwa dem des Innern zum Aeussern entspricht, oder dem der Bewegung des physikalischen Körpers zur Bewegung seiner Erscheinung. //seines Gesichtsbildes//

     

611
                    “Wie weisst Du, dass Du es aus diesem Motiv getan hast?” — “Ich erinnere mich daran, es darum getan zu haben”. — “   Woran   erinnerst Du Dich? — Hast Du es Dir damals gesagt; oder erinnerst Du Dich an die Stimmung in der Du warst; oder daran, dass Du Mühe hattest, einen Ausdruck Deines Gefühls zu unterdrücken?”
                    Und wenn man etwa einen Ausdruck seines Gefühls nur mit Mühe unterdrückt hat, — wie war das? Hatte man sich ihn damals leise vorgesagt? etc. etc..


     
                    Das Motiv ist nicht eine Ursache ‘von innen gesehen’! Das Gleichnis von ‘innen und aussen’ ist hier — wie so oft — gänzlich irreleitend. — Es ist von der Idee der Seele (eines Lebewesens) im Kopfe (als Hohlraum vorgestellt) hergenommen //hergeleitet//. Aber diese Idee ist darin mit andern unvereinbaren vermengt, wie die Metaphern in dem Satz: “der Zahn der Zeit, der alle Wunden heilt, etc.”.

     

610
                    “Wie weisst Du, dass das wirklich der Grund ist, weswegen Du es glaubst? — (das?) ist, als fragte ich: “wie weisst Du, dass es    das   ist, was Du glaubst”. Denn er gibt nicht die Ursache eines Glaubens an, die er nur vermuten könnte, sondern beschreibt einen Vorgang von Operationen, die zu dem Geglaubten führen (und etwa geführt haben). Einen Vorgang, der seiner Art nach zu dem des Glaubens gehört. — Der Unterschied zwischen der Frage nach der Ursache und der (Frage) nach dem Grund des Glaubens ist etwa so, wie der, zwischen der Frage: “was ist die physikalische Ursache davon, dass Du da bist” und der Frage: “auf welchem Wege bist Du hergekommen”. Und hier sieht man sehr klar, wie auch die Angabe der Ursache</>als Angabe eines Weges aufgefasst werden kann, aber in ganz anderem Sinne.


     
                    “Man kann die Ursache einer Erscheinung nur vermuten” (nicht    wissen  ). — Das muss ein Satz der Grammatik sein. Es ist nicht gemeint, dass wir ‘mit dem besten Willen’ die Ursache nicht wissen können. Der Satz ist insofern ähnlich dem: “wir können in der Zahlenreihe, soweit wir auch zählen, kein Ende erreichen”. Das heisst: von einem “Ende der Zahlenreihe” kann keine Rede sein; und dies ist — irreführend — in das Gleichnis gekleidet von Einem, der wegen der grossen Länge des Weges das Ende nicht erreichen kann. — So gibt es einen Sinn, in dem ich sagen kann: “ich kann die Ursache dieser Erscheinung nur vermuten” d.h.: es ist mir noch nicht gelungen, sie (im gewöhnlichen Sinn) ‘festzustellen’. Also im Gegensatz zu dem Fall, in dem es mir gelungen ist, wo? //in dem// ich also die Ursache weiss. — Sage ich nun aber, als metaphysischen Satz, “ich kann die //eine// Ursache immer nur vermuten”, so heisst das: ich will im Falle der Ursache immer nur von ‘vermuten’ und nicht von ‘wissen’ sprechen, um so Fälle verschiedener Grammatik voneinander zu unterscheiden. (Das ist also so, wie wenn ich sage: ich will in einer Gleichung das Zeichen “=” und

611
nicht das Wort “ist” gebrauchen.) Was also an unserem ersten Beispiel falsch ist, ist das Wort “nur”, aber freilich gehört das eben ganz zu dem Gleichnis, das schon im Gebrauch des Wortes “können” liegt.

     

611
                    Nach den Gründen zu einer Annahme gefragt,    besinnt   man sich auf diese Gründe. Geschieht hier dasselbe, wie, wenn man über die

612
Ursachen eines Ereignisses nachdenkt? //… wenn man darüber nachdenkt, was die Ursachen eines Ereignisses gewesen sein mögen?//




     

Philosophie

     

empty

                     Schwierigkeit der Philosophie,
nicht die intelektuelle Schwierigkeit der
Wissenschaften, sondern die Schwierigkeit
der einer Umstellung. Widerstände des Willens
sind zu überwinden.





     

empty

                     Die Philosophie zeigt die irrefüh-
renden Analogien im Gebrauch
unsrer Sprache auf



     

244
                    Wenn ich einen philosophischen Fehler rektifiziere und sage,

245
man hat sich das immer so vorgestellt, aber so ist es nicht, so zeige ich immer auf eine Analogie //so muss ich immer … zeigen//, nach der man sich gerichtet hat, und, dass diese Analogie nicht stimmt. //… so muss ich immer eine Analogie aufzeigen, nach der man gedacht hat, die man aber nicht als Analogie erkannt hat.//

     

695
                    Die Wirkung einer in die Sprache aufgenommenen falschen Analogie: Sie bedeutet? einen ständigen Kampf und Beunruhigung (quasi einen ständigen Reiz). Es ist, wie wenn ein Ding aus der Entfernung ein Mensch zu sein scheint, weil wir dann Gewisses nicht wahrnehmen, und in der Nähe sehen wir, dass es ein Baumstumpf ist. Kaum entfernen wir uns ein wenig und verlieren die Erklärung aus dem Auge, so erscheint uns    eine   Gestalt; sehen wir darauf-hin näher zu, so sehen wir eine andere; nun entfernen wir uns wieder, etc. etc..

     

589
                    (Der aufregende Charakter der grammatischen Unklarheit.)

     

13
                    Philosophieren ist: falsche Argumente zurückweisen.

     

                    Der Philosoph trachtet, das erlösende Wort zu finden, das ist das Wort, das uns endlich erlaubt, das zu fassen, was bis jetzt immer, ungreifbar, unser Bewusstsein belastet hat.
                    (Es ist, wie wenn man ein Haar auf der Zunge liegen hat; man

159
spürt es, aber kann es nicht erfassen //ergreifen// und darum nicht loswerden.)




     

264
                    Eine der wichtigsten Aufgaben ist es ja, alle falschen Gedankengänge so charakteristisch auszudrücken, dass der Leser sagt “ja, genau so habe ich es gemeint”. Die Physiognomie jedes Irrtums nachzuzeichnen.

     

265

                     Wir können ja auch nur dann den Andern eines Fehlers überführen, wenn er anerkennt, dass dies wirklich der Ausdruck seines Gefühls ist. //… wenn er diesen Ausdruck (wirklich) als den richtigen Ausdruck seines Gefühls anerkennt.//


     

                     Nämlich, nur wenn er ihn als solchen anerkennt,    ist   er der richtige Ausdruck. (Psychoanalyse.)



     

empty
Woher das Gefühl des Fundamentalen
unserer grammatischen Untersu-
chungen?



     

516
                    Woher nimmt die Betrachtung ihre Wichtigkeit: , die uns darauf aufmerksam macht, dass man eine Tabelle auf mehr als    eine   Weise brauchen kann, dass man sich eine Tabelle als Anleitung zum Gebrauch einer Tabelle ausdenken kann, dass man einen Pfeil auch als Zeiger der Richtung von der Spitze zum Schwanzende auffassen kann, dass ich eine Vorlage auf mancherlei Weise als Vorlage benützen kann?





     

245
                    Warum empfinden wir die Untersuchung der Grammatik als fundamental?


     
                    (Das Wort “fundamental” kann auch nichts metalogisches, oder philosophisches bedeuten[.|,] wenn wo es überhaupt eine Bedeutung hat.)


     
                    Die Untersuchung der Grammatik ist im selben Sinne fundamental, wie wir die Sprache fundamental — etwa ihr eigenes Fundament — nennen können.









     

empty

                     Methode der Philosophie:
die übersichtliche Darstellung der
Grammatischen //sprachlichen// Tatsachen
.
Das Ziel: Durchsichtigkeit der Argu-
mente. Gerechtigkeit.

     

                    Es hat Einer gehört, dass der Anker eines Schiffes durch eine Dampfmaschine aufgezogen werde. Er denkt nur an die, welche das Schiff treibt (und nach welcher es Dampfschiff heisst) und kann sich, was er gehört hat, nicht erklären. (Vielleicht fällt ihm die Schwierigkeit auch erst später ein.) Nun sagen wir ihm: Nein, es ist nicht    diese   Dampfmaschine, sondern ausser ihr gibt es noch eine Reihe anderer an Bord und eine von diesen hebt den Anker. — War sein Problem ein philosophisches? War es ein philosophisches, wenn er von der Existenz anderer Dampfmaschinen auf dem Schiff gehört hatte und nur daran erinnert werden musste? — Ich glaube, seine Unklarheit hat zwei Teile: Was der Erklärende

519
ihm als Tatsache mitteilt, hätte der Fragende sehr wohl als Möglichkeit sich selber ausdenken können, und seine Frage in bestimmter Form, statt in der des blossen Zugeständnisses der Unklarheit vorlegen können. Diesen Teil des Zweifels hätte er selber beheben können, dagegen konnte ihn Nachdenken nicht über die Tatsachen belehren. Oder: Die Beunruhigung, die davon herkommt, dass er die Wahrheit nicht wusste, konnte ihm kein Ordnen seiner Begriffe nehmen.
                    Die andere Beunruhigung und Unklarheit wird durch die Worte “hier stimmt mir etwas nicht” gekennzeichnet und die Lösung, durch (die Worte): “Ach so, Du meinst nicht    die   Dampfmaschine” oder — für einen andern Fall — “… Du meinst mit Dampfmaschine nicht nur Kolbenmaschine”.


     
                    Die Arbeit des Philosophen ist ein Zusammentragen von Erinnerungen zu einem bestimmten Zweck.


     
                    Eine philosophische Frage ist ähnlich der, nach der Verfassung einer bestimmten Gesellschaft. — Und es wäre etwa so, als ob eine Gesellschaft ohne klar</>geschriebene Regeln zusammenkäme, aber mit einem Bedürfnis nach solchen: ja, auch mit einem Instinkt, durch welchen sie gewisse Regeln in ihren Zusammenkünften beobachten //einhalten//: nur, dass dies dadurch erschwert wird, dass nichts hierüber klar ausgesprochen ist und keine Einrichtung getroffen, die die Regeln deutlich macht. //klar hervortreten lässt. // So betrachten sie tatsächlich Einen von ihnen als Präsidenten, aber er sitzt nicht oben an der Tafel, ist durch nichts kenntlich und das erschwert die Verhandlung. Daher kommen wir und schaffen eine klare Ordnung: Wir setzen den Präsidenten an einen leicht kenntlichen Platz und seinen Sekretär zu ihm an ein eigenes Tischchen und die übrigen gleichberechtigten Mitglieder in zwei Reihen zu bei-

520
den Seiten des Tisches etc. etc..

     

520
                    Wenn man die Philosophie fragt: “   was ist   — z.B. — Substanz?” so wird um eine Regel gebeten. Eine allgemeine Regel, die für das Wort “Substanz”    gilt  , d.h.: nach welcher ich zu spielen entschlossen bin. — Ich will sagen: die Frage “was ist …” bezieht sich nicht auf einen besonderen — praktischen — Fall, sondern wir fragen sie von unserm Schreibtisch aus. Erinnere Dich nur an den Fall des Gesetzes der Identität, um zu sehen, dass es sich bei der Erledigung einer philosophischen Schwierigkeit nicht um das Aussprechen neuer Wahrheiten über den Gegenstand der Untersuchung (der Identität) handelt.
                    Die Schwierigkeit besteht nur darin, zu verstehen, was uns die Festsetzung einer Regel hilft. Warum die uns beruhigt, nachdem wir so schwer beunruhigt waren. Was uns beruhigt, ist offenbar, daß wir ein System sehen, das diejenigen Gebilde (systematisch) ausschliesst, die uns immer beunruhigt haben, mit denen wir nichts anzufangen wussten und die wir doch ?—respektieren zu müssen glaubten—?. Ist die Festsetzung einer solchen grammatischen Regeln in dieser Beziehung nicht wie die Entdeckung einer Erklärung in der Physik? z.B., des Copernicanischen Systems? Eine Aehnlichkeit ist vorhanden. — Das Seltsame an der philosophischen Beunruhigung und ihrer Lösung möchte scheinen, dass sie ist, wie die Qual des Asketen, der, eine schwere Kugel, unter Stöhnen stemmend, da stand und den ein Mann erlöste, indem er ihm sagte: “lass' sie fallen”. Man fragt sich: wenn Dich diese Sätze beunruhigen, Du nichts mit ihnen anzufangen wuss-

521
test, warum liessest Du sie nicht schon früher fallen, was hat Dich daran gehindert? Nun, ich glaube, es war das falsche System, dem er sich anbequemen zu müssen glaubte, etc..

     

664
                    (Die besondere Beruhigung, welche eintritt, wenn wir einem Fall, den wir für einzigartig hielten, andere ähnliche Fälle an die Seite stellen können, tritt in unseren Untersuchungen immer wieder ein, wenn wir zeigen, dass ein Wort nicht nur eine Bedeutung (oder, nicht nur zwei) hat, sondern in fünf oder sechs verschiedenen (Bedeutungen) gebraucht wird.)


     

281
                    Der Begriff der übersichtlichen Darstellung ist für uns von grundlegender Bedeutung. Er bezeichnet unsere Darstellungsform, die Art, wie

282
wir die Dinge sehen. (Eine Art der ‘Weltanschauung’, wie sie scheinbar für unsere Zeit typisch ist. Spengler.)




     

120'
                    Unserer Grammatik fehlt es vor allem an    Uebersichtlichkeit  .







     

Zeile
                    Die Antwort auf die Frage nach der Erklärung der Negation ist
wirklich: verstehst Du sie denn nicht?Nun, wenn Du sie verstehst, was gibt es da noch zu erklären, was hat eine Erklärung da noch zu tun?

     

362
                    Wir müssen wissen, was    Erklärung   heisst. Es ist die ständige Gefahr, dieses Wort in der Logik in einem Sinn verwenden zu wollen, der von der Physik hergenommen ist.




     

518

                    Die philosophisch wichtigsten Aspekte der Dinge //der Sprache// sind durch ihre Einfachheit und Alltäglichkeit verborgen.
                    (Man kann es nicht bemerken, weil man es immer (offen) vor Augen hat.)


     

38

                     (Eines der grössten Hindernisse für die Philosophie ist die Erwartung neuer tiefer //unerhörter// Aufschlüsse.)


     
                    Das muss sich auch darauf beziehen, dass ich keine Erklärungen der Variablen “Satz” geben kann. Es ist klar, dass dieser logische Be-






     

518

                    Das philosophische Problem ist ein Bewusstsein der Unordnung in unsern Begriffen, und durch Ordnen derselben zu heben.

     

433
                    Ein philosophisches Problem ist immer von der Form: “Ich kenne mich einfach nicht aus”.


     

194
                    Wenn ich Recht habe, so müssen sich philosophische Probleme wirklich restlos lösen lassen, im Gegensatz zu allen andern.



     
                    Die Probleme werden im eigentlichen Sinne aufgelöst — wie ein Stück Zucker im Wasser.

     

581
                    /Die Menschen, welche kein Bedürfnis nach Durchsichtigkeit ihrer Argumentation haben, sind für die Philosophie verloren./

     

empty
Philosophie

Die Klärung des Sprachgebrauches.
Fallen der Sprache.

     

753
                    Wie kommt ˇes, dass die Philosophie ein so komplizierter Bau //Aufbau// ist. Sie sollte doch gänzlich einfach sein, wenn sie jenes Letzte, von aller Erfahrung Unabhängige ist, wofür Du sie ausgibst. — Die Philosophie löst Knoten auf, die wir in unser Denken gemacht haben //löst die Knoten in unserem Denken auf//; daher muss ihr Resultat einfach sein, ihre Tätigkeit aber so kompliziert wie die Knoten, die sie auflöst.

     

464
                    Lichtenberg: “Unsere ganze Philosophie ist Berichtigung des Sprachgebrauchs, also, die Berichtigung einer Philosophie, und zwar der allgemeinsten.”

     

8
                    (Die Fähigkeit zur Philosophie besteht in der Fähigkeit, von einer Tatsacher der Grammatik einen starken und? nachhaltigen Eindruck zu empfangen.)


     

570
                    /Das Lehren der Philosophie hat dieselbe ungeheure Schwierigkeit, welche der Unterricht in der Geographie hätte, wenn der Schüler eine Menge falsche und viel zu einfache //und falsch vereinfachte// Vorstellungen über den Lauf und Zusammenhang der Flussläufe? //Flüsse// und Gebirgsketten //Gebirge// mitbrächte./

     

570
                    /Die Menschen sind tief in den philosophischen d.i. grammatischen Konfusionen eingebettet. Und, sie daraus zu befreien, setzt voraus, dass man sie aus den ungeheuer mannigfachen Verbindungen herausreisst, in denen sie gefangen sind. Man muss sozusagen ihre ganze Sprache umgruppieren. — Aber diese Sprache ist ja so entstanden //geworden//, weil Menschen die Neigung hatten — und haben —    so   zu denken. Darum geht das

571
Herausreissen nur bei denen, die in einer instinktiven Auflehnung gegen //Unbefriedigung mit// die der Sprache leben. Nicht bei denen, die ihrem ganzen Instinkt nach in    der   Herde leben, die diese Sprache als ihren eigentlichen Ausdruck geschaffen hat./

     

516
                    Die Sprache hat für Alle die gleichen Fallen bereit; das ungeheure Netz gut erhaltener //gangbarer// Irrwege. Und so sehen wir also    Einen n   Einen nach dem Andern die gleichen Wege gehen und wissen schon, wo er jetzt abbiegen wird, wo er geradaus fortgehen wird, ohne die Abzweigung zu bemerken, etc. etc.. Ich sollte also an allen den Stellen, wo falsche Wege abzweigen, Tafeln aufstellen, die über die gefährlichen Punkte hinweghelfen.

     

82
                    Man hört immer wieder die Bemerkung, dass die Philosophie eigentlich keinen Fortschritt mache, dass die gleichen philosophischen Probleme, die schon die Griechen beschäftigten, uns noch beschäftigen. Die das aber sagen, verstehen nicht den Grund, warum es so ist //sein muss//. Der ist aber, dass unsere Sprache sich gleich geblieben ist und uns immer wieder zu denselben Fragen verführt. Solange es ein Verbum, ‘sein’ geben wird, das zu funktionieren scheint wie ‘essen’ und ‘trinken’, solange es Adjektive ‘identisch’, ‘wahr’, ‘falsch’, ‘möglich’, geben wird, solange von einem Fluss der Zeit und von einer Ausdehnung des Raumes die Rede sein wird, u.s.w., u.s.w., solange werden die Menschen immer wieder an die gleichen rätselhaften Schwierigkeiten stossen, und auf etwas starren, was keine Erklärung scheint wegheben zu können.
                    Und dies befriedigt im Uebrigen ein Verlangen nach dem Ueberirdischen //Transcendenten//, denn, indem sie die “Grenze des menschlichen Verstandes” zu sehen glauben, glauben sie natürlich, über ihn hinaus sehen zu können.



     

646
                    Der Konflikt, in welchem wir uns in logischen Betrachtungen immer wieder befinden, ist wie der Konflikt zweier Personen, die miteinander einen Vertrag abgeschlossen haben, dessen letzte Formulierungen in leicht missdeutbaren Worten niedergelegt sind, wogegen die Erläuterungen zu diesen Formulierungen alles in unmissverständlicher Weise erklären. Die eine der beiden Personen nun hat ein kurzes Gedächtnis, vergisst die Erläuterungen immer wieder, missdeutet die Bestimmungen des Vertrages und kommt //gerät daher// fortwährend in Schwierigkeiten. Die andere muss immer von frischem an die Erläuterungen im Vertrag erinnern und die Schwierigkeit wegräumen.

     

168
                    Erinnere Dich daran, wie schwer es Kindern fällt, zu glauben, (oder einzusehen) dass ein Wort wirklich zwei ganz verschiedene Bedeutungen hat //haben kann//.







     
empty

     

124'
                    Dass uns nichts auffällt, wenn wir uns umsehen, im Raum herumgehen, unseren eigenen Körper fühlen etc. etc., das zeigt, wie natürlich uns eben diese Dinge sind. Wir nehmen nicht wahr, dass wir den Raum perspektivisch sehen oder dass das Gesichtsbild gegen den Rand zu in irgendeinem Sinne verschwommen ist. Es fällt uns nie auf und kann uns nie auffallen, weil es    die   Art der Wahrnehmung ist. Wir denken nie darüber nach, und es ist unmöglich, weil es zu der Form unserer Welt keinen Gegensatz gibt.

     

125'
                    Ich wollte sagen, es ist merkwürdig, dass die, die nur den Dingen, nicht unseren Vorstellungen, Realität zuschreiben, sich in der Vorstellungswelt so selbstverständlich bewegen und sich nie aus ihr heraussehnen.
                    D.h., wie selbstverständlich ist doch das Gegebene. Es müsste mit allen Teufeln zugehen, wenn das das kleine, aus einem schiefen Winkel aufgenommene Bildchen wäre.
                    Dieses Selbstverständliche,    das Leben  , soll etwas Zufälliges, Nebensächliches sein; dagegen etwas, worüber ich mir normalerweise nie den Kopf zerbreche, das Eigentliche!
                    D.h., das, worüber hinaus man nicht gehen kann, noch gehen will, wäre nicht die Welt.
                    Immer wieder ist es der Versuch, die Welt in der Sprache abzugrenzen und hervorzuheben, — was aber nicht geht. Die Selbstverständlichkeit der Welt drückt sich eben darin aus, dass die Sprache nur sie bedeutet, und nur sie bedeuten kann.
                    Denn, da die Sprache die Art ihres Bedeutens erst von ihrer Bedeutung, von der Welt, erhält, so ist keine Sprache denkbar, die nicht diese Welt darstellt.

     

747
                    In den Theorien und Streitigkeiten der Philosophie finden wir die Worte, deren Bedeutungˇen uns vom alltäglichen Leben her wohlbekannt sind, in einem ultraphysischen Sinne angewandt.

     

405
                    Wenn die Philosophen ein Wort gebrauchen und nach seiner Bedeutung forschen, muss man sich immer fragen: wird denn dieses Wort in der Sprache, die es geschaffen hat //für die es geschaffen ist//, je tatsächlich so gebraucht?
                    Man wird dann meistens finden, dass es nicht so ist., und das Wort gegen seine normale //entgegen seiner normalen// Grammatik gebraucht wird. (“Wissen”, “Sein”, “Ding”.)


     

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                     Methode in der Philosophie.
Möglichkeit des ruhigen Fortschreitens.



     

464
                    Die Unruhe in der Philosophie kommt daher, dass die

465
Philosophen die Philosophie falsch ansehen, falsch sehen, nämlich gleichsam in (unendliche) Längsstreifen zerlegt, statt in (endliche) Querstreifen. Diese Umstellung der Auffassung macht die    grösste   Schwierigkeit. Sie wollen also gleichsam den unendlichen Streifen erfassen, und klagen, dass es //dies// nicht Stück für Stück möglich ist. Freilich nicht, wenn man unter einem Stück einen endlosen Längsstreifen versteht. Wohl aber, wenn man einen Querstreifen als Stück //ganzes, definitives Stück// sieht. — Aber dann kommen wir ja mit unserer Arbeit nie zu Ende! Freilich Gewiss nicht, denn sie hat ja keins.

     

466
                    (Statt der turbulenten Mutmassungen und Erklärungen wollen wir ruhige Darlegungen //Konstatierungen// sprachlicher Tatsachen geben. //? —von sprachlichen Tatsachen geben— ?.//) //wollen wir die ruhige Festsetzung sprachlicher Tatsachen.//

     

320
                    Wir müssen die ganze Sprache durchpflügen.

     

517
                    (Die meisten Menschen, wenn sie eine philosophische Untersuchung anstellen sollen, machen es wie Einer, der äusserst nervös einen Gegenstand in einer Lade sucht. Er wirft Papiere aus der Lade heraus — das Gesuchte mag darunter sein — blättert hastig und ungenau unter den übrigen. Wirft wieder einige in die Lade zurück, bringt sie mit den andern durcheinander, u.s.w.. Man kann ihm dann nur sagen: Halt, wenn Du    so   suchst, kann ich Dir nicht suchen helfen. Erst musst Du anfangen, in voll-

518
ster Ruhe methodisch eins nach dem andern zu untersuchen; dann bin ich auch bereit, mit Dir zu suchen und mich auch in der Methode nach Dir zu richten.)

     

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Die Mythologie in den Formen
                     unserer Sprache. [Paul Ernst]

     

281
                    In den alten Riten haben wir den Gebrauch einer äussert ausgebildeten Gebärdensprache.
                    Und wenn ich in Frazer lese, so möchte ich auf Schritt und Tritt sagen: Alle diese Prozesse, diese Wandlungen der Bedeutung, haben wir noch in unserer Wortsprache vor uns. Wenn das, was sich in der letzten Garbe verbirgt, der ‘Kornwolf’ genannt wird, aber auch diese Garbe selbst, und auch der Mann der sie bindet, so erkennen wir hierin einen uns wohlbekannten sprachlichen Vorgang.







     
                    Die primitiven Formen unserer Sprache: Substantiv, Eigenschaftswort und Tätigkeitswort zeigen das einfache Bild<,> auf, dessen Form sie alles zu bringen sucht.


     

Phänomenologie

     

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Phänomenologie ist
Grammatik

     

753
                    Die Untersuchung der Regeln des Gebrauchs unserer Sprache, die Erkenntnis dieser Regeln und übersichtliche Darstellung, läuft auf das hinaus, d.h. leistet dasselbe, was man oft durch die Konstruktion einer phänomenologischen Sprache leisten //erzielen// will.
                    Jedesmal, wenn wir erkennen, dass die und die Darstellungsweise auch durch eine andre ersetzt werden kann, machen wir einen Schritt zu diesem Ziel.

     

522
                    ““Angenommen, mein Gesichtsbild wären zwei gleichgrosse rote Kreise auf blauem Grund: was ist hier in zweifacher Zahl vorhanden, und was einmal? (Und was bedeutet diese Frage überhaupt?) — Man könnte sagen: wir haben hier    eine   Farbe, aber zwei Oertlichkeiten. Es wurde aber auch gesagt, rot und kreisförmig seien Eigenschaften von zwei Gegenständen, die man Flecke nennen könnte, und die in gewissen räumlichen Beziehungen zu einander stehen.”” Die Erklärung “es sind hier zwei Gegenstände — Flecke —, die …” klingt wie eine Erklärung der Physik. Wie wenn Einer fragt “was sind das für rote Kreise, die ich dort sehe” und

523
ich antworte “das sind zwei rote Laternen, etc.”. Eine Erklärung wird aber hier nicht gefordert (unsere Unbefriedigung durch eine Erklärung lösen zu wollen ist der Fehler der Metaphysik). Was uns beunruhigt, ist die Unklarheit über die Grammatik des Satzes “ich sehe zwei rote Kreise auf blauem Grund”; insbesondere die Beziehungen zur Grammatik der Sätze //eines Satzes// wie “auf dem Tisch liegen zwei rote Kugeln”; und wieder “auf diesem Bild sehe ich zwei Farben”. Ich kann //darf// natürlich statt des ersten Satzes sagen: “ich sehe zwei Flecken mit //von// den Eigenschaften Rot und Kreisförmig und in der räumlichen Beziehung Nebeneinander” — und ebensowohl: “ich sehe die Farbe rot an zwei kreisförmigen Oertlichkeiten nebeneinander” — wenn ich bestimme, dass diese Ausdrücke das gleiche bedeuten sollen, wie der obige Satz. Es wird sich dann einfach die Grammatik der Wörter “Fleck”, “Oertlichkeit”, “Farbe”, etc. nach der (Grammatik) der Wörter des ersten Satzes richten müssen. Die Konfusion entsteht hier dadurch, dass wir glauben, über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Gegenstands (Dinges) — des Flecks — entscheiden zu müssen; wie wenn man entscheidet, ob, was ich sehe (im physikalischen Sinn) ein roter Anstrich oder ein Reflex ist.

     

739
                    Irrtümliche Anwendung unserer physikalischen Ausdrucksweise auf Sinnesdaten. “Gegenstände”, d.h. Dinge, Körper im Raum des Zimmers — und “Gegenstände” im Gesichtsfeld; der Schatten eines Körpers an der Wand als Gegenstand! Wenn man gefragt wird: “existiert der Kasten noch, wenn ich ihn nicht anschaue”, so ist die korrekte Antwort: “ich glaube nicht, dass ihn jemand gerade dann wegtragen wird, oder zerstören”. Die Sprachform “ich nehme x wahr” bezieht sich ursprünglich auf ein Phänomen (als Argument)

740
im physikalischen Raum (ich meine hier: im “Raum” der alltäglichen Ausdrucksweise). Ich kann diese Form daher nicht unbedenklich auf das anwenden, was man Sinnesdatum nennt, etwa auf ein optisches Nachbild. (Vergleiche auch, was wir über die Identifizierung von Körpern, und anderseits von Farbflecken im Gesichtsfeld gesagt haben.) Was es heisst: ich, das Subjekt, stehe dem Tisch, als Objekt, gegenüber, kann ich leicht verstehen; in welchem Sinne aber stehe ich meinem optischen Nachbild des Tisches gegenüber?
                    “Ich kann diese Glasscheibe nicht sehen, aber ich kann sie fühlen”. Kann man sagen: “ich kann das Nachbild nicht    sehen  , aber…”? Vergleiche: “Ich sehe den Tisch deutlich”;
            “ich sehe das Nachbild deutlich”.
             “Ich höre die Musik deutlich”;
            “ich höre das Ohrensausen deutlich”.
                    Ich sehe den Tisch nicht deutlich, heisst etwa: ich sehe nicht alle Einzelheiten des Tisches; — was aber heisst es: “ich sehe nicht alle Einzelheiten des Nachbildes”, oder: “ich höre nicht alle Einzelheiten des Ohrenklingens”?
                    Könnte man nicht sehr wohl statt “ein Nachbild sehen” sagen: “ein Nachbild haben”? Denn: ein Nachbild “   sehen  ”? im Gegensatz wozu? —
                    “Wenn Du mich auf den Kopf schlägst, sehe ich Kreise”. — “Sind es genaue Kreise, hast Du sie gemessen?” (Oder: “sind es gewiss Kreise, oder täuscht Dich Dein Augenmass?”) — Was heisst es nun, wenn man sagt: “wir können nie einen genauen Kreis sehen”? Soll das eine Erfahrungstatsache sein, oder die Konstatierung einer logischen Unmöglichkeit? — Wenn das letztere, so heisst es also, dass es keinen Sinn hat, vom Sehen eines genauen Kreises zu reden. Nun, das kommt drauf an, wie man das Wort gebrauchen will. “Genauer Kreis” im Gegensatz zu einem Gesichtsbild, das wir eine sehr kreisähnliche Elipse nennen würden, kann man doch gewiss sagen.

741
Das Gesichtsbild ist ein genauer Kreis,    Das   Gesichtsbild ist dann ein genauer Kreis, welches uns wirklich, wie wir sagen würden, kreisförmig erscheint und nicht vielleicht nur sehr ähnlich einem Kreis Kreise. Ist anderseits von einem Gegenstand der Messung die Rede, so gibt es wieder verschiedene Bedeutungen des Ausdrucks “genauer Kreis”, je nach dem Erfahrungskriterium, welches ich dafür bestimme, dass der Gegenstand genau kreisförmig ist. //…je nach dem Erfahrungskriterium, das ich für die genaue Kreisförmigkeit des Gegenstandes bestimme.// Wenn ich nun sage //wir nun sagen//: “keine Messung ist absolut genau”, so erinnern wir hier an einen Zug in der Grammatik der Angabe von Messungsresultaten. Denn sonst könnte uns Einer sehr wohl antworten: “wie weisst Du das, hast Du alle Messungen untersucht?” — “Man kann nie einen genauen Kreis sehen” kann die    Hypothese   sein, dass genauere Messung eines kreisförmig aussehenden Gegenstandes immer zu dem Resultat führen wird, dass der Gegenstand von der Kreisform abweicht. — Der Satz “man kann ein 100-Eck nicht von einem Kreis unterscheiden” hat nur Sinn, wenn man die beiden auf irgend    eine   Weise unterscheiden kann, und sagen will, man könne sie, etwa visuell, nicht unterscheiden. Wäre keine Methode der Unterscheidung vorgesehen, so hätte es also keinen Sinn, zu sagen, dass diese zwei Figuren (zwar) gleich aussehen, aber “in Wirklichkeit” //“tatsächlich”// verschieden sind. Und jener Satz wäre dann etwa die Definition 100-Eck = Kreis.
                    Ist in irgend einem Sinne ein genauer Kreis im Gesichtsfeld undenkbar, dann muss der Satz “ich sehe nie einen genauen Kreis im Gesichtsfeld” von der Art des Satzes sein: “ich sehe nie ein hohes C im Gesichtsfeld”. //…, dann muss der Satz “im Gesichtsfeld ist nie ein genauer Kreis” von der Art des Satzes sein: “im Gesichtsfeld ist nie ein hohes C.”//

     

141'
                    Der Farbenraum wird z.B.    beiläufig   dargestellt durch das Oktoeder, mit den reinen Farben an den Eckpunkten und diese Darstellung ist eine grammatische, keine psychologische. Zu sagen, dass unter den und den Umständen — etwa — ein rotes Nachbild sichtbar wird, ist dagegen Psychologie (   das   kann sein, oder auch nicht, das andere ist a priori; das Eine dur kann durch Experimente festgestellt werden, das Andere nicht.)








     

empty

                     Kann man in die Eigenschaf-
ten des Gesichtsraumes tiefer
eindringen? etwa durch Expe-
rimente?

     

123'
                    Die Tatsache, dass man ein physikalisches Hunderteck als Kreis sieht, es nicht von einem physikalischen Kreis unterscheiden kann, sagt gar nichts über die    Möglichkeit  , ein Hunderteck zu sehen.
                    Dass es mir nicht gelingt, einen physikalischen Körper zu finden, der das Gesichtsbild eines Hundertecks gibt, ist nicht von logischer Bedeutung. Es frägt sich: Hat es    Sinn   von einem Gesichts-Hunderteck zu reden? Oder: Hat es Sinn, von    zugleich gesehenen   30 Strichen nebeneinander zu reden. Ich glaube, nein.
                    Der Vorgang ist gar nicht so, dass man zuerst ein Dreieck, dann ein Viereck, Fünfeck etc. bis z.B. zum 50-Eck sieht und dann der Kreis kommt; sondern man sieht ein Dreieck, ein Viereck etc. bis vielleicht zum Achteck, dann sieht man nur mehr Viel-Ecke mit mehr oder weniger langen Seiten. Die Seiten werden kleiner, dann beginnt ein Fluktuieren zum Kreis hin und dann kommt der Kreis.
                    Dass eine physikalische Gerade als Tangente an einen Kreis gezogen das Gesichtsbild einer geraden Linie gibt, die ein Stück weit mit der gekrümmten zusammenläuft, beweist auch nicht, dass unser Sehraum nicht euklidisch ist, denn es könnte sehr wohl ein anderes physikalisches Gebilde das der euklidischen Tangente entsprechende Bild erzeugen. Tatsächlich aber ist ein solches Bild undenkbar.

     

154'
                    Wenn man frägt, ob die Tonleiter eine unendliche Möglichkeit der Fortsetzung in sich trägt, so ist die Antwort nicht dadurch gegeben, dass man Luftschwingungen, die eine gewisse Schwingungszahl überschreiten nicht mehr als Töne wahrnimmt, denn es könnte n ja die Möglichkeit bestehen, höhere Tonempfindungen auf andere Art und Weise hervorzurufen.

     

180
                    Die Geometrie unseres Gesichtsraumes ist uns gegeben, d.h., es bedarf keiner Untersuchung bis jetzt verborgener Tatsachen, um sie zu finden. Die Untersuchung ist keine, im Sinn einer physikalischen, oder psychologischen Untersuchung. Und doch kann man sagen, wir kennen diese Geometrie noch nicht. Diese Geometrie ist Grammatik & die Unters. eine gramm. Unters..

     


                     Man kann sagen, diese Geometrie liegt offen vor uns (wie alles Logische) — im Gegensatz zur praktischen Geometrie des physikalischen Raumes).

     

194
fen.
                    Niemand kann uns ˇdurch eine philos. Untersuchung unseren den Gesichtsraum näher kennen lehren. Aber wir können seine sprachliche Darstellung übersehen lernen. Unterscheide die geom. Unters. von der Unters. d. Vorgänge im Ges. Raum.



     
                    Vergleich des Arbeitens an der Rechenmaschine mit dem Messen geometrischer Gebilde. Machen wir bei dieser Messung ein Experiment, es oder verhält es sich so, wie im Falle der Rechenmaschine, dass wir nur interne Relationen feststellen und das physikalische Resultat unserer Operationen nichts beweist?





     

empty
Gesichtsraum im Gegensatz
zum Euklidischen Raum.

     

124
                    Wenn die Aussage, dass wir nie einen genauen Kreis    sehen  , bedeuten soll, dass wir z.B. keine Gerade sehen, die den Kreis in einem Punkt berührt (d.h., dass nicht in unserm Sehraum die Multiplizität der einen Kreis berührenden Geraden hat) dann ist zu    dieser   Ungenauigkeit nicht ein beliebig hoher Grad der Genauigkeit denkbar.
                    
124
Das Wort “Gleichheit” hat eine andere Bedeutung, wenn wir es auf Strecken im Sehraum anwenden, als, die es auf den physikalischen Raum angewendet hat. Die Gleichheit im Sehraum hat eine andere Multiplizität als die Gleichheit im physikalischen Raum,    darum   können im Sehraum g' und g'' Gerade (Sehgerade)
sein und die Strecken a' = a'', a'' = a''' etc. aber    nicht   a' = a''''' sein. Ebenso hat der Kreis und die Gerade im Gesichtsraum eine andere Multiplizität als Kreis und Gerade im physikalischen Raum, denn ein <…> kurzes Stück eines gesehenen Kreises kann gerade sein; “Kreis” und “Gerade” eben im Sinne der Gesichtsgeometrie angewandt.
                    Die gewöhnliche Sprache hilft sich hier mit dem Wort “scheint” oder “erscheint”. Sie sagt a' und a'' scheinen gleich zu sein, während zwischen a' und a''''' dieser Schein schon nicht mehr besteht. Aber sie benutzt das Wort “scheint” zweideutig. Denn seine Bedeutung hängt davon ab, was diesem Schein nun als das Sein entgegengestellt wird. In einem Fall, ist es das Resultat einer Messung, im anderen eine weitere Erscheinung. In diesen Fällen ist also die Bedeutung des Wortes “scheinen” eine verschiedene.


     

743
                    Die visuelle Gerade berührt den visuellen Kreis nicht in    einem   Punkt, sondern in einer visuellen Strecke. — Wenn ich die? Zeichnung eines Kreises und einer Tangente ansehe, so ist //wäre// nicht das merkwürdig, wenn //dass// ich etwa niemals einen vollkommenen Kreis und eine vollkommene Gerade miteinander in Berührung sehe; interessant ist //wird wäre// es, erst, wenn ich sie sehe, und dann die Tangente mit dem Kreis ein Stück zusammenläuft.

     

746

                    Die Verschwommenheit, Unbestimmtheit unserer Sinneseindrücke ist nicht etwas, dem sich abhelfen lässt, eine Verschwommenheit, der auch völlige Schärfe entspricht (oder entgegensteht). Vielmehr ist diese allgemeine Unbestimmtheit, Ungreifbarkeit, dieses Schwimmen der Sinneseindrücke, das, was mit dem Worte “alles fliesst” bezeichnet worden ist. Wir sagen “man sieht nie einen genauen Kreis”, und wollen sagen, dass, auch wenn wir keine Abweichung von der Kreisform sehen, uns das keinen genauen Kreis gibt. (Es ist, als wollten wir sagen: wir können dieses Werkzeug nie genau führen, denn wir halten nur den Griff und das Werkzeug sitzt im Griff lose.) Was aber verstehen wir dann unter dem    Begriff   ‘genauer Kreis’? Wie sind wir zu diesem Begriff überhaupt gekommen? Nun, wir denken z.B. an eine genau gemessene Kreisscheibe aus einem sehr harten Stahl. Aha — also dorthin zielen wir mit dem Begriff ‘genauer Kreis’. Freilich, davon finden wir im Gesichtsbild nichts. Wir haben eben die Darstellungsform gewählt, die die Stahlscheibe genau ernennt genauer nennt, als die Holzscheibe und die Holzscheibe genauer als die Papierscheibe. Wir haben den Begriff “genau” durch eine Reihe bestimmt, und reden von den Sinneseindrücken als Bildern, ungenauen Bildern, der physikalischen Gegenstände.

     

706
                    Zwingt mich etwas zu der Deutung, dass der Baum, den ich durch mein Fenster sehe, grösser ist, als das Fenster? Das kommt darauf an, wie ich die Wörter “grösser” und “kleiner” gebrauche. — Denken wir uns die normale //alltägliche// visuelle Erfahrung wäre es für uns, Stäbe in

707
verschiedenen Lagen zu sehen, die durch Teilstriche in (visuell) gleiche Teile geteilt wären. Könnte sich da nicht ein doppelter Gebrauch der Worte “länger” und “kürzer” einbürgern. Wir würden nämlich manchmal den Stab den längeren nennen, der in mehr Teile geteilt wäre; etc..

     

712
                    Messen einer Länge im Gesichtsfeld durch Anlegen eines visuellen Massstabes. D.i., eines Stabes, der durch Teilstriche in gleiche Teile geteilt ist. Es gibt hier eine Messung, die darin besteht, dass der Masstab an zwei Längen Strecken angelegt wird. Und zwar können 2 Masstäbe je einer an eine Länge angelegt werden und das Kriterium für die Gleichheit der Masseinheit ist, dass die Einheiten gleichlang aussehen. Es kann aber auch ein Masstab von einer Länge //Strecke// zur andern transportiert werden und das Kriterium der Konstanz der Masseinheit ist, dass wir keine Veränderung merken. Während das Kriterium dafür, dass die gemessenen Längen sich nicht verändern etwa darin besteht, dass wir keine Bewegung der Endpunkte wahrgenom-

713
men haben. Ich kann unzählige verschiedene Bestimmungen darüber treffen, welches das Kriterium der Längengleichheit im Gesichtsbild sein soll und darnach werden sich wieder verschiedene Bedeutungen der Massangaben ergeben.

     

713
Teilbarkeit. Unendliche Teilbarkeit.
                    Die unendliche Teilbarkeit der euklidischen Strecke besteht in der    Regel   (Festsetzung), dass es Sinn hat, von einem n-ten Teil jedes Teils zu sprechen. Spricht man aber von der Teilbarkeit einer Länge im Gesichtsraum und fragt, ob eine solche noch teilbar, oder endlos teilbar ist, so suchen wir hier nach einer Regel, die einer gewissen Realität entspricht (aber    wie   entspricht sie ihr?). Ich sehe einen schwarzen Streifen an der Wand vor mir, — ist seine Breite teilbar? Was ist das Kriterium dafür? Hier gibt es nun unzählige Kriterien, die wir alle als Kriterien der Teilbarkeit im Gesichtsfeld bezeichnen //anerkennen// würden, und die stufenweise in</>einander übergehen. Vor allem könnte die Bedeutung von “Teilbarkeit” so festgelegt werden, dass ein Versuch sie erweist; dann ist es also nicht “logische Möglichkeit” der Teilung, sondern physische Möglichkeit, und die logische Möglichkeit, die hier in Frage kommt, ist in der Beschreibung des Versuchs der Teilung gegeben — wie immer dieser Versuch ausgehn mag.
                    Was würden wir nun einen “Versuch der Teilung” nennen? — Etwa den, einen Strich neben den ersten zu malen, der gleichbreit aussieht und aus einem grünen und roten Längsstreifen besteht, wobei die Erinnerung das Kriterium dafür gäbe, dass der schwarze Streife die gleiche Breite habe, die er hatte, als wir die Frage stellten. (D.h., dass wir als gleiche Breite des schwarzen Streifens jetzt und früher das    bezeichnen  , was als gleichbreit erinnert wird.) Anderseits könnte ich als Kriterium der Teilbarkeit des schwarzen Streifens festsetzen, dass zugleich mit ihm ein gleichbreit aussehender und geteilter Streifen gesehen wird. Und als Vollzug der möglichen Teilung würde ich dann die Ersetzung des ungeteilten durch einen

     

717
lich, dass wir einen malen, oder modellieren können. — So aber ist es auch für den Sinn des Satzes “ich kann 30 Teile als Zahl übersehen” wesentlich,    was   ich etwa als Beispiel dieses Ueberblickens zeigen kann, und dass ich keinen Fall eines Ueberblickens von 30 Strichen als Muster zeigen kann. Hier kann man sagen: ich kann mir das Uebersehen von 30 Strichen //Ueberblicken von 30 Strichen als Zahlbild// nicht vorstellen, ich weiss nicht, wie das wäre, und die Frage “wie wäre es, wenn …” ist für mich unsinnig, denn es ist mir kein Kriterium zur Entscheidung gegeben.

     

718
                    Wenn wir die Bedeutungen der Ausdrücke “gleichlang” und anderer im Gesichtsraum mit den Bedeutungen der selben Wörter im euklidischen Raum verwechseln, dann geraten //kommen// wir in auf Widersprüche und fragen dann: “Wie ist so eine Erfahrung möglich?! Wie ist es möglich, dass 24 gleichlange Strecken zusammen die gleiche Länge ergeben, wie 25 ebensolange? Habe ich wirklich so eine Erfahrung gehabt?”

     

525
                    “Ist ein Feld eines Schachbretts einfacher, als das ganze Schachbrett?” Das kommt darauf an, wie Du das Wort “einfacher” gebrauchst. Meinst Du damit “aus einer kleineren Anzahl von Teilen bestehend”, so sage ich: Wenn diese Teile etwa die Atome des Schachbretts sind, so ist also das Feld einfacher als das Schachbrett, — wenn Du aber vom visuellen Schachbrett sprichst, //von dem sprichst, was wir am Schachbrett    sehen  ,// so bestehen ja die Felder nicht aus Teilen, es sei denn, dass sie wieder aus kleineren Flecken bestehen, und wenn Du dann den Fleck den einfacheren nennst, der weniger Flecken enthält, so ist wieder das Feld einfacher als das Schachbrett. “Ist aber die gleichmässig gefärbte Fläche einfach?” — Wenn “einfach” bedeutet: nicht aus Flecken mehrerer Farben zusammengesetzt, — ja!
                    Aber können wir nicht sagen: einfach ist, was sich nicht teilen    lässt  ? —    Wie   teilen lässt? Mit dem Messer? Und mit welchem Messer? Beschreibe mir erst die Methode der Teilung, die Du erfolglos anwendest, dann werde ich wissen, was Du “unteilbar” nennst. Aber vielleicht willst Du

526
sagen: ‘unteilbar’ nenne ich nicht das, was man erfolglos zu teilen versucht, sondern das, wovon es sinnlos (unerlaubt) ist, zu sagen, es bestehe aus Teilen. — Dann ist ‘unteilbar’ eine grammatische Bestimmung. Eine Bestimmung also, die Du selber machen kannst und durch welche Du die Bedeutung, den Gebrauch andrer Wörter festlegst. Wenn ich etwa sagen: ein einfärbiger Fleck ist unteilbar (einfach), denn, wenn ich ihn — z.B. — durch einen Strich teile, so ist er nicht mehr einfärbig, —, so setze ich damit fest, in welcher Bedeutung ich das Wort “teilen” gebrauchen will. Wenn nun gefragt wird: “besteht das Gesichtsbild aus minima visibilia”, so fragen wir zurück: wie verwendest Du das Wort “aus … bestehen”? Wenn in dem Sinn, in welchem ein Schachbrett aus schwarzen und</>weissen Feldern besteht, — nein! — Denn Du wolltest doch nicht leugnen, dass wir einfärbige Flecke sehen (ich meine Flecke, deren    Erscheinung   einfärbig ist). Wenn Du aber etwa? sagen willst, dass ein    physikalischer   Fleck (ein    messbarer   Fleck im physikalischen Raum) verkleinert werden kann, bis wir ihn aus einer bestimmten Entfernung nicht mehr sehen, dass er dann beim Entschwinden gemessen und in dieser Ausdehnung der kleinst sichtbare Fleck genannt werden kann, so stimmen wir bei.

     


                     Wenn wir in der Geometrie sagen, das regelmässigeSechseck bestehe aus sechs gleichseitigen Dreiecken, so heisst das dass es Sinn hat, von einem regelmässigen Sechseck zu reden, das aus sechs gleichseitigen Dreiecken besteht. Wenn darauf hin gefragt würde “ist also das Sechseck einfach oder zusammengesetzt”, so müsste ich antworten: bestimme Du selbst, wie Du die Wörter “einfach” und “zusammengesetzt” gebrauchen willst.



     

523
                    Wir können in einem absoluten Sinne //in absolutem Sinne// von einem Ort im Gesichtsfeld reden. Denken wir uns, dass ein roter Fleck im Gesichtsfeld verschwindet und in gänzlich neuer Umgebung wieder auftaucht, so hat es Sinn, zu sagen, er tauche am gleichen Ort oder an einem andern Ort wieder auf. (Wäre ein solcher Raum mit einer Fläche vergleichbar, die von Punkt zu Punkt eine andere Krümmung hätte, so dass wir jeden Ort auf der Fläche als absolutes Merkmal angeben könnten?)


     
                    Der Gesichtsraum ist ein gerichteter Raum, in dem es ein Oben und Unten, Rechts und Links gibt. Und diese Bestimmungen

     

525
                    Ich kann die Figur graphicsV als Buchstaben, als Zeichen für “kleiner”, oder für “grösser”, sehen, auch ohne es sie mit meinem Körper zusammen zu sehen. Vielleicht wird man sagen, dass ich die Lage meines Körpers fühle, ohne ihn zu sehen. Gewiss, und ich sage eben, dass ‘die gefühlte Lage’ nicht ‘die gesehene Lage’ ist; daher können sie auch nicht miteinander verglichen, wohl aber einander zugeordnet werden.
                    Die Wörter “oben”, “unten”, “rechts”, “links” haben andere Bedeutung im Gesichtsraum, andere im Gefühlsraum. Aber auch das Wort “Gefühlsraum” ist mehrdeutig. (Definitionen der Wörter “oben”, “unten”, etc. durch die Spitze des Buchstaben “graphicsV”, des Zeichens “kleiner” graphics< und “grösser” graphics> einerseits, anderseits<…> durch Kopf- und Fusschmerzen; oder durch Gleichgewichtsgefühle.)

     

526
                    “Ist Distanz in der Struktur des Gesichtsraumes schon enthalten, oder scheint es uns nur, so, weil wir gewisse Erscheinungen

527
des Gesichtsbildes mit gewissen Erfahrungen des Tastsinnes assoziieren, welche letztere erst Distanzen betreffen?” Woher nehmen wir diese Vermutung? Wir scheinen dergleichen irgendwo angetroffen zu haben. Denken wir nicht an folgenden Fall? diese Melodie missfiele mir nicht, wenn ˇich sie nicht unter diesen unangenehmen Umständen zum erstenmal gehört hätte. Aber hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Melodie missfällt mir, wie manche andere, für deren Missfallen ich jenen Grund nicht angeben würde, und es ist bloss eine Vermutung, dass die Ursache meines Missfallens in jenem früheren Erlebnis liegt. Oder aber, wenn immer ich die Melodie höre, fällt mir jenes Erlebnis ein und macht mir das Hören der Melodie unangenehm; dann ist meine Aussage keine Hypothese über die Ursache meines Missfallens, sondern eine Beschreibung dieses Missfallens selbst. — Wenn also gefragt wird: “scheint es uns nur so, dass eine Strecke im Gesichtsraum selbst länger ist, als eine andere und bezieht sich das ‘länger’ nicht bloss auf eine Erfahrung des Tastsinns, die wir mit dem Gesehenen associieren”, — so ist zu antworten: Weisst Du etwas von dieser Association?    beschreibst   Du mit ihr Dein Erlebnis, oder vermutest Du sie nur als Ursache Deines Erlebnisses? — Wenn das letztere, so können wir von Distanzen im Gesichtsraum reden, ohne auf die mögliche Ursache unserer Erfahrung Rücksicht zu nehmen. Dabei muss man sich daran erinnern, dass die Aussagen über Distanzen (dass diese Strecke gleichlang ist wie jene, oder länger als jene, etc.) einen andern Sinn haben, wenn sie sich auf den Gesichtsraum, und einen andern, wenn sie sich auf den euklidischen Raum beziehen.


     
                    Zu sagen, der Punkt B ist nicht zwischen A und C (die Strecke A a nicht kürzer als c), sondern dies erscheine uns nur so wegen gewisser Assoziationen, klingt und ist absurd, weil wir uns eben in unserer Aussage gar nicht um eventuelle Ursachen der Erscheinung kümmern, sondern nur diese im Gegensatz zu andern Erscheinungen

528
beschreiben.
                    Wenn Du sagst, der Punkt B    erscheint      scheint   Dir nur zwischen A und C <(>zu liegen), so antworte ich:    das ist es ja, was ich sage  , nur gebrauche ich    dafür   den Ausdruck “er liegt zwischen A und C”.
                    Und wenn Du fragst “scheint es nicht nur so”, so antworte ich: Welche Methode würdest Du denn anwenden, um die Antwort auf Deine Frage zu finden. Dann nämlich werde ich verstehen, was Dein Verdacht eigentlich betrifft. Wenn Du sagst: ist auf diesem Tisch nicht doch vielleicht etwas, was ich nicht sehe, so antworte ich: Wie könnten wir denn das Betreffende finden? Versuche mir doch eine Erfahrung zu beschreiben, die Dich sagen lassen würde //veranlassen würde, zu sagen//: “es war doch noch etwas da”. Beschreibe mir die Erfahrung, die Dich davon überzeugen würde, dass B doch nicht zwischen A und C liegt, und ich werde verstehen, welcher Art der //dieser// wirkliche Sachverhalt im Gegensatz zum scheinbaren ist. Aber Eines ist klar: die Erfahrung, die Dich ˇdas lehrt, kann nicht diejenige ändern, die ich mit den Worten beschreibe “ B liegt zwischen A und C”.
                    Dem Einwurf liegt aber eine falsche Auffassung der logischen Analyse zugrunde. Was wir vermissen ist nicht ein genaueres Hinsehen (etwa auf A, B und C) und die Entdeckung eines Vorgangs    hinter   dem gewöhnlichen //oberflächlich// beobachteten (dies wäre die Untersuchung eines physikalischen oder psychologischen Phänomens), sondern die Klarheit in der Grammatik der Beschreibung des alten Phänomens. Denn, sähen wir genauer hin, so sähen wir eben etwas    Anderes   und hätten nichts für unser Problem gewonnen.    Diese   Erfahrung, nicht eine andere, sollte beschrieben werden.

     

81
                    Hat das Gesichtsfeld einen Mittelpunkt? — Es hat Sinn, in einem Bild etwa ein Kreuzchen anzubringen und zu sagen: schau auf das Kreuz; Du wirst dann auch das Uebrige sehen, aber das Kreuz ist dann im Mittelpunkt des Gesichtsfeldes.

     

157'

                     Im Gesichtsraum gibt es absolute Lage und daher auch absolute Bewegung. Man denke sich das Bild zweier Sterne in stockfinsterer Nacht, in der ich nichts anderes sehen kann als diese, und diese bewegen sich im Kreise umeinander.

     

707
                    Im Gesichtsraum gibt es absolute Lage. Wenn ich durch ein Aug schaue, sehe ich meine Nasenspitze. Würde diese abgeschnitten und entfernt, mir aber dann in die Hand gegeben, so könnte ich sie ohne Hilfe des Spiegels und bloss ?—durch die Kontrolle des Sehens—? wieder an ihre alte Stelle setzen; auch dann, wenn sich inzwischen alles in meinem Gesichtsbild geändert hätte. Der Satz “ich sehe das sehende Auge im Spiegel” ist nur scheinbar von der Form des Satzes “ich sehe das Auge des Andern im Spiegel”, denn es hat keinen Sinn zu sagen: “ich sehe das sehende Auge”. Wenn ich “visuelles Auge” das Bild nenne, was mir etwa das Auge eines Andern bietet, so kann ich sagen, dass das Wort “das sehende Aug” nicht einem visuellen Auge entspricht.


     
                    Mein Gesichtsfeld weist keine Unvollständigkeit auf, die mich dazu bringen könnte, mich umzuwenden und um zu sehen, was hinter mir liegt. Im Gesichtsraum gibt es kein “hinter mir”; und wenn ich mich umwende,    ändert   sich ja bloss mein Gesichtsbild, wird aber nicht vervollständigt. (?—Der “Raum um mich herum” ist eine Verbindung von Sehraum und Muskelgefühlsraum—?.) Es hat keinen Sinn, im Gesichtsraum von der Bewegung eines Gegenstandes zu reden, die, nur um das sehende Auge hinten herum führt.


     
                    Beziehung zwischen physikalischem Raum und Gesichtsraum. Denke an das Sehen bei geschlossenen Augen (Nachbilder, etc.) und an die Traumbilder.

     

empty
Das sehende Subject &
der Gesichtsraum




     

705
                    Wenn wir vom Gesichtsraum reden, so werden wir leicht zu der Vorstellung verführt, als wäre er eine Art von Guckkasten, den jeder mit //vor// sich herumtrüge. D.h. wir verwenden dann das Wort “Raum” ähnlich, wie wenn wir ein Zimmer einen Raum nennen. In Wirklichkeit aber bezieht sich doch das Wort “Gesichtsraum” nur auf eine Geometrie, ich meine, auf einen Abschnitt der Grammatik unserer Sprache.
                    In diesem Sinne gibt es keine “Gesichtsräume”, die etwa jeder seinen Besitzer hätten. (Und etwa auch solche, vazierende, die gerade niemandem gehören?)

     

706
                    “Aber kann nicht ich in meinem Gesichtsraum eine Landschaft, und Du in dem Deinen ein Zimmer sehen?” — Nein, — ‘ich sehe in meinem Gesichtsraum’ ist Unsinn. Es muss heissen “ich sehe eine Landschaft und Du etc.” — und das wird nicht bestritten. Was uns hier irreführt, ist eben das Gleichnis vom Guckkasten, oder etwa von einer kreisrunden weissen Scheibe, die wir gleichsam als Projektionsleinwand mit uns trügen, und die der Raum ist, in dem das jeweilige Gesichtsbild erscheint. Aber der Fehler an diesem Gleichnis ist, dass es sich die Gelegenheit — die Möglichkeit — zum Erscheinen eines visuellen Bildes selbst visuell vorstellt; denn die weisse Leinwand ist ja selbst ein Bild.


     
                    Es ist nun wichtig, dass der Satz “das Auge womit ich sehe, kann ich nicht unmittelbar sehen” ein verkappter Satz der Grammatik, oder Unsinn, ist. Der Ausdruck “näher am (oder, weiter vom) sehenden Auge” hat nämlich eine andere Grammatik, als der “näher an dem blauen Gegenstand, welchen ich sehe”. Die visuelle Erscheinung, die der Beschreibung entspricht “ A setzt die Brille auf”, ist von der grundverschieden, die ich mit den Worten beschreibe: “ich setze die Brille auf”. Ich könnte nun sagen: “mein Gesichtsraum hat Aehnlichkeit mit einem Kegel”, aber dann muss es verstanden werden, dass ich hier den Kegel als Raum, als Repräsentanten einer Geometrie, nicht als Teil eines Raumes (Zimmer) denke. (Also ist es mit dieser Idee nicht verträglich, dass ein Mensch durch ein Loch an der Spitze in den Kegel hineinschaut //ein Loch in der Spitze des Kegels in diesen hineinschaut//.)

     


                    
empty
Der Gesichtsraum mit
einem Bild (ebenen Bild) ver-
glichen.

     

57
                    /Wer aufgefordert würde, das Gesichtsfeld zu malen und es im Ernst versuchte, würde bald sehen, dass es unmöglich ist./

     

717
                    Verschiedene Bedeutungen der Wörter “verschwommen”, “unklar”.

     

741
Verschwommen, unklar, unscharf.

                    “Die Linien dieser Zeichnung sind unscharf”, “meine Erinnerung an die Zeichnung ist unklar, verschwommen”, “die Gegenstände am Rande meines

742
Gesichtsfeldes sehe ich verschwommen”. — Wenn man von der Verschwommenheit der Bilder am Rande des Gesichtsfeldes spricht, so schwebt Eeinem oft ein Bild dieses Gesichtsfeldes vor, wie es etwa Mach entworfen hat. Die Verschwommenheit aber, die die Ränder eines Bildes //Die Verschwommenheit aber der Ränder eines Bildes <…> …// auf der Papierfläche haben können, ist von gänzlich andrer Natur, als die, die man von den Rändern des Gesichtsfeldes aussagt. So verschieden, wie die Blässe der Erinnerung an eine Zeichnung, von der Blässe einer Zeichnung (selbst). Wenn im Film eine Erinnerung oder ein Traum dargestellt werden sollte, so gab man den Bildern einen bläulichen Ton. Aber die Traum- und Erinnerungsbilder haben natürlich keinen bläulichen Ton — sowenig, wie unser Gesichtsbild verwaschene Ränder hat; also sind die bläulichen Projektionen auf der Leinwand //bläulichen Bilder auf der Leinwand// nicht unmittelbar anschauliche Bilder der Träume, sondern ‘Bilder’ in noch einem andern Sinn. — Bemerken wir im gewöhnlichen Leben, wo wir doch unablässig schauen, die Verschwommenheit an den Rändern des Gesichtsfeldes? Ja, welcher Erfahrung entspricht sie eigentlich, denn im normalen Sehen kommt sie nicht vor! Nun, wenn wir den Kopf nicht drehen und wir beobachten etwas, was wir durch Drehen der Augen gerade noch sehen können, dann sehen wir etwa einen Menschen, können aber sein Gesicht nicht erkennen, sondern sehen es in gewisser Weise verschwommen. Die Erfahrung hat nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Sehen einer Scheibe, auf der //welcher// Bilder gemalt sind, in der Mitte der Scheibe mit scharfen Umrissen, nach dem Rand zu mehr und mehr verschwimmend, etwa in ein allgemeines Grau unmerklich übergehend. Wir denken an so eine Scheibe, wenn wir z.B. fragen: könnte man sich nicht ein Gesichtsfeld mit gleichbleibender Klarheit der Umrisse etc. denken? Es gibt keine Erfahrung, die im Gesichtsfeld der entspräche, wenn man den Blick einem Bild entlang gleiten lässt, das von</>scharfen Figuren zu immer verschwommeneren übergeht.

     

122'
                    Es ist z.B. wichtig, dass in dem Satz “ein roter Fleck befindet sich nahe an der Grenze des Gesichtsfeldes” das “nahe an” eine andere Bedeutung hat als in einem Satz “der rote Fleck im Gesichtsfeld befindet sich nahe an dem braunen Fleck”. Das Wort “Grenze” in dem vorigen Satz hat ferner eine andere Bedeutung — und ist eine andere Wortart — als in dem Satz “die Grenze zwischen rot und blau im Gesichtsfeld ist ein Kreis”.






     

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Minima Visibilia

     

19
                    Der einfärbige Fleck in der färbigen farbigen Ebene ist nicht aus kleineren Teilen zusammengesetzt, ausser so, wie die Zehn etwa aus hundert tausend Hunder<t>steln.


     
                    Das kleinste sichtbare Stück ist ein Stück der physikalischen Fläche, nicht des Gesichtsfeldes. Der Versuch, der das kleinste noch Sichtbare ermittelt, stellt eine Relation fest zwischen    zwei   Erscheinungen.


     
                    Der Dieser Versuch untersucht nicht den Gesichtsraum und man kann den Gesichtsraum nicht untersuchen. Nicht in ihn tiefer eindringen.


     
                    (Wenn man beschreiben wollte, was auf der Hand liegt, könnte man nicht “untersuchen, was auf der Hand liegt”. //“untersuchen wollen, was auf der Hand liegt”//)





     

533
                    Gibt es einen kleinst sichtbaren Farbunterschied? — Welche Farben sind hier gemeint? Nennen wir Farbe das Ergebnis der Mischung von Farbstoffen: dann kann ich das Experiment machen, z.B. zu einer Menge eines roten Farbstoffes eine kleine Menge eines gelben beizumischenu und zu versuchen, ob ich einen Farbunterschied    sehe  ; wenn ja, so wiederhole

     

535
nennen. Aber man kann nun nicht etwa sagen, das Gesichtsfeld bestehe aus solchen Teilen! Es bestünde nur daraus aus ihnen, wenn wir sie sähen. Das Bild //visuelle Bild// eines Fixsternnebels im Fernrohr, besteht aus ihnen, soweit wir sie unterscheiden können. Denn diese beiden Ausdrücke heissen eben dasselbe.

     

535
                    Wenn gefragt wird “ist unser Gesichtsfeld kontinuierlich oder diskontinuierlich”, so müsste man erst wissen, von welcher Kontinuität man redet. Einen Farbübergang nennen wir kontinuierlich, wenn wir keine Diskontinuität in ihm sehen.

     

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Farben & Farbenmischung


     

531
cher angibt, dass Rot als Ingrediens einer Farbe hier vorhanden ist, müsste also irgendwie eine Quantität von Rot nennen //angeben//; dann aber muss dieser Satz auch ausserhalb des logischen Produkts Sinn haben, und es müsste also Sinn haben, zu sagen, dass dieser Ort rein rot gefärbt ist und die und die Quantität von Rot enthalte; und das hat keinen Sinn. Und wie verhält es sich mit den einzelnen Sätzen, die einem Ort verschiedene Quantitäten, oder Grade, von Rot zuschreiben? Nennen wir zwei solche q1r und q2r: sollen sich diese widersprechen? Angenommen q2 sei grösser als q1, dann könnte zwar unsere Festsetzung sein, dass q2r & q1r kein Widerspruch sein solle (wie die Sätze “in diesem Korb sind 4 Aepfel” und “in diesem Korb sind 3 Aepfel”, wenn das “nur” fehlt)<…>, aber dann müssen q2r und non-q1r einander widersprechen; und daher müsste nach meiner alten Auffassung q2r ein Produkt aus q1r und einem andern Satz sein. Dieser andre Satz müsste die von q1 auf q2 fehlende Quantität angeben und für ihn bestünde daher die</>selbe Schwierigkeit. — Das Schema der Ingredientien passt ˇnicht auf den Fall der der Farbenmischung, wenn man unter ‘Farben’ nicht Farbstoffe versteht, (nicht). Und auch in diesem Schema sind verschiedene Angaben über das verwendete Quantum eines Bestandteils widersprechende Angaben; oder, wenn ich festsetze, dass p (= ich habe 3kg Salz verwendet) und q (= ich habe 5kg Salz verwendet) einander nicht widersprechen sollen, dann doch q und non-p. //dann widersprechen einander doch q und non-p.// Und es läuft alles darauf hinaus, dass der Satz “ich habe 2kg Salz verwendet” nicht heisst “ich habe 1kg Salz verwendet und ich habe 1kg Salz verwendet”, dass also f(1+1) nicht gleich ist f(1) & f(1).


     

                    Der Satz “an einem Ort hat zu einer Zeit nur    eine   Farbe Platz” ist natürlich ein verkappter Satz der Grammatik. Seine Verneinung ist kein Widerspruch,    widerspricht   aber einer Regel unserer angenommenen Grammatik.






     

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                    Es hat Sinn von einer Färbung zu sagen, sie sei nicht rein rot, sondern enthalte einen gelblichen, oder bläulichen, weisslichen, oder schwärzlichen Stich; und es hat Sinn zu sagen, sie enthalte keinen dieser Stiche, sondern sei reines Rot. Man kann in diesem Sinne von einem reinen Blau, Gelb, Grün, Weiss, Schwarz reden, aber nicht von einem reinen Orange, Grau, oder Rötlichblau. (Von einem ‘reinen Grau’ übrigens wohl, sofern man damit ein nicht-grünliches, nicht-gelbliches u.s.w. Weiss-Schwarz meint: und ähnliches gilt für ‘reines Orange’, etc..) D.h. der Farbenkreis hat vier ausgezeichnete Punkte. Es hat nämlich Sinn zu sagen “dieses Orange

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liegt (nicht in der Ebene des Farbenkreises, sondern im    Farbenraum  ) näher dem Rot als jenes”; aber wir können nicht, um das gleiche auszudrücken sagen “dieses Orange liegt näher dem Blaurot als jenes” oder “dieses Orange liegt näher dem Blau als jenes”. Orange hat eine Beziehung zu Rot und Gelb, die es nicht zu einem Rötlichblau und Grünlichgelb hat.


     
                    Die Farbenmischung, von der hier die Rede ist, bringt der Farbenkreisel hervor, aber auch er nicht, wenn ich ihn nur ruhend und dann in rascher Drehung sehe. Denn es wäre ja denkbar, dass der Kreisel im ruhenden Zustand halb rot und halb gelb ist und dass er in rascher Drehung (aus welchern Ursachen immer) grün erscheint. Vielmehr bringt der Farbenkreisel die Mischung nur in sofern zustande, als wir sie optisch als solche wahrnehmen können //optisch kontrollieren können//. Wenn er sich nämlich nach und nach schneller und schneller dreht und wir    sehen  , wie aus rot und gelb orange wird. Wir sind aber darin nicht dem Farbkreisel ausgeliefert; sondern, wenn durch irgend einen unbekannten Einfluss, während der Kreisel sich schneller und schneller dreht, die Farbe seiner Scheibe nich ins Weissliche überginge, so würden wir nun nicht sagen, die Zwischenfarbe zwischen Rot und Gelb sei ein weissliches Orange. So wenig wie wir sagen würden 3+4 sei 6, wenn beim Zusammenlegen von 3+ und 4 Aepfeln einer auf unbekannte Weise verschwände und 6 Aepfel vor uns lägen. Ich gebrauche hier den Farbenkreisel nicht zu einem Experiment, sondern zu einer Rechnung.






     
152'
Der Indu<…>ktionsbeweis wäre, wenn er ein Beweis wäre, ein Beweis der Allgemeinheit, nicht ein Beweis einer gewissen Eigenschaft aller Zahlen.











     

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                     Die Darstellung des
unmittelbar Wahrgenommenen.

     

119'
Was wir hier betrachten, ist eigentlich die Möglichkeit der Bewegung. Also die logische Form der Bewegung. [Dies gehört, glaube ich, zu „alles fließt”] & „nur die gegenwärtige Erfahrung hat Realität”]



     

124'
                    Absatz Es ist jetzt an der Zeit, Kritik am Worte “Sinnesdatum” zu üben. Sinnesdatum ist die Erscheinung dieses Baumes, ob nun “wirklich ein Baum dasteht” oder eine Attrape, ein Spiegelbild, eine Haluzination etc. Sinnesdatum ist die Erscheinung des Baumes, und, was wir sagen wollen ist, dass diese sprachliche Darstellung nur    eine   Beschreibung, aber nicht    die   wesentliche ist. Genau so, wie man von dem Ausdruck “   mein   Gesichtsbild” sagen kann, dass es nur    eine   Form der    Beschreibung  , aber nicht etwa die einzig mögliche und richtige ist. Die Ausdrucksform “die Erscheinung dieses Baumes” enthält nämlich die Anschauung, als bestünde ein notwendiger Zusammenhang dessen, was wir diese Erscheinung nennen, mit der “Existenz eines Baumes” und zwar, entweder durch eine wahre Erkenntnis oder einen Irrtum. D.h., wenn von der “Erscheinung eines Baumes” die Rede ist, so hielten wir entweder etwas für einen Baum, was einer ist, oder etwas, was keiner ist. Dieser Zusammenhang aber besteht nicht.
                     Die Idealisten möchten der Sprache vorwerfen, dass sie das Sekundäre als primär und das Primäre als sekundär darstellt. Aber das ist nur in diesen unwesentlichen, und mit der Erkenntnis nicht zusammenhängenden, Wertungen der Fall (“nur” die Erscheinung). Davon abgesehen enthält die gewöhnliche Sprache keine Entscheidung über primär und sekundär. Es ist nicht einzusehen, inwiefern der Ausdruck “die Erscheinung eines Baumes” etwas dem Ausdruck “Baum” sekundäres darstellt. Der Ausdruck “nur ein Bild” geht auf die Vorstellung zurück, dass wir das Bild eines Apfels nicht essen können.






     

283
                    “Ich sehe es vor mir und könnte es malen”.
                    Wenn man sagt, man könnte diese Farbe nicht mit Worten genauer beschreiben, so denkt man (immer) an eine Möglichkeit einer solchen Beschreibung (freilich, denn sonst hätte das Wort //der Ausdruck// “genaue Beschreibung” keinen Sinn) und es schwebt einem dabei der Fall einer Messung vor, die wegen unzureichender Mittel nicht ausgeführt wurde.










     

„Tu das was auf dieser Tafel aufgeschrieben ist: Wie wenn nichts auf ihr steht. Töte den Menschen im nächsten Zimmer (es ist aber keiner darin)

     

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                    Phänomenologische Sprache: Die Beschreibung der unmittelbaren Sinneswahrnehmung, ohne hypothetische Zutat. Wenn etwas, dann muss doch wohl die Abbildung durch ein gemaltes Bild oder dergleichen eine solche Beschreibung der unmittelbaren Erfahrung sein. Wenn wir also z.B. in ein Fernrohr sehen und die gesehene Konstellation aufzeichnen oder malen. Denken wir uns sogar unsere Sinneswahrnehmung dadurch reproduziert, dass zu ihrer Beschreibung ein Modell erzeugt wird, welches von einem bestimmten Punkt gesehen, diese Wahrnehmungen erzeugt; das Modell könnte mit einem Kurbelantrieb in die richtige Bewegung gesetzt werden und wir könnten durch Drehen der Kurbel die Beschreibung herunterlesen. (Eine Annäherung hierzu wäre eine Darstellung im Film.)
                    Ist    das   keine Darstellung des Unmittelbaren — was sollte eine sein? — Was noch unmittelbarer sein wollte, müsste es aufgeben, eine Beschreibung zu sein. ?—Es kommt dann vielmehr statt einer Beschreibung jener unartikulierte Laut heraus—?, mit dem manche Autoren die Philosophie gerne anfangen möchten. (“Ich habe, um mein Wissen wissend, bewusst etwas” Driesch<.>)

     

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                    Was wir im physikalischen Raumd denken, ist nicht das Primäre, das wir nur mehr oder weniger anerkennen können; sondern, was vom physikalischen Raum wir erkennen können, zeigt uns, wie weit das Primäre reicht und wie wir den physikalischen Raum zu deuten haben.




     

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“Die Erfahrung im gegenwär-
tigen Moment, die eigentliche
Realität”

     

3

                     Unmittelbares
Es ist nämlich die Anschauung aufzugeben, dass, um vom Unmittelbaren zu reden, wir von dem Zustand in einem Zeitmoment reden müssten. Diese Anschauung ist darin ausgedrückt, wenn man sagt: “alles, was uns gegeben ist, ist das Gesichtsbild und die Daten der übrigen Sinne, sowie die Erinnerung, inde dem gegenwärtigen Augenblick”. Das ist Unsinn; denn was meint man mit dem “gegenwärtigen Augenblick”? Dieser Vorstellung liegt vielmehr schon ein physikalisches Bild zu Grunde, nämlich das vom Strom der Erlebnisse, den ich nun in einem Punkt //an einer Stelle// quer durchschneide. Es liegt hier eine ähnliche Tendenz und ein ähnlicher Fehler vor, wie beim Idealismus (oder Solipsismus).

     

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                    Der Zeitmoment, von dem ich sage, er sei die Gegenwart, die alles enthält, was mir gegeben ist, gehört selbst zur physikalischen Zeit.


     
                    Denn, wie ist so ein Moment bestimmt? Etwa durch einen Glockenschlag? Und kann ich denn nun die ganze, mit diesem Schlag gleichzeitige Erfahrung wirklich beschreiben? Wenn man daran denkt es zu versuchen, wird man sofort gewahr, dass es eine Fiktion ist, wovon wir reden.


     
                    Wir stellen uns das Erleben wie einen Filmstreifen vor,

6
so dass man sagen kann: dieses Bild, und kein anderes, ist in diesem Augenblick vor der Linse.





     

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                    Was wir die Zeit im Phänomen (specious present) nennen können, liegt nicht in der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart und Zu-

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kunft) der Geschichte, ist keine Strecke der Zeit. Während, was wir unter “Sprache” verstehen, //Während der Vorgang der “Sprache”// in der homogenen geschichtlichen Zeit abläuft. (Denke an den Mechanismus zur Beschreibung der unmittelbaren Wahrnehmung.)

     

705
                    (Von welcher Wichtigkeit ist denn diese Beschreibung des    gegenwärtigen   Phänomens, die für uns gleichsam zur fixen Idee werden kann. Dass wir darunter leiden, dass die Beschreibung nicht das beschreiben kann, was beim Lesen der Beschreibung vor sich geht. Es scheint, als wäre die Beschäftigung mit dieser Frage geradezu kindisch und wir in eine Sackgasse hineingeraten. Und doch ist es eine bedeutungsvolle Sackgasse, denn sie in sie lockt es Alle zu gehen; als wäre dort die letzte Lösung der philosophischen Probleme zu suchen. — Es ist, als käme man mit dieser Darstellung des gegenwärtigen Phänomens in einen verzauberten Sumpf, wo alles Erfassbare verschwindet.)
                    Anderseits brauchen wir eine Ausdrucksweise, die Vorgänge //Phänomene// des Gesichtsraums getrennt von den Erfahrungen andrer Art darstellt.

     

708
                    (Wir befinden uns mit unserer Sprache (als physischer Erscheinung) sozusagen nicht im Bereich des projizierten Bildes auf der Leinwand, sondern im Bereich des Films, der durch die Laterne geht. Und wenn ich zu dem Vorgang auf der Leinwand Musik machen will, muss das, was sie hervorruft, sich wieder im Gebiet des Films abspielen. Das gesprochene Wort im Sprechfilm, das die Vorgänge auf der Leinwand begleitet, ist ebenso fliehend? //fliessend?//, wie diese Vorgänge, und nicht das Gleiche wie der Tonstreifen. Der Tonstreifen begleitet nicht das Spiel auf der Leinwand.)

     

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                    Ein Gedanke über die Darstellbarkeit der unmittelbaren Realität durch die Sprache:
                    “Der Strom des Lebens, oder der Strom der Welt, fliesst dahin,

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und unsere Sätze werden, sozusagen, nur in Augenblicken verifiziert. Unsere Sätze werden nur von der Gegenwart verifiziert. — Sie müssen also so gemacht sein, dass sie von ihr verifiziert werden können. Sie müssen das Zeug haben, um von ihr verifiziert werden zu können. Dann haben sie also in irgend einer Weise die Kommensurabilität mit der Gegenwart //Dann sind sie also in irgend einer Weise mit der Gegenwart kommensurabel// und diese dies können sie nicht haben sein    trotz   ihrer raum-zeitlichen Natur, sondern diese muss sich zur Kommensurabilität verhalten, wie die Körperlichkeit eines Masstabes zu seiner Ausgedehntheit, mit der //mittels der// er misst. Im Falle des Masstabes kann man auch nicht sagen: ‘Ja, der Masstab misst die Länge, trotz seiner Körperlichkeit; freilich, ein Masstab, der nur Länge hätte, wäre das Ideal, wäre der    reine   Masstab’. Nein, wenn ein Körper Länge hat, so kann es keine Länge ohne einen Körper geben — und wenn ich auch verstehe, dass in einem bestimmten Sinn nur die Länge des Masstabs misst, so bleibt doch, was ich in die <…> Tasche stecke der Masstab, — der Körper und nicht die Länge.”

     

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                    “Nur die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks hat Realität”. — Soll das heissen, dass ich heute früh nicht aufgestanden bin? Oder, dass ein Ereignis, dessen ich mich in diesem Augenblick nicht erinnere //entsinne//, nicht stattgefunden hat? — Soll hier ‘gegenwärtige Erfahrung’ im Gegensatz stehen zu zukünftiger und vergangener Erfahrung? Oder ist es ein Beiwort, wie das Wort “rational” in “rationale Zahl”, so dass man die beiden Wörter auch durch    eines   ersetzen könnte und das Beiwort auf eine grammatische Eigentümlichkeit hinweist. Und was wird in diesem Falle vom Subjekt <…> ausgesagt, wenn ihm Realität zugesprochen wird? Betonen wir hier nicht wieder eine grammatische Eigentümlichkeit, in derselben Weise, wie wenn man sagt //etwa, als wenn man sagte:// “nur die Kardinalzahlen sind wirkliche Zahlen”. (Kronecker soll gesagt haben, nur die Kardinalzahlen seien von Gott erschaffen, alle anderen seien Menschenwerk.) — Heisst es ‘gegenwärtige Erfahrung’ im Gegensatz zu zukünftiger und vergangener, dann meint man mit diesen Erfahrungen etwa physikalische Vorgänge;

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und wenn ich das Bild von der Laterna magica gebrauche und die zeitlichen Beziehungen in räumliche übersetze, so ist die gegenwärtige Erfahrung im physikalischen Sinn das Bild auf dem Filmstreifen, das sich vor dem Objektiv der Laterne befindet. (Ich kann nicht sagen: “das sich    jetzt   vor dem Objektiv der Laterne befindet”.) Auf der einen Seite dieses Bildes sind //liegen// die vergangenen, auf der andern die zukünftigen Bilder (die beiden Seiten sind durch Eigentümlichkeiten des Apparates charakterisiert). Das Bild auf der Leinwand gehört der Zeit des Filmstreifens nicht an; man kann von ihm nicht in dem eben beschriebenen Sinne sagen, es sei gegenwärtig. (Im Gegensatz wozu? Das Wort ‘gegenwärtig’, wenn man es hier benützt, bezeichnet nicht einen Teil eines Raumes im Gegensatz zu andern Teilen, sondern charakterisiert einen Raum.) Der Satz, nur die gegenwärtige Erfahrung habe Realität, wäre nun hier der Satz, dass nur das Bild vor dem Objektiv dem Bild auf der Leinwand entspricht. Und das könnte allerdings ein Erfahrungssatz sein und das Gleichnis lässt uns hier in Stich, wenn wir die Entsprechung zwischen Film und Leinwand (die Projektionsart) nicht so festsetzen //festlegen//, dass sich dadurch das Bild auf dem Film, welches dem Bild auf der Leinwand entspricht, als das Bild vor dem Objektiv der Laterne ergibt.

     

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Idealismus

     

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                    ((Ich sehe undeutlich eine Verbindung zwischen dem Problem des Solipsismus oder Idealismus und dem, der Bezeichnungsweises eines Satzes. Wird etwa das Ich in diesen Fällen durch den Satz ersetzt und das Verhältnis des Ich zur Wirklichkeit durch das Verhältnis von Satz und Wirklichkeit?))



     

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                    (Der Mensch, der in den Spiegel sieht um sich zwinkern zu sehen; und was er nun wirklich sieht. Ungeeignete physikalische Theorien.)




     

Befehl & Ausführung, Intervention der Vorstellung zum Verständnis des Befehls (Satzes)

     

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                    Idealismus
/(Es könnte sich eine seltsame Analogie daraus ergeben, dass das Okular auch des riesigsten Fernrohrs nicht grösser sein darf //nicht grösser ist//, als unser Auge.)/

     

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                    Wer den Satz, nur die gegenwärtige Erfahrung sei real, bestreiten will (was ebenso falsch ist, wie ihn zu behaupten), wird etwa fragen, ob denn ein Satz wie “Julius Cäsar ging über die Alpen” nur den gegenwärtigen Geisteszustand Desjenigen beschreibt, der sich mit dieser Sache beschäftigt. Und die Antwort ist natürlich: Nein! er beschreibt ein Ereignis, das, wie wir glauben, vor ca. 2000 Jahren stattgefunden hat. Wenn nämlich das Wort “beschreibt” so aufgefasst wird, wie in dem Satz “der Satz ‘ich schreibe’ beschreibt, was ich gegenwärtig tue”. Der Name Julius Cäsar

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bezeichnet eine Person. — Aber was sagt denn das alles? Ich scheine mich ja um die eigentliche philosophische Antwort drücken zu wollen! — Aber Sätze, die von Personen handeln, d.h. Personennamen enthalten, können eben auf sehr verschiedene Weise verifiziert werden. — Fragen wir uns nur, warum wir den Satz glauben. — Dass es (z.B.) denkbar ist, die Leiche Cäsars noch zu finden, hängt unmittelbar mit dem Sinn des Satzes über Julius Cäsar zusammen. Aber auch, dass es denkbar //möglich// ist, eine Schrift zu finden, aus der hervorgeht, dass so ein Mann nie gelebt hat und seine Existenz zu bestimmten Zwecken erdichtet worden ist //sei//. Diese //Solche// Möglichkeiten gibt es (aber) für einen Satz: “ich sehe einen roten Fleck über einen grünen dahinziehen” nicht; und das ist es, was wir damit meinen, wenn wir sagen, dass dieser Satz in unmittelbarerer Art Sinn hat //, dieser Satz habe in … Sinn, als …//, als jener der über Julius Cäsar.// … Und das meinen wir, wenn wir sagen, dieser Satz habe …//

     

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“Schmerzen haben

     

138'
                    Zur Erklärung des Satzes “er hat Zahnschmerzen” sagt man ganz etwa: “ganz einfach, ich weis, was es heißt, dass    ich   Zahnschmerzen habe, und wennich sage dass er Zahnschmerzen hat so meine ich, dass er jetzt das hat, was ich damals hatte”. Aber was bedeutet “er” und was bedeutet “Zahnschmerzen    haben  ”. Ist das eine Relation, die die Zahnschmerzen damals zu mir hatten und jetzt zu ihm. Dann wäre ich mir also jetzt auch der Zahnschmerzen bewußt, und dessen dass er sie jetzt hat, wie ich eine Geldbörse jetzt in seiner Hand sehen kann, die ich früher in meiner gesehen habe.
                    Hat es einen Sinn zu sagen “ich habe Schmerzen, ich merke sie aber nicht”? Denn in diesem Satz könnte ich dann allerdings statt “ich habe” “er hat” einsetzen. Und umgekehrt, wenn die Sätze “er hat Schmerzen” und “ich habe Schmerzen” auf der gleichen logischen Stufe stehen, so muss ich im Satz “er hat Schmerzen, die ich nicht fühle” statt “er hat” “ich habe” setzen können. — Ich könnte auch so sagen: Nur insofern ich Schmerzen haben kann, die ich nicht fühle, kann er Schmerzen haben die ich nicht fühle. Es könnte dann noch immer der Fall sein, dass ich tatsächlich die Schmerzen die ich habe immer fühle, aber es muss Sinn haben, das zu verneinen.

     

138'
                    Der Begriff der Zahnschmerzen als eines Gefühlsdatums ist allerdings auf den Zahn des Anderen ebenso anwendbar, wie auf den meinen, aber nur in dem Sinne, in dem es ganz wohl möglich wäre, in dem Zahn in eines andern Menschen Mund Schmerzen zu haben. empfinden. Im Einklang mit der gegenwärtigen Ausdrucksweise würde man aber diese Tatsache nicht durch die Worte “ich fühle seinen Zahnschmerz” ausdrücken, sondern durch “ich habe in seinem Zahn Schmerzen”. --- Man kann nun sagen: Freilich hast Du nicht seinen Zahnschmerz, denn es ist auch dann sehr wohl möglich, dass er sagt “ich fühle in diesem Zahn nichts”. Und sollte ich in diesem Fall sagen “du lügst, ich fühle, wie Dein Zahn schmerzt”?

     

167'
                    Wenn ich jemand, der Zahnschmerzen hat, bemitleide, so setze ich mich in Gedanken an seine Stelle. Aber ich setze    mich   an seine Stelle.


     
                    Die Frage ist, ob es Sinn hat zu sagen: “Nur A kann den Satz ‘ A hat Schmerzen’ verifizieren, ich nicht”. Wie aber wäre es, wenn dieser Satz falsch wäre, wenn    ich   also den Satz verifizieren könnte, kann es etwas anderes heißen, als dass dann ich Schmerzen fühlen müsste! Aber wäre das eine Verifikation? Vergessen wir nicht: es ist Unsinn, zu sagen,    ich   müsste    meine   Schmerzen oder    seine   Schmerzen fühlen.
                    Man könnte auch so fragen: Was in meiner Erfahrung rechtfertigt das “meine” in “ich fühle    meine   Schmerzen”. Wo ist die Multiplizität des Gefühls, die dieses Wort rechtfertigt, und es kann nur dann gerechtfertigt sein, wenn an seiner Stelle auch ein anderes Wort treten kann.


     
                    “Ich habe Schmerzen” ist, im Falle ich den Satz gebrauche, ein Zeichen ganz anderer Art, als es für mich im Munde eines Anderen ist; und zwar darum, weil es im Munde eines Anderen für mich so lange sinnlos ist, als ich nicht weiss, welcher Mund es ausgesprochen hat. Das Satzzeichen besteht in diesem Falle nicht im Laut allein, sondern in der Tatsache, dass dieser Mund den Laut hervorbringt. Während im Falle ich es sage, oder denke, das Zeichen der Laut allein ist.


     
                    Angenommen, ich hätte stechende Schmerzen im rechten Knie und bei jedem Stich zuckt mein rechtes <…&g